Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

krankheitsbedingt

Krankheitsbedingt ist was durch eine Krankheit oder durch eine krankheitswertige Störung bedingt in Erscheinung tritt.

Krankheitsbedingt kann eine gesundheitliche Störung (Krankheit) des Körpers in Erscheinung treten.

Oder:

Krankheitsbedingt kann auch eine krankheitswertige Störung der Psyche in Erscheinung treten und man spricht dann von einer krankheitswertigen psychischen Störung.

Mit anderen Worten: eine gesundheitliche Störung des Körpers oder der Psyche ist durch eine Krankheit bedingt, wenn eine Krankheitserscheinung – ein klinisches Erscheinungsbild auftritt – und die Ursache der gesundheitlichen Störung gefunden wird, oder diese zumindest durch eine zugrunde liegend gedachte Ursache (Kausalität) erklärt werden kann.

Es kann dies also entweder eine objektiv fassbare Krankheitsursache sein, oder es kann dies eine nur subjektiv – auf der Ebene der Ideen – vorgestellte Krankheitsursache sein.

Die Ursache der Krankheit bzw. die Ursache der gesundheitlichen Störung kann also entweder auf der Ebene der körperlichen Objekte erfasst und bestimmt werden, oder es kann die Ursache nur auf der Ebene der Ideen durch eine Idee bzw. durch eine Vorstellung geistig erfasst bzw. erkannt werden. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Man sagt: etwas ist krankheitsbedingt wenn z.B. eine gewisses Phänomen in Folge einer gewissen Ursache auftritt. Es kann dies also eine objektiv feststellbare Ursache sein – etwa der Nachweis von einem Infekt, durch den Nachweis eines Bakteriums, oder z.B. der Nachweis einer toxischen Substanz, bei einem Zustand mit Übelkeit, oder es können objektive Befunde bei einem vorerst unklaren Brustschmerz festgestellt werden, die diesen eindeutig und unzweifelhaft erklären, etwa bei einem Herzinfarkt.

Die Störung kann also in Folge eines objektiven Befundes, also in Folge einer objektiven Tatsache aufgetreten sein, oder es kann die Störung in Folge einer nur subjektiv fassbaren Ursache, die jedoch auf der Grundlage eines subjektiven Befundes als krankheitswertig angesehen wird, erkannt werden.

Wenn man z.B. bei einer Person ein Zittern beobachtet und man findet eine Krankheit, oder eine krankheitswertige gesundheitliche Störung, dann sagt man, dass das Zittern krankheitsbedingt aufgetreten ist. Im andern Fall sagt man unter Umständen, dass das Zittern nervös bedingt oder psychisch bedingt, oder sonst in Folge einer Kausalität aufgetreten ist.

So wie man in der Medizin krankheitsbedingte Symptome und Phänomene feststellen kann, gibt es auch in der Psychiatrie psychische Symptome und psychische Phänomene von denen man sagt, dass sie durch eine Krankheit oder krankheitswertige psychische Störung verursacht sind. Etwa wenn jemand über das Hören von Stimmen (Halluzinationen) berichtet dann kann dies eine krankheitsbedingtes psychisches Phänomen sein.

Mit dem Begriff „krankheitsbedingt“ verbindet man also eine Erklärung für das Auftreten eines Phänomens.

Man erklärt damit eine gewisse Ursache als den Grund dieser Erscheinung.

Vielfach kann man allerdings in der Medizin die eigentliche Ursache eines Phänomens nicht objektiv bestimmen. Das heißt man kann vielfach keine eindeutige, unzweifelhafte Ursache angeben, die das Auftreten der Erscheinung erklärt, sondern kann man nur auf der Ebene der Vorstellungen verschiedene mögliche Ursachen in Erwägung ziehen, und dann auf der Ebene der Ideen entscheiden, was die wahrscheinlichste Ursache ist. Diese wahrscheinlichste Ursache wird man dann als die (subjektiv) zutreffende Erklärung angeben. Dabei sollte man sich allerdings dessen bewusst sein, dass diese angegebene Ursache nicht unbedingt die Ursache schlechthin ist, sondern es können – wie gesagt – auch andere Faktoren bzw. Ursachen zum Auftreten dieser Erscheinung unter Umständen geführt haben, was gerade dann der Fall sein wird wenn es sich um eine komplexe Ursache handelt. Man sollte also in der Beurteilung eines Sachverhalt bezüglich der Angabe einer Ursache kritisch und flexibel bleiben. Man sollte also die gefundene Erklärung nicht überbewerten, sondern man soll vielmehr der Natur nach allen möglichen Prinzipien der Einheit bis in ihr Innerstes nachgehen – aber die gefundene Erklärung nicht überbewerten. (vgl. mit Kant Zitat 2a)

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet handelt es sich nämlich bei der Erklärung „krankheitsbedingt“ primär um eine Idee, die im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint (vgl. mit Kant Zitat 7). Daher der Begriff Phänomen (gr. phenomenon – das was erscheint, das Erscheinende).

Es handelt sich dabei also um eine Erkenntnis bzw. um ein Erkenntnisobjekt das man nur in gewissen Fällen auf der Ebene der Objekte bzw. auf der Ebene der Fakten bestimmen kann. In den anderen Fällen kann man die Idee nicht am Probierstein der Erfahrung prüfen (vgl. mit Kant Zitat 10). Das heißt man kann in einem solchen Fall die Idee nicht „physisch“ überprüfen und handelt es sich daher in einem solchen Fall um eine bloße Idee. Daher sollte man eine Idee, die man nicht auf ein Objekt zurückführen und auf dieser Grundlage allgemein gültig bestimmen kann nur relativistisch verwenden (vgl. mit Kant Zitat 3a). Eine Idee an sich ist nämlich nicht konstitutiv, sondern nur regulativ. Wird dies nicht beachtet gerät man in Widersprüche und ewige Streitigkeiten. (vgl. mit Kant Zitat 3)

Man soll also eine solche Idee kritisch verwenden und sich dabei der Grenzen der eigenen Erkenntnis bewusst sein. In diesem Fall kann man vom aufgeklärten Gebrauch der Idee sprechen. Wenn man hingegen eine angebotene Theorie als bare Münze nimmt, und man im Irrtum befangen glaubt damit schlechthin die richtige (einzige) Erklärung gefunden zu haben, dann hat man sich geirrt, dann kann man nicht sagen, dass eine solche Person im Sinn der Aufklärung aufgeklärt ist. Dies gilt im Prinzip für alle Bereiche des Wissens und somit auch für die Medizin, die Alternativmedizin, für die Psychiatrie, die Psychologie und auch die Psychotherapie.

(letzte Änderung 3.1.2017, abgelegt unter Kausalität, Ursache, Definition, Medizin, Psychiatrie, Psychologie, Krankheit / gesundheitliche Störung, Forensik, Forensische Psychiatrie, Psychosomatik)

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