Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Migräne

Die Migräne ist ein halbseitiger Kopfschmerz der anfallsartig auftritt.

Deswegen wurde die Migräne auch als Hemicrania bezeichnet (gr. hemi – halb, lat. cranium: Schädel, gr. κρανίον (krānion))

Es ist die Migräne also eine besondere Form eines Kopfschmerzes der phasenweise auftritt und der bei einer bestimmten Person einen mehr oder weniger typischen Verlauf zeigt.

Bei manchen Patienten kündigt sich die Migräne-Attacke durch ein prodromales Stadium (prodromal-Syndrom) an. Es treten also gewisse Symptome und Phänomene schon im Vorfeld des Migräneanfalls auf und spricht man daher vom Prodromalstadium.

Typisch ist dass die Migräne bei einer bestimmten Person durch gewisse Reize – man kann daher auch sagen durch gewisse Faktoren ausgelöst wird. Dabei ist als wesentlicher Faktor die Disposition – also die Anlage (Konstitution) – man kann daher auch sagen, dass die Genetik (Gene) ein wesentlicher Faktor sind der zur Migräne disponiert.

Auch treten die Migräneanfälle bei einer bestimmten Person bevorzugt in einer gewissen Lebensphase (Lebensabschnitt) auf und es ist daher auch das Alter ein disponierender Faktor. Es kann also sein, dass die Migräne besonders in der Kindheit / Jugend / oder im Erwachsenenalter auftritt und später dann auch wieder verschwindet.

Wegen diesen Gegebenheiten kann man berechtigt sagen, dass die Migräne als Folge einer komplexen Ursache bzw. als Folge einer multifaktoriellen Ursache auftritt.

Und es kommt bei disponierten Individuen bevorzugt zum Auftreten dieser Form einer gesundheitlichen Störung, falls eine Überlastung / Überreizung des gesamten Organismus besteht. Falls gewisse einzelne Faktoren oder ein Bündel von Faktoren zusammenkommen und einen gewissen Schwellenwert erreichen tritt der Migräneanfall auf.

Weil hierbei in der Regel eine Überreizung des Nervensystems, insbesondere des Vegetativen Nervensystems welches vor allem im Hirnstamm gelegen ist disponierend ist, haben Neurologen die Hirnstamm-Theorie entwickelt. Eine wesentliche Rolle spielt auch das vaskuläre System und es ergaben sich Anhaltspunkte dafür, dass vaskuläre Faktoren im Sinn der Verkrampfung der Arterien eine Rolle spielen und wurde deswegen eine vaskuläre Theorie in Bezug auf die Genese der Migräne entwickelt. Des weiteren ging man davon aus, dass entzündliche Vorgänge bei der Migräne eine Rolle spielen und es entstand diesbezüglich eine Entzündungstheorie. Es gibt also unterschiedliche Theorien die das Auftreten der Migräne erklären. Es sind dies biologische Theorien durch die man das Auftreten eines Kopfschmerz vom Typ einer Migräne  verstehen und erklären kann, und es spielen demgemäß in der Therapie verschiedene Ansätze eine wesentliche Rolle.

Wegen der genannten Störung der körperlichen Funktion kann man eine Migräne auch als Folge einer Funktionsstörung oder in gewisser Hinsicht auch als Folge einer funktionelle Störung oder als Folge einer Störung der vegetativen Funktion verstehen und erklären, eben weil das Zusammentreffen der individuellen Faktoren zur Auslösung des Anfalls bzw. die Summation zu einer gewissen Schwelle zum Anfall des Kopfschmerzes führt.

Es muss also ein gewisser individueller Schwellenwerterreicht werden, damit eine gewisse nervliche Störung – man kann auch sagen eine gewisse Vegetative Störung eintritt – in deren Folge die Migräne mit dem einseitigen Kopfschmerz und diversen vegetativen Symptomen (Appetitlosigkeit, Übelkeit, Lärm- und Lichtscheu, Überempfindlichkeit gegenüber diversen Reizen) mit dem typischen Anfallsmuster der Person auftritt.

Und es kommt nach dem Durchlaufen dieses Musters wieder zur Normalisierung.

Daher kann man unter Anwendung der Hirnstammtheorie sagen, dass es nach dem Durchlaufen des pathologischen neuronalen Musters beim Migräneanfall wieder zur normalen neuronalen Funktion kommt.

Ebenso kann man sagen, dass die neurologische Funktionsstörung, die sich in der Form des neurologischen Phänomens Migräne manifestiert, sich in einem gewissen Zeitraum wieder normalisiert. Es kommt hier also im Rahmen der Erholung von der Störung im Nervensystem zu einem biologischen „Reset“.

In der Neurologie zählt die Migräne zu den neurologischen Störungen / Krankheiten, die in der Neurologischen Diagnostik durch den typischen neurologischen Symptomenkomplex unter Berücksichtigung des Verlaufs erfasst werden und es zählt daher diese neurologische Diagnose zu den phänomenologische Diagnosen.

Man kann auch sagen, dass die neurologische Diagnose durch das klinische Erscheinungsbild erfasst wird und dass man diese neurologische Störung durch eine solche neurologische Idee erklären und verstehen kann, wie sich diese aus der jeweiligen Theorie bzw. aus dem jeweiligen neurologisches Konzept ergibt.

Ebenso kann man auch sagen: Die neurologische Diagnose Migräne wird in diesem Sinn durch eine der oben genannten Ursachen als körperliche Funktionsstörung verstanden und erklärt und man kann den gesundheitlichen Sachverhalt demgemäß durch verschiedene neurologische Konzepte im Hinblick auf die Genese (Ätiologie) gemäß der jeweiligen Theorie verschieden verstehen und erklären, je nach dem welcher Gesichtspunkt / Sichtweise / Aspekt als der zutreffende angesehen wird.

Damit deutet sich an warum in der Therapie der Migräne verschiedene Vorgehensweisen und demgemäß verschiedenen Therapien / Medikamente / und Methoden der Schulmedizin wie auch der Alternativmedizin / Komplementärmedizin einen wesentlichen Beitrag zur Linderung dieser gesundheitlichen Störung bzw. Krankheit liefern können.

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(letzte Änderung 27.10.2017, abgelegt unter: Definition, Diagnostik, Diagnostizieren, Funktionsstörung, Medizin, Nervensystem, vegetatives Nervensystem, Neurologie)

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