Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Denken – Theorie des Denkens

Das Denken basiert auf  Vorstellungen. Sei dies ein uns bewusstes Denken oder ein uns nicht bewusstes Denken (unbewusstes Denken), wie es beispielsweise im traumlosen Schlaf  vorkommt.

Immer werden beim Denken Vorstellungen (Ideen) miteinander verglichen. Wir vergleichen Vorstellungen bzw. Ideen und gelangen durch diesen Prozess des Vergleichens von Ideen zu einer Entscheidung,  also zu einem Urteil, oder manchmal auch zu keiner Entscheidung und es bleibt dann eine gewisse Unsicherheit bzw. ein ungutes Gefühl zurück.

Wir vergleichen z.B. eine neue Idee, so wie sie uns gerade einfällt, mit einer Idee, die wir schon kennen, also mit einer Idee aus dem Gedächtnis, die uns zu dieser neuen Idee einfällt, die wir zu dieser neuen Idee assoziieren. Diesen Prozess des innerseelischen Ablaufs auf der Ebene der Vorstellungen bezeichnen wir als Denken bzw. als Denkvermögen. Dabei beruht der Denkprozess auf der Assoziation und zum Teil auch auf den Sinneseindrücken.

Geht man davon aus, dass auf der Ebene der Nervenzellen eine Vorstellung einem gewissen neuronalen Muster bzw. einem neuronalen Funktionsablauf im Sinn einer gewissen neuronalen Funktion entspricht, so ergibt sich daraus, dass beim Denkvorgang verschiedene neuronale Muster –  man kann auch sagen – verschiedene neuronale „Bilder“ entstehen und diese  miteinander verglichen werden. Schließlich geht aus diesem Prozess der neuronalen Funktion letztendlich in manchen Fällen ein gewisses Ergebnis hervor das man als Einsicht oder als Erkenntnis bezeichnet. Diese Verstehensweise kann man als eine Theorie des Denkens bezeichnen.

Tatsächlich erfolgt auch auf maschineller Ebene beim Computer ein solches Vergleichen – nur mit dem Unterschied, dass der Computer viel schneller die „Bildentwicklung“ und die „Bildvergleiche“ vornehmen kann. Dafür ist der Computer aber stupider (einfacher), insofern er die Vergleiche nur linear, also einen Vergleich nach dem anderen in einer linearen Sequenz durchführen kann und durchführt. Das heißt der Computer arbeitet die Vergleiche mit sehr hoher Geschwindigkeit, einen nach dem anderen ab, wohingegen Gehirne  wahrscheinlich mehr oder weniger direkt zum Ergebnis vorstoßen können. Dies ist im Gehirn wahrscheinlich deswegen möglich, weil die Nervenzellen vieldimensional miteinander verschränkt sind. Aus histologischen Bildern des Nervensystems können wir ersehen wie die Nervenzellen vielfach miteinander über die Nervenzelläste, die Dentriten und deren Synapsen in Verbindung stehen, gleichsam wie ineinander verschränkte Bäume. Es können also die Nervenzellen über die Äste und Ästchen miteinander in Verbindung stehen und an den Kontaktpunkten – den Synapsen – Impulse übertragen. Dadurch entsteht eine Art Multidimensionalität, die einer technischen Anlage wie einem Computer nicht zu eigen ist. Zusätzlich ist das Gehirn auch „plastisch“, insofern auf dem Niveau der Nervenzellen neue Verbindungen (-> WikiBeitrag Synapsen) aufgebaut werden können und es können je nachdem auch die Nervenzelläste ausprossen. Man kann also sagen, dass das biologische Prinzip dem technischen Prinzip konzeptuell weit überlegen ist. Auf der anderen Seite kann aber das „Blechgehirn“ durch die hohe Arbeitsgeschwindigkeit und die ständig weiterentwickelten Programme einiges wettmachen und sind uns daher die „Blechgehirne“  in mancherlei Hinsicht auf ihre Art weit überlegen.

Im Grunde genommen findet also sowohl beim maschinellen „Denken“ wie beim biologischen Denken ein Vergleich von Informationen statt.

Im Gegensatz zu den Tieren sind die Menschen auf der Grundlage der Sprache mit Hilfe der Begriffe, wie sie durch die Abstraktion gebildet worden sind, in der Lage komplexe Ideen zu bilden und auf dieser Grundlage im Stand komplexe Informationen zu kommunizieren.

Menschen sind also im Gegensatz zu Tieren fähig abstrakte Ideen zu bilden, was den höheren Tieren – so weit einsichtig – nur in sehr beschränktem Umfang möglich ist.

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(letztes Änderung 2.10.2013, abgelegt unter denken, St 1)

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