Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Behutsamkeit und Achtsamkeit

Achtsamkeit ist dieser Tage ein häufig zitierter Spruch.
Achtsamkeit verlangt auch Behutsamkeit.
Wenn jemand mit Yoga beginnt und sich abmüht im halben Lotossitz zu meditieren – und seine Muskeln und Bänder dafür noch nicht ausreichend (durch lange und behutsame Übung) vorbereitet sind so entsteht tatsächlich die Gefahr dass er sich verletzt – und wäre dies zweifelsohne das Gegenteil einer achtsamen Übung.
Desgleichen wenn jemand in einen Meditationskurs gehen würde und dort – um in kurzer Zeit möglichst viel zu erreichen – stundenlange Übungen absolviert – so wäre dies zweifelsohne der meditativen Praxis entgegen – und dürfte sich dieser Jemand nicht wundern wenn ihm dies nicht gut bekommt.
Das heißt was für den einen derzeit möglich ist – ist – unter Umständen – für den anderen – momentan nicht möglich oder nicht angebracht.
Man sollte sich also nicht scheuen das eigene Maß – als das Maß der Dinge – für einen selbst zu akzeptieren.
Dass sich die Dinge im Lauf der Zeit entwickeln steht natürlich außer Zweifel – aber eben alles braucht seine Zeit.
Es gibt eine Geschichte – wenn ich mich recht erinnere – stammt sie aus China wo es sinngemäß heißt: dass ein guter Gärtner nicht die Pflanze ausreisst um zu sehen wie lang die Wurzeln schon gewachsen sind.

Antiloop GmbH / bechtold.at.