Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Freud`sche Fehlleistung

Eine Freud`sche Fehlleistung ist eine Leistung, die zustande kommt, weil irgend eine Information aus dem Unbewussten diese bewirkt.

Dazu ein Zitat aus dem Artikel von Dieter E. Zimmer, ursprünglich veröffentlicht in DIE ZEIT, 1985 (weiteres dazu hier im Internet)

„Die Freud’sche Fehlleistung ist sprichwörtlich geworden. Man gießt sich den Kaffee statt in die Tasse in die Zuckerdose; man erkundigt sich bei einem Gast aus Versehen, ob er «gut geschnarcht» habe; man steht dumm mit der Schuhbürste vorm Wäscheschrank und weiß nicht mehr, was man da wollte; man wirft den Brief statt in den Briefkasten in den Müllbehälter; man liest «Scheißstand», wo «Schießstand» steht − und in den schlimmeren Fällen möchte man versinken vor Scham; oft aber ist jemand zur Stelle, einen wissend zu trösten: «Na, das war aber eine klassische Freud’sche Fehlleistung.» Der Alltag ist durchsetzt mit derlei unscheinbaren Versehen, bei denen man tut, was man nicht tun wollte, und sich selber entsprechend fremd und merkwürdig vorkommt.“

Bekanntlich hat Sigmund Freud zu derartigen Fehlleistungen eine interessante Theorie veröffentlicht in der er beschreibt wie aus tiefenpsychologischen Gründen die Fehlleistung zustande kommt. (Weiteres dazu im vorgenannten Artikel)

Aus nervenärztlicher Sicht kann man dazu unter Berücksichtigung der Physisologie bzw. unter Berücksichtigung des Aufbaus der einzelnen Nervenzelle und des gesamten zentralen Nervensystems, also des Gehirns erläuternd folgendes sagen:

Wenn man bedenkt, dass an der einzelnen Nervenzelle, sowohl an den einzelnen Ästen, den Dentriten, wie auch am Nervenzellkörper ständig eine große Anzahl von teils anregenden, teils hemmenden Impulsen von den verschiedensten anderen Nervenzellen herkommend einlangt und diese durch die Addition der positiv stimulierenden bzw. durch die Subtraktion der negativ stimulierenden Impulse dazu führen, dass ein irgendwann Schwellenwert erreicht wird, der bewirkt, dass diese einzelne Nervenzelle ihrerseits einen Impuls über ihr Axon an andere Nervenzellen „sendet“, so kann man sich vorstellen, dass vom Gedächtnis aus, sei dies der betroffenen Person bewusst oder nicht bewusst – und damit eben  unbewusst – ebenfalls gewisse Impulse einlangen und so, nicht nur an dieser einzelnen Nervenzelle, sondern in einer ganzen Region des Gehirns sich in Bezug auf die Entwicklung oder Hemmung einer Reaktion auswirken.

Es kann damit also auch durch eine biologische bzw. physiologische Theorie verstanden und erklärt werden warum, etwa verdrängte oder mit Scham besetzte Gedächtnisinhalte, oder sonst wie „hemmende“ oder allgemeiner formuliert abartige Informationen letztlich zur Fehlleistung führen, die die handelnde Person für`s erste selbst gar nicht verstehen kann. Bekanntlich sind derartige Fallgeschichten in der Literatur zur Psychoanalyse beschrieben und veröffentlicht worden.

Wenn man also bedenkt, dass das Nervensystem in dieser Hinsicht ein hoch komplexes System ist, das die Daten nicht nur „eins zu eins“ verarbeitet, sondern bei dem in die jeweilige Handlung und Reaktion auch durch früher Erlebtes und Erlittenes, sich teils bewusst, teils unbewusst einmischt, so kann man leicht verstehen, dass nicht immer die erwartete Reaktion zustande kommt, insbesondere dann nicht wenn die Handlung nicht mit besonderer Achtsamkeit, sondern  unachtsam durchgeführt worden ist. Selbstverständlich spielen Emotion, Triebe und das „Gewissen“ (individuelle Wertvorstellungen) bei derartigem Geschehen eine große Rolle.

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(Beitrag in Arbeit, letztes update 27.8.2012, Psychotherapie, St35)

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