Nutzen in der Medizin und Psychiatrie

Von Nutzen ist was hilfreich ist, was vorteilhaft ist, was besser wirkt.

In der Medizin ist von Nutzen was die Heilung befördert bzw. die Heilung herbeiführt. Auch in der Psychiatrie ist von Nutzen was die Heilung befördert oder die Rückbildung der psychischen Störung bewirkt.

In diesem Sinne ist in der Medizin ein Medikament das die Heilung befördert von Nutzen. Desgleichen ist in der Psychiatrie ein Medikament das die Heilung oder Besserung des Zustandes befördert von Nutzen. Desgleichen ist eine therapeutische Methode, eine Therapiemaßnahme in der Medizin oder in der Psychiatrie oder in der Psychotherapie von Nutzen wenn sie hilft.

Die bessere Methode ist die nützlichere Methode, oder das bessere Medikament ist das nützlichere Medikament. Durch den Vergleich der Ergebnisse, kann man empirisch feststellen welches Medikament in einem konkreten Fall z.B. das nützlichere, das hilfreichere ist.

In gleicherweise kann man durch das Studium von vielen Fällen in der medizinischen Wissenschaft oder in der psychiatrischen Wissenschaft den Nutzen der Medikamente oder den Nutzen der einzelnen Methoden miteinander vergleichen.

In der Medizin ist dieser Vergleich zum Teil auf der Grundlage von objektiven Befunden möglich. Man kann in der Medizin zum Teil auf der Grundlage von objektiven Parametern feststellen was für ein Medikament z.B. in Vergleich zu einem andern Medikament das nützlichere bzw. das wirksamere ist. Man kann empirisch feststellen welche erwünschten Effekte auftreten und gleichzeitig beobachten welche unerwünschten Effekte, welche Nebenwirkungen dabei auftreten.

In der Psychiatrie kann man ebenfalls durch die Erfahrung geleitet feststellen welches Medikament in einem gewissen Fall das nützlichere ist. Man kann in der Psychiatrie diese Feststellung jedoch nicht objektiv prüfen, sondern nur subjektiv gewiss feststellen, ob dies so ist oder nicht so ist. Wenn die Wirkung eines Psychopharmakons offensichtlich vorteilhaft ist, dann werden allerdings die meisten Fachleute diesen positiven Effekt bei anderen gleichartigen Fällen ebenfalls beobachten und feststellen können – trotzdem ist die Feststellung als solche jedoch nicht objektiv, sondern nur subjektiv gewiss möglich, da sie nur von einem urteilenden bzw. erkennenden Subjekt und nicht objektiv auf der Grundlage eines körperlichen Objekts festgestellt wird.

Das heißt in der Psychiatrie kann man nur in Bezug auf eine Erscheinungen, in Bezug auf psychische Phänomene (gr. phenomenon – das was erscheint, das Erscheinende) eine solche Feststellung treffen. Man kann nur in der Vorstellung bzw. in der Idee prüfen und vergleichen, ob ein positiver Effekt eingetreten ist oder nicht. Man kann nicht physisch die Feststellung objektivieren. Hingegen kann man subjektiv gewiss die Wirkung im einzelnen Fall in der psychiatrischen Praxis und in der psychiatrischen Wissenschaft in vielen Fällen erkennen, und daher entscheiden was hilfreich und nützlich ist, was unter welchen Bedingungen hilfreicher und was nützlicher ist.

In diesem Sinne soll man: „der Natur nach allen möglichen Prinzipien der Einheit, worunter die der Zwecke die vornehmste ist, bis in ihr Innerstes nachzugehen, niemals aber die Grenzen überfliegen, außerhalb welcher für uns nichts als leerer Raum ist.“ (das ganze Kant Zitat 3 finden sie hier)

Man kann also sagen, dass das Handeln in der Psychiatrie in gleicher Weise Vernunft geleitet bzw. empirisch Ziel orientiert geleitet ist, wie das Handeln in der Medizin.

Nur kann man in der Psychiatrie die Erkenntnisse nicht am Probierstein der Erfahrung direkt prüfen, wie dies in der Medizin zum Teil möglich ist (vgl. mit Kant Zitat 10 und Kant Zitat 7). In sonstiger Hinsicht gibt es jedoch keinen prinzipiellen Unterschied. Man strebt sowohl in der psychiatrischen Praxis wie in der medizinischen Praxis und auch in der psychiatrischen Wissenschaft, wie auch in der medizinischen Wissenschaft nach der bestmöglichen Behandlung, nach den bestmöglichen Therapiemethoden, nach der nützlichsten Therapie.

Nur kann man eben im einen Teilbereich der Heilkunde, nämlich in einem Teilbereich der Medizin die Erfolge der Therapie objektivieren was in anderen Teilbereichen der Medizin und zur Gänze in der Psychiatrie und Psychotherapie nicht möglich ist.

In der Psychiatrie und Psychotherapie sowie auch im Teilbereich der Medizin, wo die Diagnosen auf der Grundlage von Symptomen und Phänomenen festgestellt werden, die nicht objektivierbar sind, kann man die Therapieerfolge nicht objektiv gewiss, sondern nur subjektiv gewiss feststellen.

Man kann also in diesen Teilbereichen der Heilkunde nur mit subjektiver Evidenz feststellen was durch die Therapie erreicht worden ist, wogegen man im objektivierbaren Bereich der Medizin mit objektiver Evidenz bzw. mit objektiver Gewissheit einen Therapieerfolg nachweisen kann.

Karl Jaspers hat erkannt, dass man in der Psychiatrie die Krankheiten bzw. eine Krankheitseinheit nur in angenäherter Form erreichen kann. (vgl. mit Jaspers Zitat 6)

Man kann in der Psychiatrie unter der Führung von Ideen – wie dies Karl Jaspers formuliert hat – dem bestmöglichen Therapieziel nahekommen. Man kann das Ziel als solches jedoch nicht erreichen, da man dem Ganzen der Idee nur näher kommen kann und die Idee letztlich nicht erreichen kann. (vgl. mit Jaspers Zitat)

Ungeachtet dessen ist jedoch auch das empirische Vorangehen in der psychiatrischen Praxis, wie auch in der psychiatrischen Wissenschaft in gleicher Weise wertvoll nun nützlich, wie auch das empirische Vorangehen in der medizinischen Praxis und in der medizinischen Wissenschaft.

 

(Beitrag in Arbeit, letztes update 29.3.2011)

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