Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

medizinisches Denken

Medizinisches Denken ist das Denken wie es sich aus der normalen Funktion des Organismus und aus dem der gesundheitlichen Störungen des Körpers ergibt.

Das medizinische Denken ergibt sich nämlich aus den anatomischen, den histologischen, den biochemischen, den physiologischen und den sonstigen körperlichen Grundlagen und Zusammenhängen. Und es ergibt sich das medizinische Denken ferner zum Teil auch aus den Wechselwirkungen des Körpers mit der Psyche.

Daher ist in der Medizin primär biologisches Denken bzw. physiologisches Denken und pathophysiologisches Denken, teils auch psychologisches Denken erfordert, weil sowohl im Zustand der Gesundheit wie auch im Zustand der Krankheit bzw. in dem der gesundheitlichen Störung, die Psyche und auch sonstige Faktoren, etwa die Ernährung sich wesentlich auf die Funktion des Organismus auswirken.

All dies ist also wesentlich für das Befinden, die Entwicklung des Befindens – man kann auch sagen für die Genesung im Fall der gesundheitlichen Störung – oder umgekehrt im Fall der Funktionsstörung für die Entstehung der Befindlichkeitsstörung und das krank werden.

Dabei ist klar, dass auch das Denken der Person über sich selbst und ihre Situation wesentlich zum krank werden oder zur Heilung beiträgt.

Mit anderen Worten: ihre eigenen Gedanken und das was ihr von kompetenter Stelle gesagt wird, insbesondere vom behandelnden Arzt ist für sie ganz wesentlich.

Damit wird deutlich, wie wesentlich die Kommunikation des Arztes mit dem Patienten ist, in welcher Art und Weise der  Arzt  über die gesundheitliche Situation und die gesundheitliche Störung spricht – und es wird damit deutlich, dass dieses Sprechen und Kommunizieren nur sehr beschränkt – wenn überhaupt einem Psychologen, Psychotherapeuten, Ernährungsberater oder einer sonstigen Hilfsperson übertragen werden kann, weil eine solche Fachperson nicht über das notwendige fachliche medizinische Wissen verfügt.

Man täuscht sich demgemäß in der Heilkunde und hier insbesondere in der universitären Medizin, wenn man glaubt den Arzt oder die Ärztin „entlasten“ zu können,  in dem etwa alles was mit der Psyche im weitesten Sinn zu tun hat, auslagern und  delegieren zu kann, und die medizinische Fachperson sich lediglich auf die Biologie respektive die Körperlichkeit und Organfunktion beschränkt. Dies mündet in eine technokratische Medizin, die das Wesentliche verfehlt und demgemäß fühlt sich der Patient zur recht nicht angemessen verstanden und er ist damit tatsächlich auch nicht optimal behandelt.

Es lässt sich in der Medizin also nicht alles auslagern und delegieren, wie dies etwa in der Technik möglich ist, wo die jeweilige Sache vom jeweiligen Spezialisten gemacht werden kann und das Gesamtwerk darunter nicht leidet.

Ein derartiges Denken – das man als technokratisches Denken bezeichnen kann – ist in der Medizin fehl am Platz.

Selbstverständlich ist hier und dort ein Zuarbeiten und Mitarbeiten im konkreten Fall, je nach Sachverhalt und Situation in einem gewissen Umfang möglich – aber man sollte in der Heilkunde beachten und berücksichtigen, dass es sich hier tatsächlich um ein ganz anderes Wissen handelt – und es ist evident und erwiesen, dass sich all dies wesentlich auf die Heilung, die Genesung und die Gesundheit auswirkt.

Damit wird deutlich, dass in der Medizin ein ganzheitliches Denken vom Arzt gefordert ist.

Der Arzt muss also sowohl über den Körper, die körperlichen Funktionen, die Organe und Organfunktionen, die Ernährung und deren Auswirkungen und vieles andere mehr Bescheid wissen, und er soll all dies in seinem fachlichen Denken und Handeln beachten und berücksichtigen.

Demgemäß sind je nach Fall und Sachverhalt, neben den körperlichen Gegebenheiten bis zu einem gewissen Grad auch die Auswirkungen auf die Psyche zu beachten (etwa was befördert die Angst im Patienten, was wirkt sich neben der Biologie auf den Schmerz und das Schmerzerleben aus usf.).

In gewissen Fällen wird demgemäß auch das psychologische Denken und teils auch das psychiatrische Denken von Relevanz sein. Und es wird dies vor allem in der Psychosomatik von Bedeutung sein, weil es hier nicht nur um körperliche Zusammenhänge, sondern wesentlich auch um das Erleben geht und demgemäß auch das angemessene Verstehen der eigenen Situation wesentlich ist.

All dies und vieles andere mehr ist also wesentlich für die Entstehung und den Verlauf der gesundheitlichen Störung, insbesondere bei psychosomatischen Störungen.

Nicht selten kann man in der Medizin der Gegenwart – wie erwähnt ein technokratisches – oder gar ein mechanistisches Denken bemerken, das die psychische Situation und überhaupt den Menschen als Ganzes als biologische Einheit bzw. als Lebewesen in seinen Bezügen ignoriert – was verständlicherweise in vielerlei Hinsicht problematisch ist.

Dabei hat sich ein technokratische Denken in der Medizin aus dem naturwissenschaftlichen Denken und mechanistischen Denken heraus in den letzten Jahrzehnten entwickelt und in der Schulmedizin weitgehend etabliert.

Vielmehr als ein solch rein materialistisches – an der Technik und Mechanik orientiertes Denken – ist in der Medizin ein biologisches Denken erfordert, das als flexibles systemisches Denken – man kann auch sagen ein dynamisches Denken  sein soll – das sich an den individuellen Gegebenheiten an der Natur und den sonst wesentlichen Umständen der Person orientiert – zumal der Ausspruch von Johann Wolfgang Goethe:

Die Natur versteht keinen Spaß, sie ist immer wahr, immer ernst, immer strenge, sie hat immer recht, und die Fehler und Irrtümer sind immer des Menschen.

zeitlos seine Gültigkeit behalten wird.

Und selbstverständlich ist ein derart flexibles und dynamisches Denken auch in der Psychologie und Psychiatrie gefordert.

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(letzte Änderung 21.04.2020, abgelegt unter denken, Definition, Heilkunde, Medizin)

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