Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

psychologischer Begriff – Erläuterung

Nach Kant` scher Terminologie sind psychologische Begriffe regulative Begriffe (siehe Kant  Zitat 4).

Tatsächlich macht es Sinn solche Begriffe als regulative Begriffe zu bezeichnen, insofern ein derartiger Begriff durch das Schema der Idee erkannt wird (vgl. Kant Zitat 7).

Man kann auch sagen: der psychologische Begriff ist die systematische Einheit der bloßen Idee (vgl. mit Kant  Zitat 4), weil der psychologische Begriff die einzelnen Merkmale der Idee durch diese systematische Einheit erfasst (vgl. mit Kant Zitat 7 und mit Kant  Zitat 4).

Auf diesem Weg können Menschen durch psychologische Begriffe Sachverhalte in Bezug auf die Psyche durch diese sprachlichen Einheiten kommunizieren.

Durch die Auffassung von gewissen Erkenntnisobjekten, ist also unter dem jeweiligen Begriff die Kommunikation möglich, und es können sich daher die Menschen über die zugrunde liegende Idee unterhalten und sprachlich verständigen.

Wenn z.B. jemand sagt: diese oder jene Umstände haben dazu geführt, dass die Person A unglücklich geworden ist, so kann man durch den Zusammenhang verstehen welche Umstände zum unglücklich werden geführt haben, und man kann sich selbst, etwa als Folge dieser Information vorsehen solche Umstände zu vermeiden.

In der alltäglichen Umgangssprache verwenden wir viele derartige regulative  Begriffe – die nach der Terminologie von Immanuel Kant die Begriffe von „bloße Ideen“ sind.

Immanuel Kant nennt solche Ideen bloße Ideen (vgl. mit Kant Zitat 4), weil sie nicht am Probierstein der Erfahrung überprüft werden können. (vgl. mit Kant Zitat 10)

Begriffe wie: traurig, glücklich, schön usf., die wir andauernd im Sprachgebrauch verwenden sind nicht explizit definiert. Es sind uns jedoch die gemeinten Inhalte aus dem Sprachgebrauch hinlänglich bekannt und können wir daher solche sprachlichen Mitteilungen verstehen.

In der professionellen Kommunikation von psychologischen Begriffen, insbesondere bei der Verwendung von diagnostischen Einheiten in der Psychologie und Psychiatrie ist jedoch eine möglichst genaue Definition der Begriffe bzw. der Begriffsinhalte erfordert damit durch gleiche Aussagen möglichst Gleiches gemeint ist.

Daher sind in der psychiatrischen Klassifikation die psychiatrischen Kategorien als die Schemata dieser diagnostischen Ideen eingeführt worden.

In Europa sind zuerst in den verschiedenen Ländern eigene Klassifikationsschemata in Verwendung gekommen. In den U.S.A. entstand die DSM Klassifikation und es ist schließlich in Anlehnung an diese von der WHO die psychiatrische ICD Klassifikation entwickelt worden, die inzwischen weite Verbreitung gefunden hat. In vielen Englischsprachigen Ländern ist weiterhin primär die DSM-IV Klassifikation in Verwendung.  Wie man aus dem Vergleich der ICD-10 Klassifikation mit der DSM-IV Klassifikation ersehen kann sind die Inhalte der entsprechenden Kategorien zwar ähnlich, jedoch nicht ident. Dies hat seinen Grund darin, dass die jeweiligen Begriffe also die jeweiligen Schemata an verschiedenen Orten von verschiedenen Menschen zu verschiedenen Zeiten definiert worden sind. Es haben diese Fachleute also verschiedene Begriffsinhalte und damit zum Teil auch verschiedene Begriffsgrenzen festgelegt.

Diese Begriffe sind also philosophisch betrachtet auf dogmatischem Wege (gr. dogma =  Lehrmeinung, Denkart) entstanden (vgl. mit Kant Zitat 10). Bezüglich der Auswirkungen auf die Wissenschaften, die sich auf dogmatische Begriffe gründen hat Immanuel Kant in der „Kritik der reinen Vernunft“ ein für allemal aufgezeigt, welche Konsequenzen daraus resultieren. Von welchem Grad das jeweilige Wissen ist, ob es sich um Wissen vom Grad einer Meinung handelt, um Wissen vom Grad des Glaubens oder um Wissen vom Grad der Gewissheit (vgl. mit Kant Zitat 9).

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(letzte Änderung 22.11.2019, abgelegt unter: psychologischer Begriff, Psyche, Psychologie, Philosophie)

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