Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

ätiologische Einheit

Eine ätiologische Einheit ist eine Einheit, die durch die Ursache bestimmt ist.

Zum Beispiel ist in der Neurologie die Diagnose: Meningokokken Meningitis eine ätiologische Einheit und es ist dies somit eine ätiologische Diagnose. Oder es ist die neurologische Diagnose: ischämischer Infarkt eine ätiologische Einheit. In der Inneren Medizin sind die Einheiten: Herzinfarkt, Leukämie, Pneumonie usf. ätiologische Einheiten, weil bei all diesen Einheiten die Ursache die Einheit bestimmt bzw. damit die Ursache auch den Begriff der jeweiligen Diagnose bestimmt.

Im Gegensatz dazu ist eine phänomenologische Einheit eine ganz andere Einheit, weil man bei dieser Einheit die gesundheitliche Störung nicht auf der Grundlage der Ursache bestimmt, sondern auf der Grundlage des klinischen Erscheinungsbildes oder man kann auch sagen auf der Grundlage des Symptomenkomplexes der das klinische Erscheinungsbild bestimmt.

Ätiologie (griechisch: αἰτία aitía ‚Ursache‘ und λόγος lógos ‚Vernunft‘, ‚Lehre‘)

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet erkennt man eine ätiologische Einheit auf der Grundlage eines Objekts bzw. auf der Grundlage der Merkmale eines solchen Objekts erkannt und bestimmt wird. Daher kann man eine solche Diagnose bzw. eine solche diagnostische Einheit objektiv gültig bestimmen, was bei einer phänomenologischen Einheit und somit bei einer phänomenologischen Diagnose nicht möglich ist. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Man kann also den Begriff einer ätiologischen Einheit bzw. auch den Begriff einer ätiologischen Diagnose auf ein Objekt bzw. auf einen objektiven Befund zurückführen und auf dieser Grundlage allgemein gültig bestimmen. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Eine ätiologische Einheit ist somit eine ganz andere Einheit als eine phänomenologische Einheit, die man nur auf der Grundlage einer Idee und damit nur subjektiv gültig erkennen und bestimmen kann.

Wie man sich überzeugt gibt es in der Medizin in vielen Fachbereichen ätiologische Einheiten. So etwa in der Inneren Medizin, in der Neurologie, in der Chirurgie, in der Unfallchirurgie, in der Orthopädie usf.

Zu den ätiologischen Einheiten bzw. zu den ätiologischen medizinischen Diagnosen zählen etwa die Einheiten: Herzinfarkt, Leukämie, Meningokokken-Meningitis, Pneumonie, Tuberkulose usf. All diese medizinischen Diagnosen kann man auf der Grundlage von objektiven Befunden allgemein gültig bestimmen.

Im Gegensatz dazu gibt es in der Psychiatrie praktisch keine ätiologisch diagnostischen Einheiten und vor allem keine ätiologischen Diagnosen in diesem Sinn. Man kann nämlich keine einzige psychiatrische Diagnose auf der Grundlage von „physischen“ Befunden bestimmen.

So wie man die psychiatrischen Diagnosen nicht „physisch“ diagnostisch bestimmen kann, so gibt es allerdings auch in der Medizin eine größere Anzahl von phänomenologischen medizinischen Diagnosen, also Diagnosen, die man nur auf der Grundlage eines Symptomenkomplexes erkennen und somit nur auf der Grundlage des klinischen Erscheinungsbildes diagnostisch bestimmen kann. Dazu zählen etwa die Diagnosen Migräne, Spannungskopfschmerz, Fibromyalgie und andere funktionelle Diagnosen. Es sind dies also die syndromalen Diagnosen im engeren Sinn.

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(letzte Änderung 31.12.2013, abgelegt unter Einheit, Diagnostik, Definition)

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