Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Individualität

Unter dem Begriff Individualität versteht man etwas ganz anderes als unter dem Begriff Persönlichkeit.

Osho schreibt:

“Personality is your face; individality is your being.”

“Individuality is that which you are; personality is that which you show yourself to be.” (vgl. Osho Zitat 7)

Tatsächlich meint man mit dem  Begriff Persönlichkeit etwas äußerliches.

So wie man als Person erscheint, vor anderen und vor sich selbst.

Der Begriff Person stammt von der griechischen Maske, die als Persona bezeichnet wurde .

Mit Individualität meint man das Ur- Eigene.

Der Begriff Individualität stammt aus dem Lateinischen und meint das Einzigartige, Ungeteilte, Einmalige des Individuums, was ja tatsächlich auch auf jedes Lebewesen zutrifft.

Das, wie man gemäß der Erbanlage geschaffen ist.  Natürlich entwickelt man sich nicht nur in Abhängigkeit von der Erbanlage sondern auch in Abhängigkeit der Einflüsse, wie sie das Leben für den Einzelnen mit sich bringt.

Es kommt also im Laufe des Lebens leicht dazu, dass man sich durch die Lebensumstände weit weg von seiner eigenen Anlage entwickelt. Die Erziehung, die sogenannte Bildung, die Gesellschaft mit ihren Vorbildern und Idealen, oder die sonstigen Einflüsse veranlassen uns dazu uns irgendwie zu entwickeln. Wie man leicht einsehen kann ist es dabei gut möglich, dass man sich bei dieser Entwicklung vom eigen Wesen entfremdet und die Entwicklung der Individualität dadurch behindert wird.

Gerade in unserer extravertierten Gesellschaft mit überall präsenten Bildern und Vorbildern, ist die Gefahr nicht gering, dass man nicht mehr auf das ur-eigene Wesen achtet bzw. dieses zuwenig bemerkt und beachtet. Die Gefahr ist also groß, dass man sich in eine Richtung entwickelt, die eigentlich dem eigenen Wesen, der eigenen Individualität widerspricht. Man darf sich sodann nicht wundern, dass es im Inneren des „Gefüges“ – sowohl auf körperlicher wie auch auf psychischer Ebene –  zu Spannungen kommt, die sich nachteilig auswirken und mittelfristig als Beschwerden im Form von Symptomen und schließlich in einer Krankheit bzw. gesundheitlichen Störungen bemerkbar machen.

So gesehen gehen wahrscheinlich nicht wenige unserer gesundheitlichen Beschwerden auf solche widernatürlichen Entwicklungen zurück und wundert sich der Mensch manchmal warum es ihm schlechter und schlechter geht, obwohl eigentlich keine herausragenden äußeren Ursachen erkannt und benannt werden können.

Mit anderen Worten kann man sagen, dass nicht jede körperliche Störung und auch nicht jede psychische Störung oder psychosomatische Störung sensationelle Gründe haben muss. Sondern es können Entwicklungen, bei denen unsere ureigenen Bedürfnisse nicht ausreichend beachtet werden –  wo wir also (unabsichtlich) gegen die eigene Natur handeln – dazu führen, dass unser Organismus unter Spannung gerät und dies zu einer gesundheitlichen Störung führt.

Es liegt auf der Hand, dass die Innenschau bzw. die innere Erfahrung, egal in welchem Kontext sie geschieht, der Weg ist um das eigene Wesen zu entdecken, dieses besser kennen und beachten zu lernen und um derartigen Fehlentwicklungen vorzubeugen – bzw. den Weg zur Umkehr und Heilung zu finden.

Ein anderes Wort für diese Innenschau ist das Wort: „Meditation“ (was soviel heißen kann wie: „in die Mitte, nach Innen gehen“ – wenn man es sprichwörtlich nimmt.)

Gerade dieses nicht bewertende nach „Innen-Schauen“ ist sehr wesentlich und heilsam. Man soll also bei der Innen-Schau nicht gleich ins Nachdenken und Bewerten geraten,  sondern einfach der Seele ihren Lauf lassen (vgl. mit dem Beitrag Yoga – Definition).

Derartiges kann im Rahmen von vielen Tätigkeiten geschehen – nicht nur in der sprichwörtlichen Meditation. Darin liegt beispielsweise der Erholungswert des Wanderns, des meditativen Gehens, des Tourengehens usf. – es kommt dabei also auch zu psychisch relevanten Vorgängen ganz abgesehen von den körperlich erholsamen Auswirkungen. Auch bei Tätigkeiten im Haushalt, im Garten, wo auch immer man Möglichkeiten und Gelegenheit hat sich dieser Innenschau zu widmen sollte man die Gelegenheit dazu nützen.

Wenn man sich nicht bewusst in diese Richtung bemüht – wobei es kein angestrengtes Bemühen sein soll – aber doch ein wiederholtes  Hinlenken der Aufmerksamkeit – dann gerät man sogleich in das Problem-orientierte-Nachdenken, wie wir es alle zur Genüge kennen.

Unsere Lebensumstände und Gewohnheiten veranlassen uns also leicht (vorallem unbewusst) dazu in den Problemen gedanklich zu kreisen. Kein Wunder, dass dann die Erholung und der Erholungswert von etwa gleichzeitig ausgeübten Freizeitaktivitäten gering ist, wenn innerlich die selben belastenden Alltagsthemen fortlaufend abgespielt werden und uns in Bann halten.

Dabei ist die Versuchung auch nicht gering nach größerem Selbstwert auf der äußeren Bühne der Erscheinung – der Bühne der Persönlichkeit – zu streben um den innerlich spürbaren Mangel zu kompensieren.

Die Gefahr ist also groß, dass man sich im Äußeren bemüht zu „punkten“ damit es einem auch innerlich gut geht. Dabei sei derartiges Tun nicht grundsätzlich in Frage gestellt, den wer könnte sagen, dass er nicht auch Teil der Gesellschaft ist und anerkanntes Mitglied der Gesellschaft sein möchte.

Um aber beim Thema zu bleiben: Man erkennt, dass man leicht in die Situation gerät mehr die Persönlichkeit zu „pflegen“ als auf die  Individualität zu „achten“. Mit anderen Worten die Versuchung ist groß mehr auf den „Schein“ zu achten als auf das  „Sein“.

Das heißt das Nicht-Beachten der tiefer liegenden Bedürfnisse auf Kosten der äußeren Erscheinung führt zu Spannungen – in weiterer Folge zu nervösen Reizsymptomen und schließlich zu gesundheitlichen Störungen verbunden mit unerklärlicher Angst und sonstigen Symptomen.

Bei der Entwicklung von Süchten, Essstörungen und unklaren nervlichen Störungen kann eine solche Basisstörung eine wesentliche Rolle spielen und es können sich auch andere gesundheitliche Störungen entwickeln.

Man sieht also wie wichtig die Achtsamkeit ist. Das beachten der ureigenen – naturgemäßen – Bedürfnisse, bzw. wie man letztlich die „Zeche“ bezahlen muss, wenn man sich erlaubt die eigene Natur zu missachten und gegen die eigene Natur handelt.

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(letztes update 28.9.2010)

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