Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

neurologisches Konzept

Ein neurologisches Konzept ist ein Konzept durch das ein neurologischer Sachverhalt erfasst oder erklärt wird.

So wird etwa in der neurologischen Diagnostik durch ein neurologisches Konzept ein neurologischer Symptomenkomplex oder sonst eine neurologische Störung (neurologische Krankheit) erfasst.

In diesem Sinn wird in vielen Fällen die neurologische Diagnose durch das klinische Erscheinungsbild erfasst, das der Neurologe / die Neurologin infolge der einzelnen neurologischen Phänomene als diagnostische Einheit erkennt.

Es ist ein neurologisches Konzept in der neurologischen Diagnostik also eine diagnostische Einheit durch die eine neurologische Störung bzw. eine neurologische Krankheit erfasst wird.

Daher kann man auch sagen: in der neurologischen Diagnostik ist ein neurologisches Konzept eine diagnostische Einheit durch die eine körperliche Störung des Nervensystems erfasst wird.

Neben den neurologischen Konzepten, wie sie aus der neurologischen Diagnostik bekannt sind, kennt man auch neurologische Konzepte durch die man sich die Ursache der neurologischen Störung erklärt. So kennt man etwa die neurologischen Konzepte durch die das Auftreten eines Kopfschmerzes vom Typ einer Migräne erklären kann (vaskuläre Theorie, Hirnstammtheorie, Entzündungstheorie). Oder man kennt in der Neurologie die neurologischen Konzepte durch die man das Auftreten der Multiplen Sklerose oder das Auftreten einer Parkinsonkrankheit oder das Auftreten eines Normaldruckhydrozephalus erklären kann.

Durch derartige Konzepte kann man also das Auftreten der neurologischen Krankheit und auch das Auftreten der Ursache der neurologischen Störung erklären und verstehen, wobei es sich hier bei der Ursache in der Regel um eine komplexe Ursache bzw. um eine multifaktorielle Ursache handelt.

Ein neurologisches Konzept beschreibt eine Einheit von der man denkt, dass es sie auf der Ebene des Körpers als abgegrenzte Einheit im Sinn einer biologischen Einheit gibt. Ob es allerdings auf der Ebene des Körpers bzw. auf der Ebene der neuronalen Funktion tatsächlich eine solche abgegrenzte Einheit gibt, kann man nicht wirklich wissen. Vielmehr denkt man sich als Neurologe, dass es eine solche natürlich abgegrenzte Einheit im Sinn einer physisch feststellbaren Natureinheit gibt.

Ein neurologisches Konzept ist also ein medizinisches Konzept durch das ein medizinischer Sachverhalt betreffend das Nervensystem geistig erfasst oder erklärt und dadurch verstanden wird.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet ist ein neurologisches Konzept eine Idee bzw. der Begriff der Idee durch den ein neurologischer Sachverhalt geistig erfasst wird. Es ist ein neurologisches Konzept also eine projektierte Einheit – man kann auch sagen: es ist dies eine systematische Einheit – und man kann auch sagen: es ist dies eine zweckmäßige Einheit im Sinn von Immanuel Kant, durch die man den neurologischen Sachverhalt geistig auffassen verstehen und und durch dieses regulative Prinzip erklären kann.

In diesem Sinn ist ein neurologisches Konzept eine hypothetische Vorstellung, zum Beispiel in Bezug auf den Vorgang bei einer gesundheitlichen Störung (Krankheit) in Bezug auf das Nervensystem. Es kann in diesem Sinn das neurologische Konzept eine neurologische Theorie sein, durch die man das Auftreten der gesundheitlichen Störung des Nervensystems auf eine bestimmte Art und Weise erklären und verstehen kann. So kann man sich etwa das Auftreten einer Migräne durch eine vaskuläre Störung erklären und damit das Auftreten dieses Kopfschmerzes in Folge dieser Ursache verstehen und erklären.

Ein neurologisches Konzept in Bezug auf eine diagnostischen Einheit in der Neurologie ist die Vorstellung, dass es eine Krankheitseinheit im Sinn einer natürlichen Krankheitseinheit gibt.

Man denkt sich also, dass es eine solche abgegrenzte Natureinheit gibt, die zum Beispiel einen bestimmten neurologischen Symptomenkomplex hervorruft. Man erkennt damit, dass ein neurologisches Konzept eine Idee ist, mit deren Hilfe man gewisse charakteristische Merkmale durch den Bezug auf  diese systematische Einheit durch das Schema dieser Idee geistig auffassen und dadurch verstehen und erklären kann (vgl. mit Kant Zitat 7). Man kann auch sagen: der Begriff des neurologischen Konzepts ist eine systematische Einheit durch den man die charakteristischen Merkmale dieser neurologischen Erscheinungen geistig auffassen und diese dadurch verstehen und erklären kann ( vgl. mit Kant Zitat 7).

Man findet daher, dass ein neurologisches Konzept ein regulatives Prinzip ist, durch das man den Sachverhalt auf eine gewisse Art und Weise verstehen und erklären kann.

Falls es sich bei dieser Vorstellung um eine Idee handelt, die man nicht physisch überprüfen kann ist diese Idee eine bloße Idee im Sinn von Immanuel Kant (vgl. Kant Zitat 8). In diesem Fall ist der Begriff dieser Idee ein regulativer Begriff.

Es ist dies also die Einheit einer Idee, die im Bewusstsein der erkennenden Person in der Form des Begriffs der Idee als systematische Einheit erscheint bzw. entsteht, wenn die erkennende Person die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

In diesem Sinn denkt man sich als Neurologe, dass es tatsächlich eine solche zu Grunde liegende Einheit gibt, die einen gewissen charakteristischen neurologischen Symptomenkomplex bzw. ein gewisses neurologisches Syndrom hervorruft. Oder man denkt als Folge des neurologischen Konzepts dass dieses neurologische Phänomen die Folge dieser Ursache ist.

Kritisch betrachtet erkennt man jedoch, dass es sich bei dieser Einheit um eine nur problematisch zum Grund gelegte Einheit (vgl. mit Kant Zitat 8) handelt, die auf der Ebene der Vorstellungen bzw. auf der Ebene der Ideen als abgegrenzte Einheit in der Form des Begriffs des neurologischen Konzepts erscheint.

Wenn man auf diese Art und Weise in einem konkreten Fall den neurologischen Symptomenkomplex – etwa eine Migräne – erkennt, so handelt es sich hierbei um eine phänomenologische Einheit von der man denkt, dass sie mit einer biologischen Einheit im Sinn einer faktischen Einheit korrespondiert. Kritisch betrachtet erkennt man jedoch, dass es sich hierbei um eine hypothetische Einheit bzw. um eine zweckmäßige Einheit im Sinn von Immanuel Kant handelt.

In diesem Sinn ist etwa auch die neurologische Einheit: Normaldruckhydrozephalus eine neurologische Einheit, die nicht mit einer physischen Einheit korreliert, sondern es ist dies eine nur begrifflich definierte Einheit – also eine mentale Einheit, von der man sich denkt, dass es sie als tatsächliche, physische Einheit gibt, durch die etwa der charakteristische neurologische Symptomenkomplex und in weiterer Folge diese neurologische Diagnose physisch (physikalisch, physiologisch, biologisch etc.) bestimmt werden kann. In Wahrheit handelt es sich hierbei jedoch um ein regulatives Prinzip durch das man sich den Zusammenhang der Erscheinungen auf diese Art und Weise verstehen und erklären kann.

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Weiteres zu dieser Thematik in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition

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(letzte Änderung 18.04.2020, abgelegt unter: Definition, Diagnostik, Konzept, Neurologie)

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