Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Orientierungsstörung

Eine Orientierungsstörung ist eine Störung in der Orientierung.

In der Psychiatrie ist eine Orientierungsstörung ein  psychopathologisches Phänomen.

Es ist eine Orientierungsstörung in der Psychiatrie also ein krankheitswertiges psychisches Phänomen, wie es bei einer psychischen Störung oder bei einer geistigen Behinderung vorkommt.

Eine Orientierungsstörung wird infolge der psychischen Anomalie (vgl. mit Griesinger Zitat) somit psychopathologisch und damit auf der Grundlage der Psychopathologie erkannt.

Es handelt sich bei einer Orientierungsstörung also um ein psychisches Phänomen, bei dem die Kognition und in weiterer Folge die Wahrnehmung der Realität gestört ist.

Man kann daher auch sagen, dass die Orientierungsstörung infolge der kognitiven Störung auftritt und zu einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Störung in der Realitätswahrnehmung führt.

Dabei kann die Orientierungsstörung durch unterschiedliche Ursachen entstehen.

Es kann die Orientierungsstörung primär die Folge einer Merkfähigkeisstörung in Verbindung mit einer Gedächtsnisstörungen sein, wie dies bei der Demenz vom Typ der Alzheimerdemenz (Alzheimerkrankheit) der Fall ist. Oder es kann die Orientierungsstörung die Folge einer vaskulären Ursache sein, wie dies bei gewissen Formen eines Organischen Psychosyndroms (OPS) zu beobachten ist oder wie dies bei der vaskulären Demenz der Fall ist. Hier treten  Denkstörungen und Kritikstörungen infolge einer vaskulären Ursache klinisch in Erscheinung.

Unterschiedliche Formen einer Orientierungstörung:

Man unterscheidet in der Psychiatrie:

Orientierungsstörung in Bezug auf die Zeit (die Person kann die aktuelle Zeit nicht angeben), Orientierungsstörung in Bezug auf den Ort (die Person weiß nicht wo sie sich befindet), Orientierungsstörung in Bezug auf die Situation (die Person ist in Bezug auf die aktuelle Situation nicht orientiert, ist sich zum Beispiel nicht dessen bewusst dass gerade eine Untersuchung durchgeführt wird),

Orientierungsstörung in Bezug auf die eigene Person (die Person weiß zum Beispiel nicht, dass sie verheiratet ist) usf.

Man spricht daher von einer zeitlichen Orientierungsstörung, von einer örtlichen Orientierungsstörung, von einer situativen Orientierungsstörung, von einer Orientierungsstörung zur eigenen Person usf. In diesem Sinn hat die desorientierte Person ein mangelhaftes bzw. falsches Wissen und es bestehen bei ihr kognitive Störungen.

Je nach dem Schweregrad der Störung in der Orientierung treten mehr oder weniger ausgeprägte psychopathologische Phänomene auf und es bestimmt dies die Art und den Grad der psychischen Störung und damit die psychiatrische Diagnose.

Bei einer schweren Orientierungsstörung kommt es zum klinischen Erscheinungsbild der Verwirrtheit.

Schon bei einer geringeren Ausprägung in der Orientierungsstörung spricht man unter Umständen von einer Demenz, weil die betroffene Person als Folge der bestehenden psychischen Störung nicht mehr klar kommt und die Dinge nicht mehr ausreichend selbst regeln kann. Es sind bei derartigen psychischen Störungen in der Regel das Merken und somit die Merkfähigkeit beeinträchtigt.

Es tritt hier also eine Merkfähigkeisstörung und in weiterer Folge eine Störung betreffend das Gedächtnis auf. Es treten hier also krankheitswertige Gedächtsnisstörungen auf, die die Grundlage für die Orientierungsstörung sind. Es besteht hier eine Störung im Erkennen der Dinge und der Zusammenhänge und es resultiert daraus eine  Störung im Denken und in der Realitätswahrnehmung.

Eine besondere Form einer Orientierungsstörung tritt beim Wahn bzw. bei einer Paranoia auf. In einem solchen Fall gelingt es der betroffenen Person nicht ihre Sichtweise an der Realität zu korrigieren, obwohl sie bemerkt dass andere Personen nicht zu dieser Sichtweise bzw. nicht zu dieser Ansicht gelangen. Es handelt sich hier also um ein krankheitsbedingtes Unvermögen gewisse Vorstellungen zu bilden bzw. die eigenen Vorstellungen an der Realität zu korrigieren (Beispiel: paranoide Schizophrenie im akuten Schub). Man spricht daher von der wahnhaften Gewissheit, die keiner Korrektur zugänglich ist.

Auch bei einer ausgeprägten Gemütsstörung also bei einer ausgeprägten affektiven Störung – so etwa bei einer schweren Depression – kann es zu schweren Störungen in der Orientierung kommen (Beispiel: Verarmungswahn) in einem solchen Fall hat die psychische Störung das Ausmaß einer Psychose erlangt.

Häufig treten auch bei einem Organischen Psychosyndrom (OPS) oder auch in einem Rausch Orientierungsstörungen auf.

Die Orientierungsstörung ist also ein krankheitswertiges psychisches Phänomen das bei verschiedenen psychischen Störungen in mehr oder weniger starker Ausprägung vorkommt. Und ebenso kommen Orientierungsstörungen und Einschränkungen in der Orientierung bei der geistigen Behinderung vor.

In diesem Sinn ist eine Orientierungsstörung ein häufiges Merkmal einer psychischen Störung, wie sie in der Psychiatrie und auch in der Psychologie diagnostiziert wird.

Und es ist demgemäß die Orientierungsstörung auch ein wesentliches Merkmal des psychischen Befundes wenn dieses psychische Phänomen bei der Erstattung eines psychiatrischen Gutachtens erhoben wird.

(letzte Änderung 26.12.2016, abgelegt unter Definition, denken, Forensik, Forensische Psychiatrie, Gedächtnis, Psyche, Psychiatrie, psychische Störung, Psychologie, Psychopathologie, psychiatrische Diagnose, psychiatrischer Begriff, psychologischer Begriff)

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