Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

reliabel

Reliabel ist was zuverlässig ist.

Vielfach ist vorerst nicht gewiss, ob eine Erkenntnis reliabel ist.

Es kann sich bei diesem Wissen um faktisches Wissen also um objektives Wissen vom Grad der Gewissheit handeln, oder nur um subjektives Wissen vom Grad eines Glaubens, oder um eine Meinung, die nicht einmal subjektiv gewiss ist.

Daher muss im konkreten Fall der Grad der Reliabilität überprüft werden.

In sehr vielen Bereichen kann man nicht wirklich reliabeles Wissen erlangen, weil das Wissen nur auf der Ebene der Ideen erlangt werden kann.

Dies ist in vielen Fällen in der Rechtssprechung der Fall und es ist dies auch in der Medizin in vielen Fällen der Fall. In der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) kann man auf der Grundlage von Ideen grundsätzlich immer nur beschränktes Wissen und damit nur mehr oder weniger reliables (verlässliches) Wissen erlangen.

Es handelt sich also in vielen Erkenntnisbereichen beim erlangten Wissen bzw. bei der erlangten Erkenntnis immer um beschränktes Wissen (vgl. mit Kant Zitat 3a).

In der Psychiatrie ist eine Erkenntnis also grundsätzlich beschränkt reliabel, weil sie nur relativ in Bezug auf eine Idee und zwar in Bezug auf eine bloße Idee gültig ist.

Dies ist so, weil man ein psychisches Phänomen nur auf der Grundlage einer Idee erkennen kann. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Man kann ein psychisches Phänomen nur mit der Hilfe eines Konzepts erkennen das man auf die psychischen Auffälligkeiten projiziert.

Man kann ein psychisches Phänomen nicht „physisch“ messen und allgemein gültig bestimmen.

Daher ist die Reliabilität in der Psychiatrie (und auch in der Psychologie und in der Psychotherapie) immer beschränkt. (vgl. mit Kant Zitat 3a)

(Anmerkung: Reliabilität (lat.) = Zuverlässigkeit (dt.), z.B. die Zuverlässigkeit einer Messmethode. (vgl. mit dem WikiBeitrag)

Wie könnte eine psychische Erscheinung reliabel, also zuverlässig diagnostisch erkannt werden wenn das klinische Erscheinungsbild untypisch ist und das Ergebnis der Untersuchung, der psychische Befund nicht auf der Ebene der Objekte durch einen objektiven Befund überprüft werden kann?

Man sollte in der Psychiatrie sich der Tatsache bewusst sein, dass man eine psychiatrische Diagnose nur auf der Grundlage von psychischen Erscheinungen (griechisch: phenomenon – das was erscheint, das Erscheinende), also auf der Grundlage von psychischen Phänomenen und damit auf der Grundlage von bloßen Ideen (vgl. mit Kant Zitat 4)  erkennt. Man kann in der Psychiatrie nicht – so wie dies in der körperlichen Medizin vielfach möglich ist – die erlangte Erkenntnis bzw. die erlangte Vorstellung, also die erlangte Idee „physisch“ überprüfen.

In der Medizin kann man eine Verdachtsdiagnose oder eine Differenzialdiagnose in vielen Fällen „physisch“ überprüfen. In der Psychiatrie ist dies, weil man die Erkenntnisse auf der Grundlage von bloßen Ideen erlangt nicht möglich. (vgl. Kant Zitat 8 und mit Kant Zitat 4)

In der Psychiatrie kann man eine Erkenntnis nicht objektivieren. Man kann also eine psychiatrische Erkenntnis nicht am Probierstein der Erfahrung prüfen (vgl. mit Kant Zitat 10), wie dies in der Medizin in vielen Fällen möglich ist. Es handelt sich in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) um Erkenntnisse, die auf der Grundlage von Ideen erkannt werden, die man auf psychische Sachverhalte projiziert hat. Man gewinnt in der Psychiatrie die Erkenntnisse auf der Grundlage von psychiatrischen Konzepten, die man auf die psychischen Erscheinungen projiziert und somit angewandt hat. Daher kann man in der Psychiatrie das Ganze der Idee nicht geradezu erkennen  – wie dies Karl Jaspers in seinem Buch „Allgemeine Psychopathologie“ formuliert hat (vgl. mit Jaspers Zitat), sondern man kann sich dem Ganzen der Idee durch das Schema der Idee nur nähern (vgl. mit Jaspers Zitat) – man nähert sich also dem Ganzen der Idee  durch die psychiatrische Kategorie, die das Schema der psychiatrisch-diagnostischen Idee ist. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Daher handelt es sich in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) um subjektives Wissen das relatives Wissen ist, und das durch die Verwendung einer Ideenlehre – philosophisch gesprochen – durch die Verwendung einer Dogmatik (vgl. mit Kant Zitat 10) – gewonnen worden ist. Wie könnte solches Wissen absolut bzw. unbeschränkt „reliabel“ bzw. die Erkenntnis absolut valide sein?

Man erkennt damit, dass man in der Psychiatrie auf der Grundlage einer per Konvention festgelegten psychiatrischen Klassifikation beschränkt „reliable“ Erkenntnisse gewinnen kann. Wenn der Sachverhalt typisch ist, wenn das klinische Erscheinungsbild typisch ist, dann ist die verwendete psychiatrische Einheit, die eine systematische Einheit ist relativ gut zutreffend. Wenn das klinische Erscheinungsbild jedoch untypisch ist, dann ist die angewandte psychiatrische Einheit bzw. die angewandte psychiatrische Diagnose relativ schlecht zutreffend und damit wenig „reliabel“. Man kann also in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) – nicht so wie dies in der Medizin vielfach möglich ist – auf der Grundlage von objektiven Befunden objektiv gültig und damit absolut gültig überprüfen, ob die diagnostische Einheit zutreffend ist. Man hat in der Psychiatrie keine allgemein gültigen Kriterien auf deren Grundlage man die Reliabilität überprüfen kann. Daher kann man in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) nur relativ gültiges bzw. relatives Wissen erlangen.

Daher sollte man  in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) das Wissen immer in der Schwebe halten – wie dies Karl Jaspers formuliert hat (vgl mit Jaspers Zitat 2). Wenn das Wissen in der Psychiatrie wenig „reliabel“ bzw. wenig „valide“ ist, dann beginnt man in der Therapie – wenn eine Pharmakotherapie indiziert ist-  symptomatisch orientiert, etwa im Fall einer unklaren depressiven Störung mit Antidepressiva, oder bei einer unklaren psychischen Störung, mit Verdacht auf eine schizophrene Störung niedrig dosiert mit Neuroleptika um sodann aus dem weiteren Verlauf zu erkennen, ob die Therapie hilfreich ist. Auf diese Art und Weise kann man durch das empirische Vorgehen subjektiv gültig überprüfen, ob der angestrebte Zweck, mit der angewandten Methode, also das therapeutische Ziel erwartungsgemäß erreicht wird. (vgl. mit Kant Zitat 2)

Man arbeitet also in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) auf der Grundlage von bloßen Ideen bzw. auf der Grundlage von Konzepten – und ohne, dass man die Einheiten tatsächlich bzw. „physisch“ bestimmen kann. Auf diese Art und Weise kann man die jeweilige systematische Einheit angenähert erkennen und damit den Zweck unter Anwendung der geeigneten Methoden und Mittel und unter Verwendung des vorhandenen Wissens bestmöglich erreichen. (vgl. mit Kant Zitat 2)

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(letzte Änderung 25.05.2017, abgelegt unter: Definition, Validierung)

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