Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

psychologischer Begriff

Ein psychologischer Begriff ist der Begriff einer psychologischen Idee.

Man kann auch sagen:

Der psychologische Begriff  einer psychologischen Idee ist eine systematische Einheit, die durch die Person erkannt wird, wenn diese die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

Wir fassen in diesem Sinn die charakteristischen Merkmale einer psychologischen Einheit durch das Schema der Idee, also durch den Bezug auf den Begriff dieser Idee auf. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Weil ein psychologischer Begriff der Begriff einer bloßen Idee ist, handelt es sich hierbei um die systematische Einheit einer Idee, die nicht auf ein Objekt zurückgeführt und auf dieser Grundlage allgemein gültig bestimmt werden kann (vgl. mit Kant Zitat 8)

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet ist ein psychologischer Begriff also der Begriff einer Idee die nicht auf der Ebene der Objekte überprüft werden kann. Es kann daher etwa diese diagnostische Einheit somit nicht am Probierstein der Erfahrung überprüft werden kann (vgl. mit Kant Zitat 10), weil sie sich auf ein transzendentes Erkenntnisobjekt bezieht. Somit kann man auch sagen, dass dieser Begriff eine projektierte Einheit ist. Ebenso kann man sagen, dass dies eine zweckmäßige Einheit ist. Und schließlich kann man auch sagen, dass dies eine Vernunfteinheit im Sinne von Immanuel Kant ist.

Wir fassen also unter einem psychologischen Begriff die psychischen Erscheinungen auf, die indirekt durch diesen Begriff repräsentiert werden. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Durch die Zergliederung des psychologischen Begriffs erkennt man die einzelnen Teile bzw. die einzelnen Phänomene auf, die diesen Begriff bilden.

Zum Beispiel fassen wir unter dem Begriff „glücklich“ die Phänomene auf, die uns veranlassen zu sagen, dass eine Person glücklich ist. Oder wir fassen unter dem Begriff „Depression“ die psychischen Phänomene: gedrückte Stimmung, verminderter Antrieb, verminderte Freude, verminderte Lust/Lustlosigkeit, vermindertes Vermögen sich zu konzentrieren usf. auf. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Ein psychiatrischer Begriff ist somit eine Sonderform eines psychologischen Begriffs und zwar ist dies ein Begriff der sich auf eine psychiatrische Idee gründet durch die krankheitswertige psychische Phänomene also psychopathologische Phänomene aufgefasst werden.

Zum Beispiel fassen wir unter dem Begriff: „Schizophrenie“ die psychischen Erscheinungen auf, die Eugen Bleuler als die Primär- und Sekudär-Symptome dieser psychischen Störung beschrieben hat. Es sind dies formale Denkstörungen, inhaltliche Denkstörungen, gewisse Affektstörungen usw. Diese Begriffsdefinition von Eugen Bleuler ist in weiterer Folge auf Grund der klinischen Erfahrung noch weiter fortentwickelt worden, so wie sich diese heute in den entsprechenden psychiatrischen Kategorien der ICD-10 und DSM-IV Klassifikation wieder finden.

Daher schreibt Immanuel Kant unter Bezug auf psychologische Ideen:

„Die psychologische Idee kann auch nichts anderes als das Schema eines relgulativen Begriffs bedeuten.” (vgl. mit Kant Zitat 4)

Psychologische Begriffe sind demgemäß regulative Begriffe. Diese Begriffe „regeln“ nämlich den Zusammenhang der psychischen Erscheinungen untereinander. Zum Beispiel ist der psychologische Begriff  Freude gegenüber dem der Trauer; oder in der Psychiatrie der psychiatrische Begriff „Depression“ durch seine Definition gegenüber den anderen psychiatrischen Begriffen, etwa dem der „Manie“, der „Persönlichkeitsstörung“,  der „Schizophrenie“ usf.  abgegrenzt/definiert und dadurch „geregelt“.

Dadurch treten die diagnostischen Kategorien in der Psychiatrie – also die psychiatrischen Kategorien in einer psychiatrischen Klassifikation in eine „geregelte“ Relation zueinander.

Die psychiatrischen Kategorien stellen in diese Sinne ein System bzw. eine „Regelung“ dar, die die psychischen Erscheinungen nach verschiedenen Symptomenkomplexen definiert. (vgl. mit dem Griesinger Zitat)

Mit anderen Worten kann man sagen: Die einzelnen psychologischen Begriffe bzw. psychopathologischen Begriffe stehen in einer sinngemäßen Relation zueinander, indem die einzelnen Symptomenkomplexe durch die jeweiligen Begriffe definiert und beschrieben werden. Damit kann die Vielfalt der psychischen Erscheinungen durch diese Begriffe beschrieben und dem Sinngehalt nach geordnet werden.

Durch diese Gliederung der psychischen Erscheinungen wurde ein systematisches Studium der psychischen Störungen möglich.

Psychologisch betrachtet kann man also sagen: Wir verstehen infolge der psychologischen Begriffe sinnhaft den Zusammenhang von einzelnen psychischen Erscheinungen in einem konkreten Fall. Wie man sich überzeugt ist psychologischer Begriff eine zweckmäßige Einheit.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet kann man sagen: dass die psychologischen Begriffe die „Welt“ der psychischen Erscheinungen „regeln“ bzw. die psychologischen Regelmäßigkeiten im Auftreten der Erscheinungen (Phänomene) in den einzelnen Fällen aufzeigen. (vgl. mit Kant Zitat 4)

Dabei sollte man sich allerdings der Tatsache bewusst sein, dass all diese psychologischen und psychopathologischen Aussagen nur subjektiv gültig und auch nur relativ gültig sind – nämlich relativ jeweils in Bezug auf die angewandte Idee.

Mit anderen Worten: solche Erkenntnisse sind nicht allgemein gültig – sie sind nicht gültig für Jedermann/Frau sondern eben nur für das jeweilige Subjekt das das jeweilige Phänomen auffasst/erkennt.

Daher sollte man sich des Ursprungs der psychologischen Ideen (psychiatrischen Ideen) bzw. des Ursprungs dieser Begriffe bewusst sein, und bewusst bleiben, wenn man diese Begriffe verwendet.

Psychologische Begriffe sind also die Begriffe von bloßen Ideen, die per Übereinkunft/Konvention etwa in einer Sprache durch ihren praktischen Gebrauch/Verwendung definiert sind bzw. die sich im Laufe der  Zeit innerhalb der Sprache durch den Sprachgebrauch entwickeln respektive entwickelt haben.

Man sollte also nicht außer Acht  lassen, dass Ideen nicht konstitutiv sondern nur regulativ sind. (vgl. mit Kant Zitat 3a)

Daher sollte man solche Ideen nur relativistisch verwenden. (vgl. mit Kant Zitat 4)

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(letzte Änderung 11.12.2019, abgelegt unter: Begriff, psychologischer Begriff, Psychologie, psychologische Idee, psychiatrische Idee, Psychiatrie)

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