Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Eine Leitlinie – eine fachliche Meinung

Eine Leitlinie ist eine fachliche Meinung, die auf der Grundlage von fachlichem Wissen  entstanden ist.

Eine Leitlinie ist also ein fachliche Meinung, die auf der Grundlage der Kenntnis von einzelnen derartigen Fällen im Sinn der Kasuistik entstanden ist und andererseits auch eine Meinung, die auf der Grundlage von wissenschaftlichen Studien, in denen viele derartige Fälle untersucht worden sind, entstanden ist.

Es haben also in der Regel viele Fachleute durch das Zusammentragen der Erfahrungen und durch die Auswertung der Ergebnisse die Leitlinie entwickelt und ausgearbeitet, damit diese für die Entscheidungen und Handlungen, wie sie in einem konkreten Fall anstehen, hilfreich sind.

Man kann eine persönliche Leitlinie von einer allgemeinen Leitlinie unterscheiden. Die persönliche Leitlinie kam auf der Grundlage der Erfahrungen einer Einzelperson zustande und die allgemeine Leitlinie basiert auf der Grundlage der Erfahrungen die viele Fachpersonen mit vielen Fällen gemacht haben.

Es gibt also in den verschiedensten Bereichen Leitlinien. Im Rettungswesen, in der Medizin, in der Psychiatrie, in der Technik, im Bankenwesen, in der Politik, im Finanzwesen letztlich in fast allen Bereichen des menschlichen Handelns und Wissens.

In der Medizin oder in der Psychiatrie haben Fachleute auf der Grundlage von Ergebnissen, die wissenschaftliche Studien geliefert haben, einen Konsens gebildet – also eine gemeinsame fachliche Meinung gebildet – aus der eine Leitlinie abgeleitet worden ist.

Diese Leitlinie dient den praktisch tätigen Ärzten als Entscheidungsgrundlage.

Mit anderen Worten: die Leitlinie liefert eine therapeutische Empfehlung, die auf dieser fachlichen Meinung basiert.

Für den konkreten Fall kann diese fachliche Empfehlung die beste Empfehlung sein, sie muss aber nicht die beste Empfehlung sein. Es kann nämlich sein, dass für den konkreten Fall nicht nur die allgemeinen Kriterien zutreffend sind, wie sie in der Studie berücksichtigt worden sind sondern dass darüber hinaus auch noch andere Kriterien berücksichtigt werden sollten.

Das heißt im konkreten Fall sind immer auch die individuellen Umstände und die persönlichen Gegebenheiten des Patienten zu berücksichtigen.

Daher ist der praktisch tätige Arzt gefordert unter Berücksichtigung dieser individuellen Gegebenheiten, gemeinsam mit dem Patienten, für seinen speziellen Fall die bestmögliche Lösung bzw. Vorgehensweise zu finden.

Philosophisch betrachtet handelt es sich bei einer Entscheidung im Hinblick auf die Zukunkft – was bestmöglich zu tun ist – immer um spekulatives Wissen. Mit anderen Worten es handelt sich um prognostisches Wissen, das immer spekulatives Wissen ist.

Es handelt sich also bei einer Leitlinie, die auf einer Meinung basiert immer um ein subjektives Fürwahrhalten – wie dies Immanuel Kant formuliert hat und nicht um objektives Wissen. (vgl. mit Kant Zitat 9)

Daher ist es die vordringliche Aufgabe des praktisch tätigen Arztes gemeinsam mit dem Patienten die bestmögliche (subjektive) Meinung zu finden – also das bestmögliche subjektive Wissen zu erlangen – um sodann das Bestmögliche zu tun. (vgl. mit Kant Zitat 2)

(Beitrag in Arbeit, letztes update 25.2.2011)

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