Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Komorbidität

Eine Komorbidität ist in der Psychiatrie eine relevante psychische Störung, die neben der psychischen Störung diagnostisch erfasst wird, die den Anlass zur psychiatrischen Diagnose gegeben hat.

Eine Komorbidität ist in der Psychiatrie also eine weitere diagnostische Einheit, die neben der Namen-gebenden diagnostischen Einheit festgestellt wird.

Es handelt sich dabei also um einen weiteren relevanten psychischen Symptomenkomplex, der neben dem wesentlichsten psychopathologischen Symptomenkomplex besteht und weil er ebenfalls klinisch von Relevanz ist diagnostisch erfasst wird.

Oder man kann auch sagen: es ist die zweitwichtigste psychiatrische Diagnose, die auf den konkreten Fall zutreffend ist. Natürlich kann man unter Umständen auch eine dritt- und viert- usf. wichtigste Komorbität feststellen – so wie die untersuchende Fachperson diese subjektiv als wesentlich erkennt.

Eine Komorbität ist eine Begleiterkrankung (engl. comorbidity), bzw. in der Psychiatrie eine begleitende psychische Störung.

Zum Beispiel kann neben einer Suchtkrankheit eine Angststörung oder eine Soziophobie oder sonst eine weitere psychische Störung bestehen, die durch eine eigene diagnostische Bezeichnung als Komorbidität diagnostisch erfasst wird.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet findet man, eine Komorbidität ein Zusammenhang ist, der unter einem anderen Gesichtspunkt als diagnostische Einheit erkannt wird. Man erkennt dass verschiedene Komorbiditäten bei gesundheitlichen Störungen erfasst werden, die auf der Ebene der Ideen durch den Begriff einer Idee erkannt werden (vgl. mit Kant Zitat 7). Es handelt sich dabei also um eine systematische Einheit, die auf der Ebene der Ideen erkannt wird, wenn eine andere Sichtweise bzw. ein anderer Gesichtspunkt auf den Sachverhalt angewandt wird. (vgl. mit Jaspers Zitat 11)

Mit anderen Worten: es handelt sich dabei in der Psychiatrie um eine weitere psychiatrische Einheit, die auf der Grundlage der Phänomenologie erkannt und diagnostisch festgestellt wird, nachdem man die Hauptdiagnose, also die psychiatrische Diagnose bereits zuvor phänomenologisch begründet festgestellt hat.

In der Psychiatrie kann eine Komorbidität grundsätzlich nur in Bezug auf einen Typus erkannt und diagnostisch bestimmt werden, wohingegen in der Medizin in vielen Fällen eine diagnostische Einheit auf der Grundlage einer Gattung allgemein gültig diagnostisch bestimmt werden kann, weil diese Erkenntnis auf der Ebene der Objekte überprüft werden kann. In einem solchen Fall kann ebenfalls eine weitere relevante gesundheitliche Störung bestehen, man spricht dann allerdings in der Regel  nicht von einer Komorbidität.

Mit anderen Worten, wenn eine andere Sichtweise bzw. ein anderer Gesichtspunkt zur Anwendung kommt dann kann man unter Umständen in der Psychiatrie eine weitere relevante psychiatrische Diagnose feststellen, die man als Komorbidität bezeichnet, wohingegen in der Medizin etwa eine begleitende Depression bei einer körperlichen Krankheit als separate gesundheitliche Störung bzw. Diagnose genannt wird und man in einem solchen Fall nicht von einer Komorbidität spricht weil diese diagnostische Einheit nicht durch einen anderen Gesichtspunkt aus den Merkmalen der körperlichen Störung abgeleitet werden kann.

In der Psychiatrie kann man die psychischen Auffälligkeiten unter den verschiedensten Gesichtspunkten betrachten und systematisch studieren, so wie dies bereits Karl Jaspers erkannt und in seinem Buch „Allgemeine Psychopathologie“ aufgezeigt hat (vgl. mit Jaspers Zitat 11). Es ist in der Psychiatrie nämlich nicht so wie in der Medizin, wo man viele diagnostische Einheiten auf der Ebene der Objekte objektiv gültig und damit allgemein gültig bestimmen kann.

In der Psychiatrie  kann man die diagnostischen Einheiten nur subjektiv gültig und damit nur relativ gültig und somit auch nur relativ valide bzw. auch nur relativ reliabel in Bezug auf definierte Typen bzw. in Bezug auf definierte Ideale erkennen und diagnostisch feststellen. (vgl. mit Jaspers Zitat)

Man kann also in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) immer nur  relatives Wissen erlangen das gleichzeitig auch beschränktes Wissen ist, weil es auf der Grundlage von Ideen und nicht auf der Grundlage von Objekten erkannt und diagnostisch bestimmt wird. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Mit anderen Worten kann man sagen: in der Psychiatrie kann man sowohl die psychiatrische Diagnose wie auch eine oder mehrere Komorbiditäten nur auf der Ebene der Ideen bestimmen und nicht auf der Ebene der Objekte bzw. der Ebene der Körperlichkeit.

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(letztes update 22.9.2012, abgelegt unter Psychiatrie, Diagnostik, Definition, St 12)

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