Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

medizinische Leitlinie

Eine medizinische Leitlinie ist ein Leitlinie, die in der medizinischen Wissenschaft auf der Grundlage von wissenschaftlichen Studien entwickelt worden ist.

Dabei soll eine medizinische Leitlinie den in der Praxis tätigen Ärzten als Entscheidungsgrundlage dienen.

Durch wissenschaftliche Studien hat man Erfahrungen gesammelt und es haben Fachleute als Folge dieser Erfahrungen letztlich einen Konsens gebildet, dessen Ergebnis als Leitlinie formuliert worden ist.

Praktisch tätige Ärzte und Ärztinnen sollten dabei beachten und berücksichtigen auf welcher Grundlage die jeweilige Leitlinie entstanden ist.

Man sollte unterscheiden und berücksichtigen, ob es sich bei der Leitlinie um Wissen handelt das von objektiven Befunden seinen Ausgang genommen hat, oder ob es sich um Wissen handelt das von subjektiven Befunden seinen Ausgang genommen hat. Medizinische Leitlinien die von objektiven Befunden abgeleitet wurden sind verbindlicher als solche die von subjektiven Befunden abgeleitet worden sind

Wissen das auf der Grundlage von objektiven Daten gewonnen worden ist hat einen höheren Erkenntniswert als Wissen das auf der Grundlage von nur subjektivem Wissen gewonnen worden ist. (Weiteres dazu auf Poster 3, Probability in Medicine and in Psychiatry)

Ferner sollte man berücksichtigen, dass eine Leitlinie nicht unbedingt immer zutreffend ist. Eine Leitlinie kann für den konkreten Fall zutreffend sein, oder es kann sein, dass sie für den konkreten Fall nicht zutreffend ist. Wenn sie zutreffend ist, dann stellt sich die Frage: in welchem Ausmaß ist sie zutreffend? Die Leitlinie kann also für den konkreten Fall mehr oder weniger zutreffend sein und es ist wichtig, dass dieser Sachverhalt im Hinblick auf die Prognose berücksichtigt wird.

Ein Leitlinie ist vorerst immer nur relativ gültig.

Daher sollte man eine Leitlinie flexibel verwenden.

All das sollte man berücksichtigen bevor man als Arzt gemeinsam mit dem Patienten eine Entscheidung fällt.

Man soll, wie Immanuel Kant sagt:

… der Natur nach allen möglichen Prinzipien der Einheit, worunter die der Zwecke die vornehmste ist, bis in ihr Innerstes nachzugehen, niemals aber die Grenzen zu überfliegen, außerhalb welcher für uns nichts als leerer Raum ist.” (siehe Kant Zitat 2a)

Diese „Kopfarbeit“ der Überprüfung in welchem Ausmaß eine Leitlinie für den konkreten Fall zutreffend ist, sollte sich ein praktisch tätiger Arzt / Ärztin nicht abnehmen lassen, in dem vorschnell ohne kritische Überlegung und Prüfung eine Empfehlung übernommen wird. Es sollten nämlich die individuellen Gegebenheiten, wie sie im konkreten Fall beim Patienten gegeben sind, berücksichtigt werden und es sollte dabei bedacht werden, dass im Rahmen der wissenschaftlichen Forschung die individuellen Gegebenheiten nicht berücksichtigt werden können.

Vielmehr ist es die eigentliche Aufgabe des praktisch tätigen Arztes / der Ärztin auf der Grundlage der persönlichen klinischen Erfahrung und auf der Grundlage der persönlichen Situation des Patienten und seiner Geschichte und unter Berücksichtigung der wissenschaftlich ermittelten Empfehlung – wie sie in der Leitlinie wiedergegeben wird – gemeinsam mit dem Patienten die bestmögliche Entscheidung zu finden und erst sodann zur Handlung (Therapie) übergehen. Insbesondere wenn es sich hier um eine Therapie mit weitreichenden Konsequenzen (Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie usf.) handelt. Gerade in einem solchen Fall ist es wichtig die Indikation zu dieser Therapie gründlich zu überlegen.

Nur dann kann man von aufgeklärtem Handeln im Sinn der Aufklärung auf ärztlicher Seite und auf Patientenseite sprechen (vgl. mit Kant Zitat 11).

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(letzte Änderung 29.07.2017, abgelegt unter Leitlinie, Medizin, Diagnostik, Wissenschaft)

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