Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

konstitutives Prinzip

Ein konstitutives Prinzip ist ein Prinzip das absolut gültig ist.

Zum Beispiel ist das Prinzip (die Gesetzmäßigkeit), dass die Winkel eines Dreiecks zusammen 180 Grad haben absolut gültig. Wenn man zwei Winkel kennt, dann ergibt sich daraus konstitutiv wie groß der dritte Winkel ist.

In der Medizin und in der Psychiatrie (Psychologie, Psychotherapie) gibt es praktisch keine konstitutiven Prinzipien.

In der Medizin gibt es zwar Relationen von Dingen zueinander, die gesetzmäßig auftreten und von der Art sind: wenn A dann folgt daraus zwingend B. Wenn in der Medizin gewisse körperliche Zeichen gefunden werden, dann folgt daraus zwingend, dass eine gewisse medizinische Diagnose zutreffend ist. Eine Idee an sich, ist jedoch auch in der Medizin nicht konstitutiv. Man kann nicht sicher sein, wenn man z.B. eine Verdachtsdiagnose – die auf einer Vorstellung bzw. einer Idee beruht – gefunden hat, dass eine bestimmte Krankheit zwingend vorliegt.

Es kann so sein – aber es muss nicht so sein. Erst wenn man die Idee auf ein Objekt bzw. auf ein Faktum zurückgeführt hat und damit die Idee auf der Grundlage des Objekts als zutreffend beweisen kann, man also die Erkenntnis objektiviert hat – dann ist die Sache gewiss.

Die Idee an sich ist also ungewiss – hingegen ist das gefundene Faktum wenn es tatsächlich vorhanden ist, gewiss. Immanuel Kant sagt daher, dass eine Idee nicht konstitutiv, sondern nur regulativ ist (vgl. mit Kant Zitat 3a).

In der Psychiatrie gibt es zwar auch gewisse Relationen, etwa die der psychischen Phänomene zueinander, eine zwingende Relation (eine Gesetzmäßigkeit) der Zusammenhänge kann man jedoch nicht aufzeigen. Man kann daher in der Psychiatrie bei einer gewissen psychischen Störung und damit bei einer gewissen psychiatrischen Diagnose keine zwingende (keine gesetzmäßige) Relation der psychischen Phänomene zu körperlichen Faktoren und damit zu körperlichen Ursachen aufzeigen. Gleichartige psychische Phänomene und Symptome können durch verschiedene Ursachen (Faktoren) im Sinn einer komplexen Ursache hervorgerufen werden. (Weiteres dazu siehe auf Poster 6, Diagnosis in Psychiatry – The Role of Biological Markers)

Man kann in der Psychiatrie die Dinge, und die Relation der Dinge zueinander nicht in der Anschauung demonstrieren. Das heißt: man kann in der Psychiatrie die Dinge nicht allgemein gültig beweisen. Das heißt in der Psychiatrie wird nur subjektive Evidenz erlangt, wohingegen in der Medizin zum Teil objektive Evidenz erlangt wird.

Man kann in der Psychiatrie auf der Grundlage von subjektivem Wissen nur relativ gültige Zusammenhänge aufzeigen. In der Psychiatrie kann man daher nur relatives Wissen erlangen das grundsätzlich beschränktes Wissen ist.

In der Medizin kann man zum Teil objektives Wissen und damit absolutes Wissen erlangen. Vieles von dem, was man in der Medizin weiß und wissen kann, ist jedoch auch nur relatives Wissen. Zum Beispiel ist das Wissen in Bezug auf eine medizinische Prognose, also das prognostische Wissen ist nur relatives Wissen, weil man nicht weiss was die Zukunft im konkreten Fall bringen wird.

.

(letzte Änderung 14.11.2017, abgelegt unter: Beweis, Definition, Diagnostik, Medizin, Philosophie, philosophische Begriffe, Prinzip, Psychiatrie, Wissen, beschränktes Wissen, objektives Wissen, relatives Wissen, subjektives Wissen)

…………………………………………

weiter zum Beitrag: regulatives Prinzip

…………………………………………..

weiter zum blog: Prinzip

…………………………………………..

weiter zur Seite: medizinische Diagnose – psychiatrische Diagnose

weiter zur Seite: medical diagnosis – psychiatric diagnosis

…………………………………………..

Antiloop GmbH / bechtold.at.