Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

körperliches Zeichen (Merkmal) – als Befund

Ein körperliches Zeichen ist ein Zeichen (Merkmal) des Körpers bzw. der Körperlichkeit.

In der Medizin kann ein körperliches Zeichen das Zeichen einer Krankheit (gesundheitlichen Störung) sein.

Ein Teil der körperlichen Zeichen (Merkmale) kann in der Medizin objektiv gültig bestimmt werden. Andere Zeichen (Merkmale) können nur subjektiv gültig bestimmt werden.

Ein körperliches Zeichen das objektiv gültig bestimmt werden kann, ist ein Zeichen das sich auf ein real existentes Objekt bezieht (vgl. mit Kant Zitat 9) daher handelt es sich bei einem solchen Befund um einen objektiven Befund.

Da in Bezug auf ein demonstierbares Objekt alle Urteile untereinander übereinstimmen kann eine solches Zeichen bzw. ein solches Merkmal allgemein gültig, das heißt objektiv gültig bestimmt werden. (vgl. mit Kant Zitat 9)

Ein solches Zeichen bzw. Merkmal bezieht sich auch direkt auf ein körperliches Objekt z.B. ein Organ oder einen körperlichen Befund und kann daher ein solcher Befund objektiv bestimmt werden, oder es kann ein solches Merkmal indirekt etwa durch einen Röntgenbefund (z.B. ein Knochenbruch) objektiv gültig erkannt werden.

Ein körperliches Zeichen, das nur als Vorstellung, als (bloße) Idee im Bewusstsein der einer Person erscheint, also z.B. ein Symptom wie es z.B. bei einer körperlichen Krankheit vorkommt, kann nicht objektiv bestimmt werden. Es handelt sich dabei um subjektives Wissen und nicht um objektives Wissen.

In der Medizin gibt es also objektiv gültige Zeichen bzw. objektive Befunde und nur subjektiv gültige Zeichen bzw. subjektive Befunde.

Ein objektiv gültiges Zeichen in der  Medizin ist ein Zeichen eines Organs, oder ein Zeichen (Merkmal) des Stoffwechsels (z.B. ein Laborwert), ein Röntgenzeichen (z.B. ein sichtbarer Schatten eines Knochenbruchs), ein sonstiges Zeichen in der Bildgebung, ein Zeichen, wie es im Ultraschall sichtbar ist, ein genetisches Zeichen (ein genetisches Muster) etc.

Solche körperlichen Zeichen können, wenn sie sich direkt auf ein real existentes körperliches Objekt bzw. auf ein physisches Objekt beziehen „physisch“ objektiv bestimmt werden (vgl. mit Kant Zitat 7). Wenn solche Zeichen sich nicht direkt auf ein körperliches Objekt bzw. wenn sie sich nicht direkt auf ein real existentes Objekt beziehen, dann können sie nicht objektiv bestimmt werden.

Wissen das sich direkt auf ein reales Objekt bzw. auf ein körperliches Objekt gründet ist objektiv gewiss bzw. objektives Wissen weil in Bezug auf dieses Objekt alle Urteile miteinander übereinstimmen. (vgl. mit Kant Zitat 9)

(Anmerkung: Im Englischen werden objektive Zeichen in der Medizin medical signs genannt.)

Im Gegensatz dazu gibt es in der Medizin Zeichen, die nur subjektiv gewiss bestimmt werden können. Symptome sind Zeichen, die nur subjektiv gewiss bestimmt werden können. Ein solches Zeichen (Merkmal) hat in der Regel keinen direkten Bezug zu einem real existierenden Objekt bzw. zu einem physischen Objekt.

Auch körperliche Phänomene können vielfach nicht objektiv nachgewiesen bzw. bestimmt werden. Manchmal kann man allerdings bei körperlichen Phänomenen objektive Parameter finden, durch die man dieses Phänomen objektiv nachweisen kann. Zum Beispiel kann man bei epileptischen Krampfanfällen im Hirnstrombild (EEG) entsprechende Auffälligkeiten nachweisen und dadurch objektiv aufzeigen, dass es sich um einen epileptischen und nicht um einen funktionellen Anfall handelt.

Durch bildgebende Methoden (z.B. funktionelle Bildgebung mittels funktionellem MRT) kann man die Gehirnaktivität durch farbliche Darstellung sichtbar machen. Man kann allerdings allein aus einer solchen Darstellung nicht erkennen, ob ein abnormes psychisches Phänomen klinisch manifest ist. Mit anderen Worten, man kann allein aus einer solchen bildlichen Darstellung nicht erkennen was für ein psychisches Phänomen manifest ist, ob die Darstellung eine kranke oder eine normale Gehirnaktivität darstellt. Man kann nur, wenn man bereits klinisch auf der Grundlage von psychopathologischen Phänomenen festgestellt hat, dass eine krankheitswertige psychische Störung besteht, diese psychische Störung durch diese bildlichen Darstellungen gleichsam illustrieren und damit besser erläutern und erklären. Eine Objektivierung eines psychischen Phänomens bzw. eine Objektivierung einer psychischen Störung,  bzw. die allgemein gülitg Bestimmung einer psychiatrischen Diagnose ist im Zweifelsfall dadurch aus einem prinzipiellen Grund nicht möglich.

Es gibt nämlich den großen Unterschied zwischen den Erkenntisobjekten, die uns als real existente Objekte zur Erkenntnis gegeben sind und den Erkenntnisobjekten, die nur auf der Ebene der Vorstellungen, sprich auf der Ebene der Ideen als Erkenntnisobjekt erscheinen. Bei einem solchen Erkenntnisobjekt handelt es sich um den Begriff einer Idee  bzw. um das Schema einer Idee. (vgl. mit Kant Zitat 7) (Weiteres dazu auf Poster 6: Diagnosis in Psychiatry – the Role of Biological Markers – an investigation in the light of Immanuel Kant`s philosophy)

Der tiefer liegende Grund warum dies prinzipiell nicht möglich ist findet sich in der Tatsache, dass es zwischen einem psychischen Phänomen und dem körperlichen Subtrat auf dessen Grundlage das Phänomen entsteht keine bestimmbare Relation gibt. (Weiteres dazu auf Poster 6)

Entsprechendes gilt auch in der Epileptologie. Wenn man auf der bildlichen Darstellung des EEG gewisse Krampfzeichen sieht, so kann man noch nicht wissen, ob die Person klinisch abnorme psychische Phänomene erlebt – es kann sein, dass die Person Vorzeichen eines Krampfanfalls spürt – dies muss aber nicht der Fall sein. Auch hier gilt, dass es zwischen dem Phänomen und dem körperlichen Substrat keine bestimmte und bekannte Relation gibt. Auch hier gilt, dass es keine quantitativ definierte Relation zwischen dem Phänomen auf der einen Seite und der Funktion bzw. dem Abbild der Funktion, sprich einem physischen Parameter auf der anderen Seite gibt. (Weiteres dazu auf Poster 6)

Man kann also aus dem physischen Befund noch nicht erkennen, ob ein relevantes klinisches psychisches Phänomen oder sonstiges Phänomen vorliegt. Mit anderen Worten man kann aus dem physischen Befund  nicht objektiv gültig erkennen, ob ein entsprechendes klinisches Erscheinungsbild manifest ist. Lediglich wenn der physische Befund sehr ausgeprägt ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch eine entsprechende klinische Erscheinung manifest ist.

Die Grundtatsache, dass keine beschreibbare bzw. bestimmbare Relation zwischen einem Phänomen und dem körperlichen Substrat besteht, ist also der Grund warum man aus der funktionellen Bildgebung oder einem sonstigen physischen Befund die klinische Diagnose nicht objektiv gültig bestimmen kann. (vgl. mit Kant Zitat 7).

Aus diesem prinzipiellen Grund kann man mit Hilfe der funktionellen Bildgebung eine psychiatrische Diagnose nicht objektivieren. Man kann nur wenn man bereits eine krankheitswertige psychische Störung auf phänomenologischer Basis diagnostiziert hat, die psychische Störung durch diese Bildgebung bzw. diese anschaulichen Befunde zuzätzlich unterlegen bzw. illustrieren und besser erklären. Man kann jedoch nicht allein auf Grund des bildgebenden Befundes erkennen, ob eine psychische Störung vorliegt oder eine solche nicht vorliegt, und man kann daher die psychische Störung auch nicht auf der Grundlage dieses physischen Befundes objektivieren. (Weiteres dazu auf Poster 6)

Philosophisch gesprochen kann man sagen, dass wir die Erkenntnisobjekte immer auf der geistigen Ebene, also auf der Ebene der Ideen erkennen. In gewissen Fällen können wir die erlangte Idee jedoch physisch überprüfen, in anderen Fällen ist  dies allerdings aus einem prinzipiellen Grund nicht möglich ist. (vgl. mit Kant Zitat 7). Nur Erkenntnisobjekte, die sich direkt auf ein körperliches Objekt beziehen können wir objektiv erkennen (vgl. mit Kant Zitat 7 und Kant Zitat 9). Erkenntnisobjekte die sich nicht direkt auf ein körperliches bzw. reales Objekt beziehen können wir nicht objektiv gewiss erkennen, sondern nur subjektiv gewiss erkennen. Das heißt wir können bezüglich solcher Erkenntnisobjekte nur subjektives Wissen erlangen.

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Körperliche Zeichen sind oftmals die Zeichen einer körperlichen Krankheit  bzw. die Zeichen einer gesundheitlichen Störung.

Zum Beispiel ist eine entzündliche Schwellung, oder ein abnorm hoher Blutwert (z.B. erhöhter Blutzucker) ein Zeichen eines körperlichen Krankheitszustandes bzw. einer gesundheitlichen Störung.

Es ist also so, dass in der Regel ein körperliches Zeichen in der Medizin, das Zeichen eines realen „Objekts“ ist – man kann auch sagen ein physisches Zeichen ist. Ein solches Zeichen kann von verschiedenen Personen gleich erkannt werden (vgl. mit Kant Zitat 9) und wird ein solches Zeichen in aller Regel von verschiedenen Personen auch gleich erkannt. Daher sagt man, dass ein körperliches Zeichen ein objektives Zeichen ist bzw. ein objektiver Befund ist.

Im Gegensatz dazu gibt es in der Medizin und in der Psychiatrie Zeichen, die man nur als subjektive Zeichen bzw. als subjektive Befunde erkannt werden. Ein solches Zeichen erscheint als mentales Objekt im Bewusstsein einer Person ohne, dass man diese (bloße) Idee bzw. den Begriff dieser (bloßen) Idee physisch überprüfen kann. Daher handelt es sich bei einer solchen Idee um eine bloße Idee.

Zum Beispiel sind Symptome und psychische Phänomene die Zeichen von gesundheitlichen Störungen, die als bloße Ideen im Bewusstsein einer Person erscheinen. Solche Ideen können nur subjektiv gewiss erkannt werden. Solche Zeichen werden z.B. im Rahmen der Erhebung eines psychischen Befundes festgestellt, oder sie werden bei einer gesundheitlichen Störung in der Medizin festgestellt, die nur auf der Basis von Symptomen diagnostizierbar ist (z.B. bei den Diagnosen: Fibromyalgie, somatoforme Schmerzstörung, Fatigue Syndrom etc.).

Im Gegensatz dazu sind uns physische Objekte als reale Objekte anschauungsmäßig direkt oder indirekt gegeben und können wir daher diese Objekte in der Regel objektiv bestimmen. (vgl. mit Kant Zitat 7).

Zum Beispiel wird ein Gallenstein intraoperativ direkt aufgefunden, oder er ist bereits in der Ultraschalluntersuchung, oder in der Röntgenuntersuchung indirekt sichtbar und daher objektiv bestimmbar.

Immanuel Kant spricht daher von einem “Gegenstand schlechthin“ im Gegensatz zu einem Gegenstand, der uns nur als “Gegenstand in der Idee” gegeben ist.

Ein körperliches Zeichen, das objektiv bestimmt werden kann, ist also etwas grundsätzlich anderes als ein Zeichen, das uns nur in unserer Vorstellung als (mentales) Objekt zur Erkenntnis gegeben ist. (vgl. mit Kant Zitat 7).

(Beitrag in

. Arbeit, letztes update 11.9.2011) (2-)

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