neuronales Programm

Ein neuronales Programm ist ein Programm das im Nervensystem abläuft.

Dabei korrespondiert das neuronale Programm mit einem individuellen neuronalen Muster das seinerseits eine gewisse Funktion zur Folge hat.

Man kann also sagen, dass das neuronale Programm im Individuum mit einer gewissen Aktivität korrespondiert.

Demgemäß bewirkt das neuronale Programm einen bestimmten neuronalen Prozess der seinerseits eine gewisse Leistung zur Folge hat (Ein Beispiel: das neuronale Programm das im Nervensystem des Vogels abläuft bewirkt im Verbund mit anderen Organen die Flugbewegung und damit den Flug des Vogels).

Man kann auch sagen: das neuronales Programm ist die sich entwickelnde neuronale Aktivität die entweder in einem Teilbereich des Nervensystems oder im ganzen Nervensystem vor sich geht. Dabei leistet das neuronale Programm im entsprechenden neuronalen Netzwerk durch die Aktion der beteiligten Nervenzellen eine spezifische Funktion, etwa die Funktion des vegetativen Nervensystems, oder die des motorischen Systems, oder die des sensiblen Systems usf. Oder es entsteht durch den Ablauf des neuronalen Programms ein bestimmter Gedanke/eine bestimmte Vorstellung im Bewusstsein der Person. Oder durch den Ablauf des neuronalen Programms im limbischen System entsteht ein bestimmtes Gefühl das von der Person unmittelbar erlebt wird.

In diesem Sinn können die neuronalen Programme in mehr oder weniger scharf abgegrenzten Bereichen des Nervensystems ablaufen und dabei gewisse Funktionen leisten. Es können die neuronalen Programme durch ihren Ablauf in den unterschiedlichen Bereichen des Nervensystems die Leistungen von gewissen  Funktionseinheiten bewirken. So etwa die Funktion der Steuerung und Regelung der einzelnen Organe und Organsysteme, oder die der einzelnen Bewegungen und Bewegungsabläufe, oder diejenigen für den Tast- und Berührungssinn usf. Oder es entstehen dadurch ganze Gedankenfolgen – also Überlegungen/Argumente bis hin zu ganzen Geschichten die die Person erzählt.

Auf diese Art und Weise leisten die unterschiedlichen neuronalen Programme die jeweiligen Funktionen für Körper, Psyche und Geist.

Es sind, biologisch betrachtet also nicht nur die körperlichen Phänomene, sondern auch die psychischen Phänomene etwa die Stimmung, das Fühlen, die Befindlichkeit usf. und ebenso die geistigen Phänomene, etwa das Denken und damit die Kognition, das Urteilen, das Erkennen usf. die Folge des Ablaufs von neuronalen Programmen.

Auf dieser Grundlage entstehen also die körperliche Funktion, die psychische Funktion und auch die geistige Funktion.

Dabei können diverse Einflüsse die jeweiligen Funktionen modifizieren bzw. beeinträchtigen was nachfolgend an Beispielen noch erläutert wird.

Grundsätzlich kann man also festhalten, dass ein neuronales Programm ein neuronales Muster durchläuft und dadurch die jeweilige Funktion in der momentanen Ausgestaltung bewirkt.

In diesem Sinn stellt man sich vor, dass unsere Gedanken/Gefühle/Vorstellungen und ebenso die diversen Aktivitäten und Handlungen mit neuronalen Programmen korrelieren.

Dazu ein paar Beispiele: das Durstgefühl entsteht im Lebewesen infolge des Mangels an Wasser und der damit verbundenen Eindickung des Blutes. Es kommt dadurch also zur erhöhten Konzentration der Körpersäfte, insbesondere des Blutes. Das Lebewesen erlebt daher das Durstgefühl als natürliches Phänomen und macht sich auf die Suche nach einer geeigneten Flüssigkeits-Quelle (der durstige und hungrige Säugling sucht die Mutterbrust, das schon ältere und selbständige Lebewesen sucht nach Wasser usf. Analoges gilt für den Hunger, für das Bedürfnis nach Kontakt, insbesondere zu Lebewesen der eigenen Art und hier etwa im Zusammenhang mit dem Fortpflanzungstrieb zum anderen Geschlecht. Man kennt daher das sexuelle Bedürfnis das als Sexualtrieb bezeichnet wird als natürliches Phänomen. Dabei wird dieser Trieb erst ab einer gewissen Lebensphase aktiv. In diesem Sinn können die persönlichen Gegebenheiten und die momentanen Lebensumstände in einer gewissen Lebensphase die Aktivitäten und Handlungen durch neuronale Prozesse in Gang setzen.

Oder in Bezug auf die Psyche können sonstige Umstände gewisse psychische Reaktionen und damit einhergehend gewisse psychische Phänomene bewirken.

Analog können auch Störungen der Psyche psychopathologische Phänomene und auf diesem Weg psychische Störungen bewirken. So kennt man etwa das Phänomen Sucht das beim Suchtkranken das abnorme Verlangen auslöst sich das Suchtmittel zu beschaffen um sich dieses zuzuführen und sich damit in einen angenehmen Zustand zu versetzen. Man erkennt, dass hinter diesem Geschehen ebenfalls ein neuronales Programm steht das diese Dynamik im Organismus und damit auch in der Psyche bewirkt.

Dabei durchläuft das neuronale Programm jeweils ein individuelles, neuronales Muster das im Regelfall erst zum Stillstand kommt wenn das jeweilige Programm durchlaufen bzw. zum natürlichen Ende gekommen ist (etwa wenn der Durst gestillt oder das Sättigungsgefühl eingetreten ist, also die Befriedigung im weitesten Sinn eingetreten ist. Man kann also sagen, wenn das jeweilige neuronale Programm am normalen Programmende angekommen ist, dann ist der Trieb bzw. das Bedürfnis befriedigt. Dies trifft auch auf abnorme Triebe (abnorme sexuelle Bedürfnisse etwa Pädophilie usf.) und ebenso auf krankhafte bzw. auf krankheitswertige/pathologische Triebe zu – eben – etwa auch auf eine substanzgebundene Sucht oder auf eine nichtsubstanzgebundene Sucht.

Man erkennt damit, dass die Natur im Lebewesen gewisse neuronale Programme schon genetisch determiniert hat bzw. sich diese auf eine natürliche Art und Weise im Organismus entwickeln, wohingegen andere erst durch Lebensumstände und Erfahrungen determiniert sich im Laufe des Lebens entwickeln (Beispiel: die genannten Süchte und abartigen Verhaltensweisen und Bedürfnisse).

Es sind hier also einerseits normale neuronale Programme vorhanden oder es entstehen durch Störungen und durch abnorme Erfahrungen abartige Entwicklungen bzw. krankheitswertige und somit pathologische Abläufe. Demgemäß bewegen sich die Verhaltensweisen im Bereich der Norm bzw. in dem der Normalität oder außerhalb also im Bereich der Abnormität.

Dabei durchläuft das Erleben beim einzelnen Menschen den je individuellen Vorgang den man im Hinblick auf den Körper als körperliches Phänomen oder im Hinblick auf die Psyche als persönliches psychisches Phänomen bezeichnen kann, insofern das Individuum etwa das Durstgefühl, oder das Hungergefühl, oder die sexuelle Erregung, mit dem jeweils typischen Ablauf, aus der eigenen Erfahrung kennt.

Diskussion von diversen Vorgängen und den zugehörigen neuronalen Programmen:

Diskussion des Vorgangs beim „Stillen“:

Der Säugling verspürt einen gewissen Mangel im Sinn einer Hunger und Durstgefühl, er wird unruhig, schreit und sucht nach der mütterlichen Brust um gestillt zu werden. Wenn der Stillvorgang in Gang gekommen ist und die „Stillung“ im Sinn der Sättigung erreicht ist tritt das damit verbundene  Gefühl im Säugling bzw. zeigt sich dies in dessen Reaktion der Zufriedenheit – und wird er in der Regel in den Schlaf verfallen. Man kann dazu also sagen es zeigt sich dies in der Erscheinung – somit im Phänomen– und man kann sagen, dass damit auf der Ebene des Nervensystems der Programmablauf zum Programmende gekommen ist.

Diskussion des Vorgangs bei der sexuellen Erregung:

Falls das Lebewesen einen gewissen biologischen Entwicklungsstand erreicht hat wird es auf sexuelle Reize empfänglich. Im Normalfall der heterosexuellen Orientierung wird also das andere Geschlecht durch die optische Erscheinung, verstärkt durch das Verhalten, durch Gerüche und andere Reize verstärkt in Gang kommen und je nach Situation, Gelegenheit und Möglichkeit anwachsen und ein entsprechendes Triebverhalten auslösen.

Es führen hier also diverse Faktoren und Umstände dazu, dass ein diesbezügliches Erleben und Geschehen in Gang kommt. In Abhängigkeit von gewissen Gegebenheiten  (körperlicher Entwicklungsstand, Aktivität der Hormone insbesondere der Sexualhormone, persönliche Erlebnisse usf.) kommt der komplexe Ablauf ausgelöst durch eine komplexe Ursache in Gang. Es bestimmen hier also körperliche Faktoren, situative Faktoren, psychische Faktoren und sonstige Faktoren eine Rolle bis zu welchem Grad die sexuelle Erregung in Gang kommt und abläuft bzw. korreliert dies auf der Ebene des Nervensystems mit einem gewissen neuronalen Muster respektive einem gewissen neuronalen Programm.

Diskussion des Denken und des Lernens:

Das Denken in Begriffen im engeren Sinn ist nur uns Menschen zu eigen. Höher entwickelte Tieren zeigen zwar auch sinnvolle Reaktionen und elementare Formen der Kommunikation. Man kann somit hier von einer einfachen Form des Denkens sprechen. Die Abstraktion zu Begriffen die sich durch die ausgebildete Sprache und Schrift zeigt ist hier jedoch nicht zu beobachten. Man kann daher sagen, dass nur das menschliche Gehirn in der Lage ist Lautfolgen im Sinne von Worten und Sätzen und Schriftzeichen zu bilden die die schriftliche Informationsübertragung ermöglichen. Diese Fähigkeit war also nur möglich weil im menschlichen Nervensystemen derartige neuronale Programme möglich sind die diese mentale Prozesse hervorbringen.

An der Sprachentwicklung beim Kleinkind wird deutlich wie dieses zuerst Laute bildet, dann die Zuordnung lernt: Mama, Papa, dann weitere Begriffe usf.

Zur Statik und Dynamik von neuronalen Programmen:

Man kann sagen, dass gewisse neuronale Programme bereits zum Zeitpunkt der Geburt vorhanden sind (Beispiel: das Saugen an der Mutterbrust – muss nicht gelernt werden).

Andere neuronale Programme kommen erst im Laufe des Lebens in Gang bzw. entwickeln sich im Laufe der Zeit. Das Kind lernt greifen, krabbeln, stehen, laufen, essen. Schließlich kann es selbst den Löffel zum Mund führen usf. Es hört zu, lernt die Laute zu deuten, lernt das Zuhören, entwickelt Verständnis lernt zu Verstehen usf. Der eigene Wille entwickelt sich.

Es lernt von der Mutter die Muttersprache und eventuell später auch eine weitere Sprache. Erste sexuelle Reize ohne Verständnis und Zuordnung werden erlebt – das eigentliche Sexualerleben und Sexualverhalten entwickelt sich erst später in der Pubertät um ab der sexuellen Reife die damit verbundene biologische Funktion zu leisten. Dahinter steckt also der Trieb der auf diesem Weg die zur Fortpflanzung und Arterhaltung ermöglicht.

Dabei kann hier die Entwicklung durchaus unterschiedlich ausfallen: man denke an die persönlichen Erlebnisse die hier neben der persönlichen Disposition die Entwicklung stark beeinflussen und damit die sexuelle Orientierung wesentlich bestimmen oder jedenfalls mitbestimmen. Je nach dem wird also auf der Ebene des jeweiligen Nervensystems ein unterschiedliches neuronales Programm entstehen respektive „geprägt“ werden. Erkenntnistheoretische Anmerkung: da man derartiges Geschehen nur durch Ideen bzw. nur durch Vorstellungen erfassen und beschreiben kann – können diese Eigenheiten der Individuen nur in Form von unterschiedlichen Typen beschrieben werden. Man kann hier nämlich keine körperlichen Parameter finden auf deren Grundlage man physisch also biologisch objektiv gültig messen könnte wie es um die sexuelle Orientierung steht – vielmehr liegt hier dem jeweiligen Geschehen eben eine individuelles Programm – oder man kann auch sagen eine teils von der Natur vorgegebene Anlage vor die allerdings durch situative Einflüsse mit-beeinflusst worden ist. Daher kann man hier in Bezug auf die jeweilige Ursache von einer komplexen Ursache sprechen die dann die sexuelle Ausrichtung hervorgebracht hat.

Man kann daher sagen: dass es sich hier also um ein neuronales Programm handelt das je nach Situation und Individuum einer ausgeprägteren Variation und Beeinflussung in der Entwicklung unterliegt, wohingegen etwa neuronale Programm des Dursterlebens und das damit einhergehende psychische Phänomen über die ersten und späteren Lebensabschnitte weitgehend unverändert ablauft.

Beim alten Menschen hingegen ist jedoch zu beobachten dass das Durstgefühl als biologisches Phänomen abnimmt und zwar manchmal bis zu einem Punkt bzw. Grad der für das Überleben problematisch wird, weil hier die Person zu wenig trinkt, so dass es zu einer Dehydrierung mit teils lebensbedrohlichen Folgen kommt. Neurobiologisch betrachtet kann man sich dies durch degenerative Veränderung im Nervensystem erklären die hier diesem verminderten bis fehlenden Durstgefühl führen.

Variationen in Bezug auf körperliche Phänomene beobachtet man auch im Zusammenhang von gesundheitlichen Störungen.

Aus erkenntnistheoretischer Sicht kann man abschließend festhalten, dass der Begriff neuronales Programm ein regulativer Begriff im Sinne von Immanuel Kant ist um dadurch diverse Reaktionen und Verhaltensweisen neurobiologisch begründet verstehen und erklären zu können. Damit wird deutlich, dass es sich hier bei dieser Idee bzw. bei dieser Vorstellung um ein nützliches Konzept handelt.

So kann man beispielsweise dadurch verstehen warum eine Person durch einen optischen Eindruck oder durch sonst einen Reiz abgelenkt wird. Hier kommt es also dazu dass das ablaufende neuronale Programm durch ein anderes „gestartetes“ Programm beeinflusst wird – und es verliert die betroffene Person dadurch etwa den „roten Faden“.

So bemerkt man z. B. bei sich selbst wie man sich wegen diesem oder jenem Reiz nicht mehr konzentrieren kann.

Damit wird deutlich, dass das menschliche Gehirn in vielerlei Hinsicht ablenkbar ist. Oder im Fall einer krankheitswertigen Störung ist man in der Aktivität erheblich bis massiv beeinträchtigt – und man kann sich vorstellen, dass dies die Folge der Beeinflussung bzw. der Störung der neuronalen Funktion ist die durch die Einflüsse auf die neuronalen Programme entstanden ist.

Nachfolgend noch ein paar Beispiele aufgelistet bei denen man aufgetretene Symptome und Phänomene die durch beeinträchtigte neuronale Programme erklären kann:

Juckreiz an der Haut, etwa ausgelöst durch den Mückenstich.

Bauchkrämpfe nach dem Essen nach Einnahme von unverträglichen Stoffen oder beim Kleinkind ausgelöst durch sonstige Reize weil hier das vegetative Nervensystem in seiner Funktion – im Vergleich zum Erwachsenen – wahrscheinlich noch wenig stabil ist.

Epileptische Krampfanfälle der verschiedensten Art (Grand mal, petit mal) also generalisiert oder fokal sind die Folge von abnormen neuronalen Programmen die durch irgendwelche Ursachen – oftmals durch eine komplexe Ursache ausgelöst in Gang kommen.

Optische Phänomene: das sehen von Blitzen nach einem Schlag aufs Auge etwa durch den Aufprall eines Balles.

Tinnitus als Folge eines gestörten neuronalen Programms im Sinn eines Schwingkreises der sich selbst durch Rückkoppelung in Gang hält und durch eine  komplexe Ursache aufgetreten ist.

usf.

Psychische Störung vom Typ der Schizophrenie: als Folge einer neuronalen Funktionsstörung ausgelöst durch diverse Ursachen – die hier meist komplexe Ursachen sind (vulnerable Entwicklungsphase,  Genetik, zusätzliche labilisierende Faktoren, Drogenkonsum etwa durch Cannabis usf.)

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(letzte Änderung 26.10.2020, abgelegt unter: Definition, Erleben, Natur, Nervensystem, Psyche, Störung, Sucht)

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