Kraepelin Zitat 3 : Prognose

In seinem Lehrbuch schreibt Emil Kraepelin (1856 – 1926):

(Buchnachweis siehe unten)

„Was man mit Recht vom Arzte verlangt, ist die Vorhersage des Kommenden. Sobald wir im Stande sind, aus dem gegenwärtigen Zustande eines Kranken die weitere Entwicklung seines Leidens mit Wahrscheinlichkeit vorauszubestimmen, ist der erste wichtige Schritt zu einer wissenschaftlichen und praktischen Beherrschung des Krankheitsbildes geschehen. Wir werden daher gut thun, dieser Aufgabe zunächst unsere volle Aufmerksamkeit zu widmen. Die meisten übrigen Zweige der Heilkunde haben mit derselben im Wesentlichen bereits abgeschlossen. Wir wissen recht genau, wie ein Thypus oder ein Beinbruch verlaufen wird, und kennen alle die Zwischenfälle, die den Heilvorgang durchkreuzen  können. In der Psychiatrie besitzen wir höchstens die ersten Ansätze zu einer derartigen Kenntnis.“ (Ende des Zitats)

aus:

Emil Kraepelin, Psychiatrie, Ein Lehrbuch für Studierende und Aerzte, Sechste Auflage (1899), 1. Band. Allgemeine Psychiatrie, Mit einer Einführung von Paul Hoff, Seite 3,  Nachdruck, Arts & Boeve Verlang, Niederlande, ISBN 90 75341 16 4

Anmerkung zum Zitat:

Aus dem Zitat ist ersichtlich, dass Emil Kraepelin die Möglichkeiten des Erkennens generell, und die Möglichkeiten des Erkennens in der Psychiatrie im Besonderen überschätzt hat. Man kann sagen, dass Emil Kraepelin nicht im Sinn der Aufklärung aufgeklärt war. Im Gegensatz zu Emil Kraepelin hatte Wilhelm Griesinger zwar auch noch die Hoffnung, dass man in Zukunft die körperliche Ursache von gewissen psychischen Krankheiten finden wird, allerdings war Griesinger sich der Relativität der psychiatrischen Erkenntnisse bewusst (vgl. mit Griesinger Zitat). Die Erkenntnisgrenzen und die beschränkten Möglichkeiten des Erkennens in der Psychiatrie hat erst Karl Jaspers auf der Grundlage der Philosophie von Immanuel Kant im vollen Umfang erkannt (vgl. mit Jaspers Zitat und den anderen Jaspers Zitaten)

In Bezug auf die Wahrscheinlichkeit muss man in der Psychiatrie beachten, dass es sich hierbei um philosophische Wahrscheinlichkeit und nicht um mathematische Wahrscheinlichkeit handelt (vgl. mit Kant Zitat 9b), wie dies in der Medizin bei den objektiv bestimmbaren gesundheitlichen Störungen (Krankheiten) der Fall ist (Weiteres dazu auf Poster 3: PROBABILITY IN MEDICINE AND IN PSYCHIATRY – IN THE LIGHT OF IMMANUEL KANT`S PHILOSOPHY).

Man ist also in der Psychiatrie in der Diagnostik mit einer Scheinbarkeit im Vergleich zu einer anderen Scheinbarkeit befasst (vgl. mit Kant Zitat 9b) und nicht mit faktischen Wissen in Vergleich zu anderem faktischen Wissen.

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(letzte Änderung 29.10.2014, abgelegt unter Zitate, Psychiatrie, Diagnostik)

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