Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

falscher Gebrauch der Ideen in der Psychiatrie

Es ist in der Psychiatrie gängige Praxis, dass psychiatrische (sowie psychologische und psychotherapeutische) Ideen konstitutiv und damit falsch gebraucht werden (vgl. mit Kant Zitat 3a).

Wenn ein Psychiater z.B. ein ADHS  (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom) bei einem Patienten diagnostiziert und davon überzeugt ist, hiermit eine psychische Krankheit bzw. psychische Störung objektiv und allgemein gültig festgestellt zu haben, so irrt er. Psychologische Ideen sind nur regulativ und nicht konstitutiv – wie dies Immanuel Kant formuliert hat (vgl. mit Kant Zitat 4). Es kann mit einer psychologischen Idee bzw. mit einer psychiatrischen Idee, die eine systematischen Einheit im Kant` schen Sinne ist, ein klinisches Erscheinungsbild nur mehr oder weniger treffend durch einen Typus charakterisiert werden und diagnostisch erfasst werden. (vgl. mit dem Jaspers Zitat)

Man kann auch sagen, dass einzelne psychopathologischen Phänomene einen  Symptomenkomplex bilden. Dieser Symptomenkomplex trifft auf die diagnostische Einheit mehr oder weniger zu. Diese Feststellung ist also relativ und nicht absolut gültig. Im Gegensatz dazu ist eine objektiv festgestellbare körperliche Diagnose absolut gültig. So ist etwa die Diagnose eines Unterarmbruches absolut – und damit auch allgemein gültig  – wie dies beispielsweise durch das Röntgenbild oder den klinischen Befund deutlich wird.

Tatsächlich kann man psychiatrische Störungen nur relativ gültig – und zwar relativ gültig in Bezug auf eine definierte Idee feststellen. Der Begriff einer psychiatrischen Diagnose ist nämlich das „Schema“ einer Idee (vgl. mit dem Jaspers Zitat  bzw. mit Kant Zitat 4). Man vergleicht den vorgefundenen, subjektiv festgestellten psychopathologischen Befund mit den verschiedenen Kategorien, die die Schemata der diagnostischen Einheiten sind. Durch den Vergleich des Symptomenkomplexes mit dem Schema der Idee (der Kategorie) gelangt man zur Diagnose, wenn eine Übereinstimmung mit den Kriterien einer Kategorie gefunden wird.

Der konkrete Fall bzw. das konkrete klinische Erscheinungsbild kommt also dem Ideal – wie es durch das Schema der Idee bzw. die Kategorie der Klassifikation definiert wird – mehr oder weniger nahe. In diesem Sinne kann man in der Psychiatrie die Diagnosen nur gemäß einem Typus feststellen und nicht gemäß einer Gattung – wie dies Karl Jaspers formuliert hat. (vgl. mit Jaspers Zitat)

Man sollte also psychologische Ideen und damit auch psychiatrische Ideen nur relativistisch verwenden (vgl. mit Kant Zitat 4)

Wenn man sich der Erkenntnisbasis der psychiatrischen Diagnosen bewusst ist, dann wird man eine psychiatrische Diagnose nur relativistisch verwenden. Man ist sich dann der Tatsache bewusst dass es sich dabei um eine relative und keine absolute Erkenntnis handelt.

Weitere Artikel über die Konsequenzen, wie sie sich aus dem richtigen und falschen Gebrauch der Ideen ergeben finden Sie hier.

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