Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

regulativ

Eine Idee ist regulativ und nicht konstitutiv (vgl. mit Kant Zitat 3a).

Eine Idee an sich ist nur eine Vorstellung.

Daher kann man nicht sicher sein, ob die Idee (Vorstellung) auf den Sachverhalt zutrifft und die Vorstellung allgemein gültig ist.

Manchmal trifft eine Idee, die man erlangt hat, auf einen Sachverhalt zu und ist die Idee, wenn sie sich auf eine demonstrierbare Sache bezieht allgemein gültig, und daher durch den Beweis allgemein gültig überprüfbar – z.B. wenn sie sich auf ein real existentes Objekt bezieht (zum Beispiel: falls die Frage ansteht: hat der Patient einen Knochenbruch erlitten? => das sodann angefertigte Röntgenbild zeigt einen solchen).

Falls dieser Beweis jedoch nicht geliefert werden kann, ist die Idee nur regulativ.

Sehr oft ist eine Idee nur subjektiv gültig und damit nur relativ gültig, und man kann oftmals die erlangte Idee (Vorstellung) nicht auf der Ebene der Objekte allgemein gültig überprüfen (vgl. mit Kant Zitat 7) (zum Beispiel wenn ich im Zweifel bin, ob die Person wirklich fröhlich ist ?).

Eine Idee erklärt den Zusammenhang von Erkenntnisobjekten entweder auf der Ebene der Objekte oder auf der Ebene der Ideen oder zwischen den beiden Ebenen.

Man weiß allerdings vorerst oftmals nicht, ob die erlangte Idee verlässlich – also reliabel – zutreffend ist und daher allgemein gültig ist (vgl. mit Kant Zitat 9).

Das heißt eine Idee an sich, oder für sich ist nicht gewiss, sie stellt kein gesichertes Wissen dar.

Man weiß bei einer Idee vorerst nicht, ob es sich dabei um objektives Wissen, oder nur um subjektives Wissen handelt.

Daher sollte man eine Idee vorerst immer nur relativistisch verwenden, jedenfalls solange die Sache nicht als gewiss erwiesen ist, solange noch kein allgemein gültiger Beweis vorliegt, dass die Idee objektiv gültig und daher allgemein gültig ist (vgl. mit Kant Zitat 9).

Dies ist in vielen Bereichen von Relevanz, dies ist etwa in der Rechtsprechung*, in der Wissenschaft bezüglich der Gültigkeit einer Theorie, z.B.  in der Medizin, in der Psychiatrie, in der Psychologie und auch in vielen anderen Bereichen von Relevanz.

(* daher der Spruch: im Zweifel für den Angeklagten)

Insbesondere in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) sollte man eine Idee nur relativistisch verwenden, weil eine psychiatrische Idee – so wie eine psychologische Idee (vgl. mit Kant Zitat 4) und auch eine psychotherapeutische Idee immer eine bloße Idee ist, und eine solche Idee immer nur relativ gültig und nicht absolut gültig ist.

Mit anderen Worten: eine psychiatrische Idee (psychologische Idee und eine psychotherapeutische Idee) ist immer nur regulativ, aber niemals konstitutiv.

Im Gegensatz zur Psychiatrie (Psychologie und Psychotherpie) kann man in der Medizin manch eine Idee allgemein gültig überprüfen und daher die vorerst im Verdacht stehende Diagnose – die Verdachtsdiagnose im Rahmen der näheren Abklärung durch die aufgefundenen Befunde allgemein gültig bestimmen.

Man kann in einem solchen Fall die Diagnose also durch objektive Befund überprüfen (Beispiel: Verdacht auf Knochenbruch).

Daher sagt man, dass man die medizinische Diagnose in diesem Fall durch die Objektivierung überprüfen kann, was im Gegensatz dazu bei einer psychiatrischen Diagnose niemals möglich ist – eben, weil sich diese Diagnose auf psychische Erscheinungen (psychische Phänomene) gründet und sie daher nur durch den Begriff der Idee erkennbar ist, der als systematische Einheit im Bewusstsein des diagnostizierenden Arztes  (Psychiaters) erscheint, wenn er die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee (vgl. mit Kant Zitat 7) geistig auffasst.

Mit anderen Worten: die Merkmale und auch der ganze psychische Symptomenkomplex einer psychiatrischen Diagnose oder auch die Merkmale einer nicht objektivierbaren medizinischen Diagnose erscheinen als systematische Einheiten im Bewusstsein der erkennenden Person, weil es sich in einem solchen Fall um nur problematisch zum Grund gelegte Einheiten handelt (vgl. mit Kant Zitat 8).

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(letzte Änderung 16.1.2017, abgelegt unter philosophische Begriffe, Relativität, Definition)

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