objektives Urteil

Ein objektives Urteil ist ein allgemein gültiges Urteil.

Ein objektives Urteil nennt Immanuel Kant, sofern es sich um ein empirisches Urteil handelt ein Erfahrungsurteil.

In der Medizin gründet sich z.B. die Feststellung, dass die Leberenzymwerte im Vergleich zum früheren Wert sich verdoppelt haben auf ein objektives Urteil. Jede Fachperson wird bei der Beurteilung dieses Befundes zustimmen.

Ein solches Urteil gründet sich auf Parameter, die in der Anschauung indirekt demonstriert werden können. Es können die Ergebnisse dieser Laboruntersuchung auf der Ebene der Zahlen quantifiziert dargestellt und damit objektiv beurteilt werden.

Im Gegensatz dazu kann die ärztliche Feststellung: „der Kräftezustand beim Patienten hat abgenommen“ nicht in diesem Sinne objektiviert und auch nicht quantifiziert werden.

Ein solches Urteil gründet sich nicht auf ein objektives Urteil, sondern auf ein subjektives Urteil. Ein solches Urteil gründet sich auf eine Entscheidung, die nur auf der Grundlage der Vorstellungen gefällt werden kann. Hingegen kann ein objektives Urteil nicht nur auf der Ebene der Vorstellung begründet werden, sondern auch auf der Ebene der Tatsachen, also auf der physischen bzw. physikalischen Ebene.

Philosophisch gesprochen ist ein objektives Urteil nicht nur auf der mentalen Ebene begründbar, sondern auch auf der physischen Ebene begründbar und beweisbar. Ein solches Urteil kann mit objektiver Evidenz festgestellt werden.

Ein objektives Urteil ist ein Urteil, das auf der physischen Ebene überprüft werden kann – Immanuel Kant spricht davon, dass ein solches Urteil am Probierstein der Erfahrung überprüft werden kann (vgl. mit Kant Zitat 10) –  weil es sich auf ein reales Objekt bezieht (vgl. mit Kant Zitat 9).

Im Gegensatz dazu ist ein Urteil, das nicht auf der physischen Ebene überprüft werden kann – das also nicht am Probierstein der Erfahrung geprüft werden kann – ein nur subjektiv gültiges Urteil bzw. ein subjektives Urteil.

Ein objektives Urteil entspricht objektivem Wissen. Ein nur subjektiv gültiges Urteil entspricht subjektivem Wissen.

In der  Medizin sind viele fachliche Urteile nur subjektiv gültige Urteile, manch ein fachliches Urteil in der Medizin ist allerdings ein objektiv gültiges Urteil.

In der Psychiatrie gibt es nur selten objektive Erkenntnisse bzw. objektive Urteile (z.B. der Nachweis von Alkohol im Blut oder in der Atemluft bei einer Alkoholisierung). Zum allergrößten Teil basiert das psychiatrische Wissen auf nur subjektiv gültigem Wissen bzw. auf subjektiven Urteilen.

 

(letztes update 11.4.2011)

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