Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

operationalisierte Einheit

Eine operationalisierte Einheit ist eine Einheit, die mit den benachbarten Einheiten abgestimmt worden ist, damit die Einheit besser von diesen Einheiten unterschieden werden kann, und damit sie in der Wissenschaft besser „messbar“ ist.

In der psychiatrischen Diagnostik ist eine operationalisierte Einheit eine operationalisierte Kategorie.

In der Psychiatrie sind die psychiatrischen Kategorien der DSM Klassifikation und die psychiatrischen Kategorien der psychiatrischen ICD Klassifikation in diesem Sinn „operationalisierte Kategorien“, wobei diese Einheiten jeweils eine operationalisierte Klassifikation bilden.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet erkennt man, dass eine „operationalisierte Einheit“ eine  systematische Einheiten ist. Eine solche Einheit ist das Schema der jeweiligen Idee (vgl. mit Kant Zitat 7).

Daher kann man sagen, dass die psychiatrische Kategorie das Schema der psychiatrisch-diagnostischen Idee ist (vgl. mit Kant Zitat 7).

Weil man durch eine solche Einheit das Ideal nicht erreichen kann schreibt Karl Jaspers, dass man das Ganze der Idee nicht geradezu erkennen kann, sondern dass man dem Ganzen der Idee sich durch das Schema der Idee nur nähern kann (vgl. mit Jaspers Zitat). Und weiters schreibt Karl Jasper auch treffend, dass solche Schemata entworfene Typen sind, die man missversteht wenn man sie als Realitäten behandelt (vgl. mit Jaspers Zitat). Und schließlich schreibt K. Jaspers auch treffend dass diese Einheiten methodische Hilfsmittel sind, die im Prinzip grenzenlos korrigierbar und verwandelbar sind – was ja gerade durch die Anpassung bzw. durch die „Nachjustierung“ der „Grenzen“ der Einheiten im Rahmen der Revision einer operationalisierten Klassifikation geschieht.

Eine solche systematische Einheit ist auf der Grundlage der klinischen Erfahrung erkannt und sodann weiter entwickelt worden, und es ist die Einheit als solche in Bezug auf ihre „Grenzen“ und ihre „Einbettung“ in die operationalisierte Klassifikation im Rahmen der Revisionen weiter entwickelt worden. Es ist also in weiterer Folge eine solche Einheit in Abstimmung mit den benachbarten Einheiten noch weiter modifiziert worden – falls dies den Fachleuten zweckdienlich erschien, damit auf der Grundlage dieser besser definierten Einheit diese Form einer psychischen Störung wissenschaftlich noch besser erfasst und bestmöglich systematisch studiert werden kann.

Wenn man die Geschichte der Psychiatrie zurück verfolgt, dann erkennt man, dass zuerst die jeweilige psychiatrische Einheit als solche in ihrer ersten Form definiert worden ist – wie dies z.B. an der Definition der Einheit „Schizophrenie“ durch Eugen Bleuler aufgezeigt werden kann (vgl. mit Bleuler Zitat). In weiterer Folge ist die Einheit sodann auf der Grundlage der weiteren klinischen Erfahrung noch weiter entwickelt worden um den charakteristischen Symptomenkomplex bestmöglich zu erfassen. In der jüngeren Geschichte der Psychiatrie sind schließlich durch die Operationalisierung die in ihrer Gesamtheit „abgestimmten“ operationalisierten psychiatrischen Klassifikationen entstanden, nämlich die DSM Klassifikation und in weiterer Folge die psychiatrische ICD Klassifikation.

Dabei sind die diagnostischen Einheiten innerhalb dieser operationalisierten Klassifikationen im Rahmen der zwischenzeitlich erfolgten Revisionen mehrfach überarbeitet worden. Es wurden im Rahmen dieser Revisionen einerseits weitere diagnostische Einheiten in die Klassifikationen aufgenommen, und es sind in diesem Zusammenhang – so wie es den Fachleuten als angemessen und zweckdienlich erschien – die Grenzen von gewissen systematischen Einheiten modifiziert und in ihren Grenzen und damit in ihren Definitionen verändert worden. Man kann also sagen, dass die Grenzen der operationalisierten Kategorien im Rahmen der Revisionen bzw. im Rahmen der Entwicklung der jeweiligen psychiatrischen Klassifikation „nachjustiert“ worden sind, und weiters sind im Rahmen der Revisionen auch neue diagnostische  Einheiten in die Klassifikationen aufgenommen und in diese an der „richtigen“ Stelle eingebettet worden.

All dies war möglich, weil eine psychiatrische Klassifikation auf der Ebene der Ideen definiert ist und nicht so, wie eine medizinische Klassifikation in der objektiv bestimmbare Einheiten erfasst werden, auf der Ebene der Objekte bestimmt ist.

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(letztes update 12.2.2013, Operationalisierung, Einheit)

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