Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Yoga (Definition)

In diesem Beitrag wird im 1. Teil die Definition des Yoga von Patanjali anhand seiner Sutren in der Übersetzung aus dem Sanskrit von Deshpande (weitere Übersetzung ins Deutsche von Bettina Bäumer); anschließend im 2. Teil die Übersetzung und Definition von Osho.

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nachfolgend die ersten Yoga-Sutren von Patanjali:

Nachweis siehe unten (1)

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Yoga Darsana

1. Sutra von Patanjali

atha yoga-anusasanam

Nun (folgt) die Disziplin des Yoga

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2. Sutra von Patanjali  (Im Teil I, Über die Versenkung: Samadhi Pada)

yogas citta-vrtti-nirodhah.

Yoga ist jener innere Zustand, in dem die seelisch-geistigen Vorgänge zur Ruhe kommen.

Anmerkung: meiner Ansicht nach sollte es in der Übersetzung noch treffender heißen:

Yoga ist jener innere Vorgang, in dem die seelisch-geistigen Vorgänge zur Ruhe kommen. …

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Yoga ist also ein Vorgang (Zustand) in dem etwas geschieht bis dieses Geschehen zum Stillstand kommt.

Normalerweise verändern sich die innerseelischen Zustände andauernd ohne, dass ein Zustand der vollkommenen inneren Ruhe erreicht wird.

Insofern die seelisch-geistigen Vorgänge (Zustände) infolge des Yoga zur Ruhe kommen ist Yoga tatsächlich ein besonderer Vorgang. Da hier offensichtlich ein Vorgang (Zustand) gemeint ist – bis schließlich der Zustand der vollkommenen inneren Ruhe erreicht ist. Insofern kann man Yoga auch als innerseelischen Prozess bezeichnen. Der Endzustand dieses innerseelischen Prozesses ist erreicht, wenn die seelisch-geistigen Vorgänge vollkommen zur Ruhe gekommen sind.

Dies ist bemerkenswert. Bemerkenswert deswegen weil wir einen solchen Zustand normalerweise tatsächlich nicht erlangen – weil immer irgend welche innerseelischen Vorgänge ablaufen, sei dies im Wachbewusstsein oder im Schlaf – und wir daher einen solchen Ruhezustand aus unserer bisherigen Erfahrung nicht kennen.

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3. Sutra von Patanjali

tada drastuh svarupe vasthanam.

Dann ruht der Sehende in seiner Wesensidentität.

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Aus neurophysiologischer Sicht und neuropsychologischer Sicht seien dazu ein paar Anmerkungen erlaubt:

Wenn die seelisch-geistigen Vorgänge zur Ruhe gekommen sind, dann tauchen offensichtlich auf dem „inneren Bildschirm“, im Bewusstsein keine Bewusstseinsinhalte mehr auf – obwohl das Bewusstsein in voller Klarheit und Helle vorhanden ist. Das heißt, es tauchen in diesem innerseelischen Zustand keine Gedanken, keine Bilder, keine Gefühlsregungen etc. auf.

Damit ist der Zustand der Wesensidentität erreicht.

Man kann sagen, dass dieser Zustand einerseits inhaltsleer ist – andererseits kann man auch sagen, dass dieser Zustand obwohl er „leer“ ist, gleichzeitig auch die größtmögliche „Fülle“  beinhaltet, in dem Sinne, dass die „Fülle“ nicht konkretisiert ist – und gerade damit die größtmögliche „Fülle“ gegeben ist.

Neuropsychologisch betrachtet kommen also in diesem Zustand keine konkreten Vorstellungen, keine Bilder, keine Wünsche etc. vor.

Neurophysiologisch betrachtet gibt es in diesem Zustand zwar eine gewisse neuronale Aktivität – (die Atmung geht natürlich weiter, ein gewisser sensibler Input ist vorhanden – und auch ein motorischer output – wegen der Körperhaltung und den sonstigen Organfunktionen) – diese neuronale Aktivität zeichnet sich jedoch durch eine Art Gleichgewicht aus – oder man könnte sie auch als eine Art Ruheaktivität bezeichnen.

Verstehbar herrscht in einem solchen Zustand „Seelenfrieden“, da keinerlei Konflikte, keinerlei innere Spannungen mehr vorhanden sind – was sonst natürlich immer mehr oder weniger der Fall ist. Sei dies vordergründig im Wachbewusstsein – oder hintergründig ohne, dass dies bewusstseinsmäßig wahrgenommen wird.

Es ist also verständlich, dass in diesem Zustand vollkommene Ausgeglichenheit, eine nicht zu übertreffende „Seelenruhe“ bzw. „Glückseeligkeit“ vorherrscht.

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4. Sutra von Patanjali

vrtti-sarupyam itaratra.

Alle anderen inneren Zustände sind bestimmt durch die Identifizierung mit den seelisch-geistigen Vorgängen.

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In diesem Sutra wird ausgesagt, dass unser Bewusstsein in keinem anderen Zustand „leer“ ist, sondern, dass alle anderen inneren Bewusstseinszustände mit Bewusstseinsinhalten einhergehen.

Insofern kann man tatsächlich sagen, dass wir unseren ursprünglichen Bewusstseinszustand – denjenigen in dem wir nicht durch andere Inhalte erfüllt sind – eigentlich gar nicht kennen, solange wir noch nicht diesen inneren Zustand der „Leere“ erfahren und kennengelernt haben. Allein das ungeborene Kind hat in der Zeit bevor Bewusstseinsinhalte sich zu akkumulieren beginnen eine Erfahrung dieser „Leere“.

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(1)

Zitate aus:

Patanjali: Die Wurzeln des Yoga, Die Yoga-Sutren des Patanjali mit einem Kommentar von P. Y. Deshpande, mit einer neuen Übertragung der Sutren aus dem Sanskrit, herausgegeben von Bettina Bäumer, Otto Wilhelm Barth, Verlag, Siebte Auflage 1993, Seite 21, ISBN 3-502-61495-4

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nachfolgend die ersten Yoga-Sutren von Patanjali in der Auslegung und Übersetzung von Osho:

aus:

Yoga the science of the soul Osho (2)

 

1. Sutra

Now the disziplin of yoga

2. Sutra

Yoga is the cessation of mind

3. Sutra

Then the witness is established in itself

4. Sutra

In the other states there is identification with the modifications of the mind

(2) aus:

(2) OSHO, Yoga the Science of the Soul, St. Martin´s Press, N.Y. 2002, Seite 1, ISBN-10: 0-312-30614-8

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(letzte Änderung 21.11.2020, abgelegt unter: Medizin-Psychotherapie-Yoga-Meditation)

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