Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Regel

Die Regel ergibt sich aus dem Zusammenhang, die der Verstand infolge der Erfahrung durch die Assoziation erkannt hat (vgl. mit Kant Zitat 12c).

Weil der Zusammenhang regelmäßig auftritt, ist die Regel die Richtlinie.

Dabei ist die Wahrscheinlichkeit von Bedeutung, weil der Zusammenhang infolge der Regelmäßigkeit erkannt wird.

Falls der Zusammenhang immer auftritt, spricht man von einer Gesetzmäßigkeit. Es gibt also einen Unterschied zwischen einem Zusammenhang der gesetzmäßig auftritt, im Vergleich zu einem der nur regelmäßig auftritt.

Es können also die Dinge und / oder die Phänomene (Erscheinungen) in einem gewissen Zusammenhang mehr oder weniger häufig, zum Teil immer (das eine Extrem – der eine Pol), oder zum Teil überhaupt nicht (das andere Extrem – der andere Pol) auftreten. Dazwischen gelegen findet man Zusammenhänge die manchmal auftreten, gelegentlich auftreten, häufig auftreten, eher selten auftreten usf.

Daher spricht man davon, dass die Dinge und / oder die Erscheinungen mehr oder weniger regelmäßig oder gesetzmäßig auftreten.

Eine Regel wird auf der Grundlage der Erfahrung erkannt.

Die Erfahrung führt zu einer Vorstellung, also zu einer Idee auf deren Grundlage die Regel erkannt und formuliert wird. Auf dieser Basis wird die Theorie erkannt durch die man den Sachverhalt verstehen und erklären kann.

Dabei kann sich die Regel auf Erkenntnisobjekte beziehen, die auf der Ebene der Objekte erkannt werden und in Bezug auf die der Sachverhalt auf der Grundlage von objektiver Evidenz untersucht werden kann.

Oder es kann sich die Regel auf Erkenntnisobjekte beziehen, die nicht in diesem Sinn auf der Ebene der Objekte überprüft werden können, sondern in Bezug auf die der Sachverhalt nur auf der Ebene der Ideen durch den Vergleich der Ideen und durch das Ponderieren der Ideen gegeneinander überprüft werden kann. In diesem Fall kann ich den Sachverhalt nur auf der Grundlage von subjektiver Evidenz erkennen.

Falls ich die Idee also nicht auf der Ebene der Objekte überprüfen kann, und es sich daher um eine bloße Idee handelt, kann ich das Zutreffen der Einheit nur auf Basis der systematischen Einheit erkennen. In einem solchen Fall wird die Regel durch ein regulatives Prinzip erkannt.

Eine Regel kann für den konkreten Fall mehr oder weniger zutreffend sein. Die Regel kann also für den konkreten Fall mehr oder weniger gültig sein.

Es kann bei einer Art von Sachverhalt der Zusammenhang gemäß einer Regel bzw. einer Regelmäßigkeit auftreten, oder es kann der Zusammenhang ausnahmslos, also immer auftreten, dann spricht man von einem Gesetz bzw. einer Gesetzmäßigkeit.

Die Kausalität zeigt den Zusammenhang der Ursache und ihrer Wirkung nach einer Regel auf.

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Regeln und Regelmäßigkeiten in verschiedenen Bereichen:

In der Medizin hat man in der Diagnostik infolge des empirischen Wissens bemerkt, dass die Dinge entweder im Sinn einer Regel, oder im Sinn eines Gesetzes bzw. einer Gesetzmäßigkeit auftreten.

Wenn in der Medizin z.B. gewisse Symptome und Phänomene regelmäßig auftreten, dann erkennt man damit einen Zusammenhang im Sinn einer Regel. Auf dieser Grundlage hat man gewisse gesundheitliche Störungen (Krankheiten) und damit die zugehörigen medizinischen Diagnosen erkannt.

Man auf dieser Basis hat man etwa die Regelmäßigkeit der auftretenden Symptomenkomplexe erkannt und beschrieben, wie sie zum Beispiel bei der gesundheitlichen Störung vorkommen, die durch die diagnostische Einheit Migräne beschrieben wird.

Analog hat man auch die Symptomenkomplexe der Einheiten: Spannungskopfschmerz, Fibromyalgie, Vegetative Dystonie usf. erkannt und gemäß dieser Regel beschrieben.

Daneben gibt es Krankheiten bzw. gesundheitliche Störungen bei denen gewisse Merkmale gesetzmäßig auftreten. Weil diese Merkmale bei diesen gesundheitlichen Störungen (Krankheiten) immer auftreten handelt es sich dabei nicht um eine Regel sondern um ein Gesetz. Es handelt sich dann also um Merkmale, die im Sinn einer conditio sine qua non auftreten. Bei einem solchen Merkmal spricht man von der tatsächlichen Ursache falls es sich dabei um eine mögliche Ursache handelt.

In der Psychiatrie hat man in der Diagnostik bemerkt, dass die charakteristischen Merkmale einer psychischen Störung, und damit die Merkmale einer psychiatrischen Diagnose gemäß einer Regel auftreten.

Wir erkennen also in der Psychiatrie bei den psychiatrischen Diagnosen – analog zu gewissen medizinischen Diagnosen – den Zusammenhang von psychischen Symptomen und psychischen Phänomenen (respektive psychopathologischen Phänomenen) im Sinn einer Regel wenn gewisse typische Symptom-Konstellationen wiederholt auftreten. In der Psychiatrie hat man auf diese Art und Weise die einzelnen psychischen Störungen bzw. die Merkmale der psychiatrischen Diagnosen  auf der Grundlage der Gleichartigkeit dieser psychischen Symptomenkomplexe „entdeckt“ bzw. beschrieben und diese in den psychiatrischen Kategorien einer psychiatrischen Klassifikation, etwa in der Psychiatrischen ICD-10 Klassifikation oder in anderer Form in der DSM-V Klassifikation definiert.

Auf diese Art und Weise hat man also die verschiedenen Syndrome in der Medizin und in der Psychiatrie die unterschiedlichen psychischen Syndrome auf der Grundlage der Phänomenologie erkannt und beschrieben.

Der Unterschied zwischen der Regelmäßigkeit und der Gesetzmäßigkeit sollte in der Wissenschaft berücksichtigt werden, weil man sonst in Widersprüche gerät.

Mit solchen Widersprüchen ist z.B. die psychiatrische Wissenschaft seit langem bis heute konfrontiert, weil sie die psychischen Merkmale in der psychiatrischen Wissenschaft weiterhin so ansieht und behandelt wie objektiv bestimmbare Merkmale in der Medizin. (Weiteres dazu auf Poster 3: PROBABILITY IN MEDICINE AND IN PSYCHIATRY – IN THE LIGHT OF IMMANUEL KANT`S PHILOSOPHY)

So wie in der Medizin hat man in vielen anderen Bereichen teils Zusammenhänge gemäß einer Regel erkannt, so etwa in der Biologie, Zoologie, Botanik usf. wohingegen in den verschiedenen Bereichen der Naturwissenschaft im Sinn der Grundlagenwissenschaften (Physik, Chemie, Biochemie, usf.) Gesetzmäßigkeiten beobachtet werden. Eine Zwischenstellung nimmt hier die Physiologie ein, wo teils Vorgänge gemäß einer Gesetzmäßigkeit zu beobachten sind und teils gemäß einer Regelmäßigkeit.

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(letztes Änderung 10.06.2017, abgelegt unter philosophische Begriffe,  Regel, Zusammenhang, Definition, Philosophie)

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