Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

relatives Wissen

Relatives Wissen ist relativ gültig. Im Gegensatz dazu ist absolutes Wissen absolut gültig.

Subjektives Wissen ist relatives Wissen.

Relatives Wissen ist auch beschränktes Wissen.

Relatives Wissen wird auf der Grundlage der subjektiven Norm erkannt.

In der Medizin ist vieles, von dem, was wir wissen nur relativ gültig. Andererseits gibt es in der Medizin auch absolut gültiges Wissen. Absolut gültiges Wissen ist objektives Wissen.

In der Psychiatrie ist praktisch alles Wissen nur relativ gültig, weil psychiatrisches Wissen grundsätzlich subjektives Wissen ist.

Wenn man sagt, dass eine Person „depressiv“ ist, dann ist diese Aussage relativ gültig. Auch wenn die Person selbst sagt, dass sie sich „depressiv“ fühlt, ist diese Aussage ebenfalls nur relativ gültig.

Wenn man z.B. sagt: Jemand ist krank, dann ist auch diese Aussage relativ gültig.

Jemand kann schwer krank sein, oder er kann nur leicht krank sein. Wenn Jemand nur leicht krank ist und die Genesung weiter voran schreitet, dann wird man irgend wann sagen, dass die Person wieder gesund ist.

In diesem Sinn ist der Begriff „krank“ relativ gültig und der Bedeutungsgehalt des Begriffs je nach dem verschieden.

Man erkennt damit also, dass die Aussage „krank“ bzw. „krank sein“ nur relativ gültig ist. Oftmals fühlt sich jemand „krank“, und ist die Person aus der Sicht einer anderen Person nicht krank. Auch das Gegenteil kann der Fall sein. Jemand ist offensichtlich „krank“, gesteht sich dies jedoch nicht ein – oder noch nicht ein – und er sagt über sich er sei nicht krank.

Sich krank fühlen oder gesund fühlen, oder Jemanden als krank oder gesund beurteilen hängt also von einem Urteil, von einer Entscheidung ab.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet wird diese Entscheidung bzw. dieses Urteil in Relation zu einer Idee, also in Relation zu einer Vorstellung getroffen. Auf mentaler Ebene vergleichen wir Vorstellungen miteinander und entscheiden dann, ob das Eine oder das Andere zutrifft, und in welchem Ausmaß es zutrifft. Immanuel Kant spricht daher vom relativistischen Gebrauch einer Idee. (vgl. mit Kant Zitat 4).

Nur der relativistische bzw. relative Gebrauch einer psychologischen bzw. einer psychiatrischen Idee ist richtig, der absolutistische Gebrauch hingegen ist falsch. (vgl. mit Kant Zitat 3a)

Tatsächlich sollte man Ideen, bevor man nicht nachgewiesen hat, dass sie absolut gültig sind nur relativistisch gebrauchen.

Weil man psychologische Ideen und psychiatrische Ideen nicht „physisch“ überprüfen kann, sollte man diese Ideen grundsätzlich nur relativistisch verwenden.

Mit anderen Worten viele unserer Ideen sind nur relativ gültig und nicht absolut gültig.

 

Relatives Wissen ist nur beschränkt gültig

Subjektives Wissen ist relatives Wissen, es ist primär nur für das Subjekt gültig. Es handelt sich also in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) um subjektivs Wissen, das primär nur für das Subjekt gilt das dieses Wissen erlangt hat und ist daher solches Wissen generell nur relativ gültig. Weil es relativ gültig ist kann man auch sagen, dass es beschränkt gültig ist. 

Im Gegensatz zum relativen Wissen ist absolutes Wissen bzw. objektives Wissen unbeschränkt bzw. allgemein gültig.

Viel von unserem Wissen ist relatives Wissen. Wir haben ein gewisses Wissen, aber das Wissen ist beschränkt. Wir wissen über die Dinge einiges bzw. etwas, aber das, was wir über die Dinge wissen und darüber sagen können ist limitiert, beschränkt, wenig sicher und oftmals nicht unzweifelhaft sicher und gewiss.

In der Psychiatrie kann man eine psychische Störung durch begriffliche Aussagen nur beschränkt charakterisieren und beschreiben. Dem gemäß kann man die psychischen Störungen durch die Kategorien einer Klassifikation (z.B. der ICD oder DSM Klassifikation) nur beschränkt beschreiben und definieren. Es trifft also zu was Karl Jaspers gesagt hat. Wir können uns dem Ganzen durch das Schema der Idee, durch den Begriff nur nähern. (vgl. mit Jaspers Zitat)

Die Relativität der psychiatrischen Diagnosen hat übrigens auch schon Wilhelm Griesinger erkannt und sehr treffend beschrieben. (siehe Griesinger Zitat)

In der Medizin ist viel von dem, was wir wissen relatives Wissen. Manch ein Wissen in der Medizin ist allerdings absolutes Wissen, das meiste ist jedoch relatives Wissen.

In der Psychiatrie ist praktisch alles Wissen nur relatives Wissen. In der Psychiatrie gibt es nur ausnahmsweise absolutes Wissen, das allermeiste psychiatrische Wissen ist relatives Wissen und daher beschränktes Wissen.

Man sollte sich also dessen bewusst  sein auf welcher Basis das Wissen steht das man gewonnen hat.

In vielen Erkenntnisbereichen können wir kein absolutes bzw. kein allgemein gültiges Wissen erlangen. Wir können in vielen Bereichen nur relatives Wissen auf der Ebene der Ideen durch den Vergleich der Ideen erlangen.

Man sollte sich also dessen bewusst sein, auf welcher Basis das Wissen entstanden ist und besteht. Dann wird man dieses Wissen richtig, nämlich relativistisch verwenden. (vgl. mit Kant Zitat 3a)

(letztes update 28.4.2011) (3-)

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