Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Risikofaktor

Ein Risikofaktor ist ein Faktor, der wenn er feststellbar ist ein erhöhtes Risiko darstellt, dass eine gewisse Störung auftritt.

In der Medizin ist ein Risikofaktor ein Faktor, der im Hinblick auf das Auftreten einer gesundheitlichen Störung, bzw. einer gewissen Krankheit ein Risiko darstellt.

In der Psychiatrie ist ein Risikofaktor ein Faktor, der im Hinblick auf das Auftreten einer psychischen Störung ein gewisses Risiko darstellt.

Etwa die erhöhten Cholesterinwerte, oder der erhöhte Blutdruck, oder die verminderte körperliche Aktivität, oder das Rauchen, oder das Übergewicht stellen Risikofaktoren im Hinblick auf das Auftreten eines Herzinfarktes dar, wie dies in der berühmten Framingham Studie in den USA in der Zeit nachdem 2. Weltkrieg an einer Population von ca. 5000 Personen festgestellt werden konnte, die im Hinblick auf die Entwicklung eines Herzinfarktes untersucht und überwacht worden sind.

So wie man in Bezug auf die Entwicklung eines Herzinfarktes Risikofaktoren gefunden hat, kennt man inzwischen auch Risikofaktoren im Hinblick auf die Entwicklung von Lungenkrebs, von Darmkrebs usf., oder im Hinblick auf die Entwicklung einer sonstigen gesundheitlichen Störung, weil man beobachtet hat, dass gewisse Faktoren im Zusammenhang mit gewissen gesundheitlichen Störungen auftreten.

Neben äußeren Faktoren, die das Auftreten einer gesundheitlichen Störung befördern können, kennt man auch anlagemäßige Faktoren, wie sie bei gewissen Krankheiten in den Genen oder anderweitig festgestellt werden konnten. Man kennt z.B. genetische Muster, die zwingend mit einer gewissen gesundheitlichen Störung verbunden sind (z.B. bei der Hämophilie), und andererseits genetische Faktoren, die gehäuft aber nicht gesetzmäßig mit dem Auftreten einer gewissen gesundheitlichen Störung verbunden sind.

In der Psychiatrie hat man z.B.  bei Personen, die eine psychische Störung vom Typ der Schizophrenie entwickelt haben gewisse Genekonstellationen gehäuft beobachtet, die offenbar als Faktoren zum Auftreten dieser Form einer psychischen Störung disponieren. Man weiß auch, dass das Rauchen von Cannabis einen Risikofaktor darstellt, und man kann in der psychiatrischen Praxis nicht selten von den betroffenen Personen selbst hören, dass die erste psychotische Störung nachfolgend and Cannabis Konsum aufgetreten ist. Analoges gilt auch für LSD, für psychotrope Pilze und für andere psychotrope Substanzen, die zum Auftreten einer psychotischen Störung vom Typ der Schizophrenie disponieren.

Im konkreten Fall kann man allerdings im Vorhinein nicht wissen, ob durch den Konsum einer solchen Substanz, oder durch das Vorhandensein eines Risikofaktors – wie er oben im Hinblick auf das Auftreten einer körperlichen Krankheit beschrieben worden ist – tatsächlich eine solche gesundheitliche Störung ausgelöst wird, oder, ob dies nicht der Fall sein wird. Man kann also im Vorhinein nicht sagen, dass diese Substanz für sich allein die Ursache schlechthin ist, oder ob dieser dieser Risikofaktor ein Faktor neben anderen Faktoren ist – und damit ein Faktorenbündel die Wirkung im Sinn einer komplexen Ursache hervorruft. Eine nähere Prognose ist also im konkreten Fall nicht möglich.

Tatsächlich hat man im konkreten Fall darüber keine Kenntnis, bzw. kann man dies im konkreten Fall nicht im Vorhinein wissen, weil das Wissen um diese Zusammenhänge aus der Erfahrung abgeleitet worden ist.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet gilt nämlich was Immanuel Kant gesagt hat, dass eine Idee an sich nicht konstitutiv, sondern nur regulativ ist. (vgl. mit Kant Zitat 3a)

Wie es um die Kausalität im konkreten Fall steht, kann man also nicht wissen. Die Forschung liefert dazu allerdings gewisse Daten, die aus der Erfahrung abgeleitet worden sind. Man kann also nur die disponierenden Faktoren als solche feststellen, und unter Heranziehung der statischen Daten in Bezug auf den konkreten Fall gewisse Vermutungen anstellen, wie es wohl kommen wird. Ob die Norm auf den konkreten Fall zutrifft, oder, ob gar keine Störung auftreten wird, das kann man im konkreten Fall im Vorhinein nicht wissen.

Man sollte daher bei der Verwendung der wissenschaftlichen Daten diese kritisch verwenden, und nicht falsche Schlussfolgerung für den konkreten Fall daraus ableiten, das heißt man soll eine Idee grundsätzlich regulativ und nicht konstitutiv verwenden, bzw. soll man eine Idee relativistisch verwenden. Das von der Wissenschaft im Hinblick auf die Risikofaktoren hervorgebrachte Wissen soll man allerdings sehr wohl berücksichtigen, und weiters auch noch daran denken, dass möglicherweise im konkreten Fall auch noch andere Faktoren von wesentlicher Relevanz sind. (Weiteres darüber im Beitrag über die Faktor)

(Beitrag in Arbeit, letztes update 26.1.2012)

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