Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Machbarkeitsglaube

Der Machbarkeitsglaube ist der Glaube der davon ausgeht, dass etwas machbar ist.

Dabei wird diese Vorstellung von der Zuversicht begleitet, dass das angestrebte Ziel erreicht wird.

Demgemäß prüft man auf der Ebene der Vorstellungen bzw. der Ebene der Ideen ob etwas machbar ist, und falls es machbar erscheint, dann wird es unternommen bzw. gemacht, weil man von der Umsetzbarkeit subjektiv überzeugt ist.

In der Technik ist diese Art des Denkens in vielen Fällen gerechtfertigt.

Auch in der Medizin kann etwas machbar sein. Allerdings soll hier der Unterschied zur Technik beachtet und berücksichtigt werden. Es kann hier problematisch wenn man als Arzt nur technokratisch denkt, weil man dann übersieht dabei, dass der Mensch als Teil der Natur ein natürliches Wesen ist.

Man übersieht durch derart einfaches Denken etwa in der Chirurgie falls eine Operation rein technisch betrachtet zwar machbar ist, ob dies für die betroffene Person von Vorteil ist, falls nicht auch ihre sonstigen Gegebenheiten in der Überlegung berücksichtigt werden. Es wird auf diesem Weg also oftmals vorschnell eine Indikation  gestellt, die nicht selten nur fraglich von Vorteil ist.

Während der blinde Machbarkeitsglaube sich in der Medizin im Sinne der universitären Medizin weit verbreitet hat ist der Leitspruch primum non nocere vielfach aus dem ärztlichen Blickfeld geraten. Dies ist allerdings zum Nachteil für den betroffenen Menschen, weil damit die Vernunft – oder man kann auch sagen die vernünftige Überlegung – durch die Unvernunft ersetzt worden ist. Oder man kann auch sagen, dass damit der Hausverstand auf der Strecke geblieben ist, weil auf diese Art und Weise zu „kurz gedacht“ wird. Vielmehr sollte im Vorfeld alles reiflich bedacht und berücksichtigt werden damit nicht vorschnelles handeln zum Nachteil bzw. zum Schaden gereicht.

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(letzte Änderung 13.01.2020, abgelegt unter: Diagnostik, Erkennen, Indikation,  Medizin, Philosophie, Vernunft, philosophische Begriffe)

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