Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Dysfunktion

Eine Dysfunktion ist eine beeinträchtige Funktion.

Man kann auch sagen:

Eine Dysfunktion ist eine gestörte Funktion.

Es ist eine Dysfunktion somit eine Funktionsstörung.

Man findet, dass praktisch jede Funktion gestört sein kann.

Demgemäß kennt man in den verschiedensten Bereichen dysfunktionale Abläufe bzw. Dysfunktionen.

In der Heilkunde kann z.B. die körperliche Empfindung im Sinn einer Dysfunktion gestört sein und man spricht dann unter  Umständen von einem Schmerz, oder von einem Kribbeln, oder von  einer sonstigen körperlichen Missempfindung, die als neurologisches Phänomen durch eine neurologische Diagnose oder durch eine medizinische Diagnose erfasst wird.

Auch sonst kann das Erleben als Folge einer Dysfunktion beeinträchtigt sein.

So kann etwa die Psyche in ihrer Funktion beeinträchtigt sein und kommt es zum Auftreten von psychischen Symptomen und krankheitswertigen psychischen Phänomenen, die sich ab einem gewissen Grad als psychische Störung manifestieren.

Es können also infolge der beeinträchtigten Funktion der Psyche die psychischen Symptome und psychischen Phänomene in der Form einer psychischen Störungen klinisch in Erscheinung treten, die in der Psychiatrischen Diagnostik durch eine psychiatrische Diagnose erfasst wird.

Oder es kann eine Befindlichkeitsstörung mit körperlichen Symptomen und körperlichen Phänomenen auftreten, die die Folge einer Dysfunktion sind, und die das Ausmaß einer Krankheit bzw. einer krankheitswertigen gesundheitlichen Störung erlangen.

So kann etwa ein nervlicher Erschöpfungszustandes – den man heut vielfach als Burnout bezeichnet – die Folge einer Dysfunktion des Organismus sein, wobei dieser infolge der Störung der Psyche und des Körpers sich durch diesen Symptomenkomplex manifestiert.

Bekannt ist die Verwendung des Begriffs Dysfunktion für die erektile Dysfunktion, wobei es sich hier in der Regel um eine gesundheitliche Störung handelt, die infolge der Störung der Psyche (Erwartungsängste, Versagensängste etc.) auftritt und in manchen Fällen auch körperliche Faktoren wesentlich sind, die der Urologe jedoch in der Regel schon zuvor ausgeschlossen bzw. abgeklärt hat.

Biologisch betrachtet bzw. medizinisch betrachtet ist eine Dysfunktion ein gestörter Ablauf auf der Ebene der Zellen, der Gewebe, der Organe und der Organsysteme.

So kann etwa eine Dysfunktion auf der Ebene des Nervensystems infolge einer Intoxikation auftreten und sich durch neurologische Phänomene als neurologische Störung bzw. als neurologische Funktionsstörung manifestieren.

Es kann hier also im Rahmen der Dysfunktion des Nervensystems die neuronale Funktion gestört sein und diese sich durch eine körperliche Störung, etwa eine motorische Störung manifestieren. Oder es kann eine sensible Störung, oder eine Sehstörung, oder eine Hörstörung, etwa ein Tinnitus, oder eine  sonstige Störung sein, die in der Form eines körperlichen Phänomens in Erscheinung tritt. Oder es führt die gestörte neuronale Funktion bzw. die Dysfunktion des Nervensystems zu einem psychischen Phänomen und damit zu einer psychischen Störung, oder zu einer „gemischten“ Störung mit körperlichen Symptomen und psychischen Symptomen und Phänomenen, etwa im Sinn einer psychosomatischen Störung.

Demgemäß kann man verschiedene psychische Störungen – so wie verschiedene körperliche Störungen – als Folge einer Dysfunktion des Nervensytems verstehen und erklären. Man kennt diesbezüglich bei den körperlichen Störungen dieser Art den Begriff der Vegetativen Dystonie, der eine Störung bezeichnet, die vorwiegend das vegetative Nervensystem betrifft.

Bei den psychischen Störungen kann man eine psychische Störung vom Typ einer Schizophrenie als Folge einer Transmittersubstanz-Dysfunktion verstehen und erklären. Andererseits geben die klinischen Erfahrungen auch Anlass davon auszugehen, dass auch andere Faktoren für das Auftreten einer derartigen psychischen Störung kausal sind, wenn das Zusammenwirken von verschiedenen Faktoren zum Überschreiten eines individuellen, kritischen Schwellenwerts führt.

In diesem Sinn kann man eine psychische Störung entweder als Folge einer biologischen Störung – und damit als Folge einer biologischen Ursache erklären – oder man kann sie unter Umständen als Folge einer psychologischen Ursache erklären und in vielen Fällen hat man Anlass davon auszugehen, dass ein ganzes Bündel von Faktoren im Sinn einer komplexen Ursache zum Auftreten der psychischen Störung führt.

So wie man in der Psychiatrie die psychischen Störungen je nach dem durch verschiedene Faktoren bzw. Ursachen erklären kann und man damit unterschiedliche Gründe als kausal ansehen kann, ist es auch in der Medizin so, dass man je nach Sachverhalt und Art der gesundheitlichen Störung bzw. Krankheit die Kausalität unter Umständen auf eine Dysfunktion in irgend einem körperlichen Bereich oder auf eine sonstige Ursache zurückführen kann.

Man findet, dass man dabei in der Medizin in gewissen Fällen die gesundheitliche Störung durch den „physischen“ Nachweis dieser Dysfunktion diagnostisch näher bestimmen kann. So kann man etwa die Funktionsstörungen am Herz in der Form von Herzrhythmusstörungen monitorisieren und dies durch die Herzstromkurve (EKG) dokumentieren. In ähnlicher Art und Weise kann man in der Neurologie die Aktivität der Nervenzellen im Elektroenzephalogramm (EEG) aufzeichnen und auch hier die Dysfunktionalität bzw. die Dysfunktion dokumentieren.

Andere Dysfunktionen – kann man in der körperlichen Medizin – so wie in der Psychiatrie nicht „physisch“ dokumentieren und man kann daher im Zweifelsfall nicht „physisch“ nachweisen und „physisch“ beweisen, dass eine solche „physische“ Störung vorliegt, sondern man kann sie durch ein solches Konzept und durch „physische“ Befunde – wenn man solche findet und etwa mit der Methode der Funktionellen Magnetresonanztomographie vorzeigen kann – nur besser erklären.

Man kann also viele phänomenologische Einheiten nicht „physisch“ reliabel und valide diagnostizieren, wie dies bei den ätiologischen Einheiten möglich ist.

Mit anderen Worten: es gibt medizinische Diagnosen vom Typ einer Funktionsstörung, die man objektivieren kann und andererseits solche, die man – weil sie nur phänomenologisch erfasst werden – nicht objektivieren kann. In der Psychiatrie kann man die Dysfunktion durch „physische“ Befunde grundsätzlich nicht objektivieren, weil man ein psychisches Phänomen nicht auf eine Objekt zurückführen und auf dieser Grundlage objektiv gültig bestimmen kann.

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(letzte Änderung 09.08.2017, abgelegt unter: Begriff, Definition, Diagnostik, Erkennen, Erklären, Forensik, Funktion, Funktionsstörung, Gesundheit, Heilkunde, Klassifikation, Krankheit / gesundheitliche Störung, Medizin, messen, Nervensystem, Neurologie, Psyche, Psychiatrie, Psychologie, Psychosomatik, Wissenschaft)

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