komplex

Komplex ist was mehrdimensional bis multidimensional ist.

Man kann auch sagen: komplex ist was vielfältig/vielschichtig/vielseitig/verflochten ist usf.

Ebenso kann man sagen: komplex ist was aus mehreren bis vielen Teilen/Einheiten/Faktoren besteht und ein Ganzes im Sinn einer Einheit bildet.

Daher ist ein Komplex ein mehrdimensional bis vieldimensional strukturiertes Ganzes, und man kann daher eine solche Ganzheit unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten/beleuchten/studieren/analysieren/erforschen/entwickeln usf.

Dabei muss ich unterscheiden ob die einzelne Teile des Ganzen meiner Vernunft als ein Gegenstand schlechthin, oder nur als ein Gegenstand in der Idee gegeben werden (vgl. mit Kant Zitat 7).

Ich muss also unterscheiden ob das je Einzelne meiner Vernunft als faktische Einheit oder je als systematische Einheit gegeben wird.

In einem Fall der zuerst genannten Art kann ich das Ganze unter Umständen in die einzelnen Teile der Einheit zergliedern und den einzelnen Teil bestimmen (Ein Beispiel dazu: eine technische Apparatur – etwa ein Gerät kann von mir in die einzelnen Teile zerlegt werden und ich kann unter Umständen feststellen welche Funktion der einzelne Teil hat).

In einem Fall der zweit genannten Art ist dies nicht möglich, weil mir ein einzelner Teil nur als Gegenstand in der Idee bzw. nur als der Begriff der Idee gegeben ist, der als die systematische Einheit (der Idee) in meinem Bewusstsein erscheint, wenn ich die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasse (vgl. mit Kant Zitat 7).

Ich kann auch sagen: in einem derartigen Fall kann ich den Sachverhalt, je nach meiner momentanen Sichtweise unterschiedlich auffassen, weil ich je nach der Betrachtungsweise/Ansicht unterschiedliche Merkmale unter dem jeweiligen Begriff beziehungsweise unter der jeweiligen systematischen Einheit (der Idee) durch das Schema der Idee geistig auffasse (vgl. mit Kant Zitat 7)

Anmerkung: deswegen wird ein und derselbe Sachverhalt von Menschen unter Umständen verschieden (geistig) gesehen! – eben, weil sie unterschiedliche Merkmale durch diese nur mental gegebene Einheit – die hier die systematische Einheit der Idee ist – auffassen, und deswegen zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangen!.

In einem derartigen Fall kann ich also weder das Ganze noch den einzelnen Teil (der Einheit) physisch auf der „Ebene der Objekte“ erfassen/messen/eindeutig bestimmen, sondern ich kann in einem solchen Fall das Ganze und auch den einzelnen Teil, und ebenso auch die Relation der einzelnen Teile zueinander, nur mental also nur geistig erfassen. Das heißt ich kann in einem derartigen Fall das Ganze/die einzelnen Teile/und auch deren Relationen zueinander nur durch mein (subjektives) Denken erkennen/erfassen/bestimmen und daher unter Umständen unterschiedlich interpretieren. Ja, ich kann in einen derartigen Fall unter Umständen den Sachverhalt in mehreren Wissenschaften diagnostizieren und klassifizieren und demgemäß unter verschiedenen Gesichtspunkten studieren.*

Daher kann ich zum Beispiel die Ursache eines komplexen Geschehens und auch die Qualität und ebenso die Quantität der einzelnen Faktoren nur geistig erkennen, weil ich nicht weiß in welchem Ausmaß der einzelne Faktor an der Ursache – oder im Hinblick auf das Ergebnis an der Wirkung beteiligt ist.

Ich kann daher auch sagen, dass die Ursache eines komplexen Geschehens eine multifaktorielle Ursache bzw. eine komplexe Ursache ist deren Wirkfaktoren ich im konkreten Fall nicht objektiv gültig bzw. nicht allgemein gültig  bestimmen kann – eben, weil das Ganze auf vielfältige Art und Weise verflochten ist.

Der Effekt entsteht hier also infolge des Zusammenwirkens von mehreren bis vielen Faktoren, die insgesamt die Wirkung hervorbringen, ohne dass der einzelne Faktor allgemein gültig bestimmt werden kann.

In diesem Sinn sind viele Zusammenhänge komplex und man kann diese nur in gewissen Fällen auf der „Ebene der Objekte“ in der jeweiligen Wissenschaft systematisch studieren und zu allgemein gültigen Ergebnissen gelangen.

In Bezug auf andere Größen kann kein allgemein gültiges Wissen erlangt werden, weil hier die Zusammenhänge in jedem Fall nur geistig untersucht/analysiert/studiert werden können und man kann derartige Zusammenhänge in jedem Fall nur auf der Grundlage eines geistigen Systems systematisch studieren.

Bei einem komplexen Geschehen ist die Kausalität also von vielen physischen – oder in einem anderen Fall von metaphysischen – Faktoren abhängig, insofern der einzelne Faktor bezüglich der Wirkung mehr oder weniger kausal ist, eben, weil es sich hier im gegebenen Fall um eine komplexe Ursache handelt.

Ich kann also sagen, dass ich diese Einheit – weil es eine systematische Einheit ist – nur geistig, nämlich nur durch den Begriff der Idee erkennen/erfassen/bestimmen/definieren usf. kann (vgl. mit Kant Zitat 7).

Daher handelt es sich bei Wissen in Bezug auf eine komplexe Einheit immer um subjektives Wissen das gleichzeitig beschränktes Wissen ist, weil in Bezug auf dieses Wissen nichts nicht allgemein gültig ausgesagt und bestimmt werden kann.

Ein technisches Beispiel dazu: wenn ein Automotor ausgeschaltet wird dann kann im vorhinein nicht gewusst/bestimmt/errechnet werden in genau welcher Position z. B. der 1. Kolben des Motors zum Stillstand kommt.

Ein Beispiel aus der Biologie zu einem komplexen Vorgang: falls eine Wespe, sich wegen des Geruchs von Fruchtzucker, der von der angeschnitten Frucht ausgeht, sich dieser nähert kann ich im Vorhinein nicht wissen auf welchem Weg das Insekt sich diesem Objekt nähert – sondern ich kann nur gemäß der Erfahrung nach der Analogie der Erfahrung (Kant Zitat 26) schlussfolgern wie und auf welche Art und Weise dies nach allgemeiner Erfahrung, soweit absehbar, geschehen wird.

Dies bedeutet: es gibt in Bezug auf eine derartige Ursache/Kausalität keinen allgemein gültigen Beweis.

Wegen ähnlicher Ungewissheit kann auch ein Sachverständiger bei Gericht in vielen Fällen im Rahmen des Gerichtsverfahrens in seinem Gutachten – nur durch seine rationale Argumentation, aber nicht durch einen allgemein gültigen Beweis überzeugen.

Das heißt der Gutachter kann in Bezug auf die von ihm vorgetragene Kausalitätskette nur durch die Plausibilität überzeugen.

Mit nochmals anderen Worten: das Gericht/die Geschorenen/die Schöffen und das sonstige unbefangene, kritische Publikum wird in einem derart gelagerten Fall nur durch die plausibelste Argumentation überzeugt.

Es gibt in einem derart gelagerten Fall also kein objektives Wissen sondern nur subjektives Wissen.

Oder man kann auch sagen: das persönliche Wissen hat hier die Qualität eines fachlichen Wissens vom Grad einer fachlichen Meinung oder unter Umständen vom Grad eines fachlichen Glaubens. Aber ein tatsächlich allgemein gültiges Wissen gibt es hier nicht.

Mit anderen Worten: derartiges Wissen beruht auf einem Wahrnehmungsurteil und nicht auf einem Erfahrungsurteil im Sinne von Immanuel Kant.

Oder mit nochmals anderen Worten: derartiges Wissen wurde auf Grundlage von subjektiver Evidenz gewonnen und nicht auf Grundlage von objektiver Evidenz.

Bei einem komplexen Sachverhalt ist also weder das Ganze noch der einzelne Teil/Faktor der Qualität und Quantität allgemein gültig bestimmbar. Ungeachtet dessen, weiß man infolge der Erfahrung in der Regel aufgrund von vielen Fällen, dass ein einzelner bestimmter Teil/Faktor in Bezug auf die Wirkung/den Effekt für das Geschehen in der Regel wesentlich ist, oder zum mindesten wesentlich sein kann, dies auch bei Fällen bei denen es auf einen kritischen Schwellenwert ankommt.

In derartigen Fällen gilt was Immanuel Kant in der Kritik der reinen Vernunft geschrieben hat: dass es die eigentliche Bestimmung dieses obersten Erkenntnisvermögens sei, sich aller Methoden und der Grundsätze derselben nur zu bedienen, um der Natur nach allen möglichen Prinzipien der Einheit, worunter die der Zwecke die vornehmste ist, bis in ihr Innerstes nachzugehen, niemals aber ihre Grenze zu überfliegen, außerhalb welcher für uns nichts als leerer Raum ist.“ (vgl. mit Kant Zitat 2a).

Weitere Anmerkungen zu einzelnen komplexen Sachverhalten:

Bezüglich einer komplexen Ursache kann dies eine natürliche Ursache sein, also eine Ursache wie sie in der Natur etwa beim Stoffwechsel in einem Organismus vorkommt.

In diesem Sinn kann ein Sachverhalt existent sein, ohne dass man genaueres Wissen über die einzelnen Vorgänge und Faktoren im konkreten Fall hat. Dies bedeutet man kann nicht verlässlich wissen was in welchem Umfang die Ursache, die hier eine komplexe Ursache ist als Wirkung zur Folge hat.

Demgemäß kann man z. B. in der Medizin bei vielen Fällen einer gesundheitlichen Störung nicht mit Bestimmtheit wissen was in welchem Umfang kausal ist. Etwa beim Auftreten eines Kopfschmerzes vom Typ einer Migräne kann man nicht mit Bestimmtheit sagen, ob hier etwa die vaskuläre Theorie, die aseptische Entzündungstheorie, sonst eine biologische Theorie oder eine sonstige Theorie zutreffend ist. Und ebenso kann man nicht genau sagen in welchem Ausmaß ein einzelner möglicher kausaler Faktor kausal ist. Konkret kann man also nicht sagen in welchem Umfang biologische Faktoren (etwa die Histaminausschüttung, einzelne Stoffe in Nahrungsmitteln usf.) oder psychische Faktoren oder sonstige Faktoren kausal sind.

Auch in der Psychiatrie kann man im konkreten Fall einer psychischen Störungen nicht wissen und daher nicht allgemein gültig beweisen in welchem Umfang der Konsum von Cannabis (THC) im konkreten Fall zum Auftreten der Psychose vom Typ der Schizophrenie geführt hat – eben, weil es sich hier um ein komplexes Geschehen handelt.

Man kann unter Umständen, die Wirkung etwa das Resultat des Prozesses durch eine gewisse Theorie sinnvoll erklären, aber es kann dieses Ergebnis unter Umständen auch durch eine andere Theorie sinnvoll erklärt und verstanden werden, ohne dass man einen allgemein gültigen Beweis liefern kann der die richtige Theorie aufzeigt. Immer handelt es sich dabei um eine bloße Idee also um eine Idee die nicht physisch/biologisch/physikalisch/biochemisch bzw. nicht allgemein gültig beweisbar ist (vgl. mit Kant Zitat 5).

Dies ist so, weil in derartigen Fällen, im konkreten Fall weder die einzelne Faktor qualitativ noch quantitativ bestimmt bzw. objektiv gültig festgestellt werden kann und auch die Relation/Interaktion der einzelnen Faktoren im konkreten Fall nicht bekannt/bestimmbar/beweisbar ist.

In diesem Sinn hat man etwa bezüglich der Ursache von diversen gesundheitlichen Störungen kein näheres konkretes Wissen bzw. hat man auch kein allgemein gültiges Wissen (etwa durch was genau verursacht im konkreten Fall der benigne oder maligne Tumor aufgetreten ist, oder die Autoimmunerkrankung aufgetreten ist usf. ).

Ich kann hier als erkennendes Subjekt nur persönliches Wissen auf Grundlage einer Idee durch die systematische Einheit der Idee erlangen, ohne dass es dafür einen allgemein gültigen Beweis gibt. Es handelt sich hierbei also immer um subjektives Wissen bzw. um beschränktes Wissen. Dabei ist die einzelne Idee nur regulativ und nicht konstitutiv (vgl. mit Kant Zitat 3a).

Letztlich kann man also nicht genau wissen und in Forschung und Wissenschaft untersuchen um was für eine konkrete Ursache es sich im einzelnen Fall handelt, wenn gleich infolge der allgemeinen klinischen Erfahrung und infolge der konkreten Fallberichte vieles auf die Kausalität des Geschehens hinweist.

Der komplexe Sachverhalt ist also durch die gegebene Situation und durch die Individualität – oder man kann auch sagen: durch die momentane Situation des Individuums bestimmt.

Im konkreten Fall können also bei einem komplexen Geschehen viele Gegebenheiten, etwa die Genetik, das Lebensalter, die momentane körperliche Verfassung, das Klima, soziale Umstände, die psychische Verfassung der Person usf. dafür verantwortlich sein, dass ein nicht näher bekannter individueller kritischer Schwellenwert erreicht worden ist und dadurch bedingt etwa eine Migräneattacke aufgetreten ist. Allerdings kann das Individuum aus der eigenen Erfahrung in Bezug auf ein derartiges mögliches Ereignis lernen was es hier zu vermeiden gilt.

Mit anderen Worten: ohne dass die Person genaues Wissen hat kann sie – und auch der sie beratende Arzt – aus der Erfahrung lernen was es zu tun und was es zu vermeiden gilt, damit nicht wieder eine derartige gesundheitliche Störung auftritt.

Ähnlich kann auch bei einer psychischen Störung etwa vom Typ einer depressiven Störung (Depression), bei einer psychischen Störung vom Typ einer Schizophrenie, beim Auftreten einer degenerativen Erkrankung vom Typ einer Alzheimerkrankheit, oder in der Neurologie bezüglich dem Auftreten einer neurologischen Störung etwa vom Typ einer amyotrophen Lateralsklerose (ALS) oder bei einer Polyneuropathie der eine oder andere mögliche kausale Faktor vermieden oder reduziert werden und kann in diesem Sinn die Entwicklung des Krankheitsgeschehens günstig beeinflusst werden, sodass dadurch die komplexe Ursache günstig beeinflusst wird und letztlich die Manifestation der klinischen Erscheinung bzw. des  klinischen Erscheinungsbildes im Verlauf günstig beeinflusst wird.

In diesem Sinn kann auch im Hinblick auf degenerative Erkrankungen des Nervensystems so manches getan werden, ohne dass man ganz konkretes Wissen diesbezüglich haben kann.

Man bemerkt, dass infolge dieser Gegebenheiten die Wissenschaft wegen der Komplexizität des jeweiligen Geschehens in der Forschung durch Studien nur beschränkt verlässliches Wissen hervorbringen kann und dass man in derartigen Fällen der Natur nach allen möglichen Prinzipien der Einheit bis in ihr Innerstes nachgehen soll – um den Zweck – Anmerkung: in der Medizin im günstigen Fall die Heilung/die symptomatische Besserung/die Linderung der Beschwerden/die verzögerte Entwicklung der Krankheit/gesundheitlichen Störung/die verzögerte Degeneration zu erreichen – dabei soll man aber niemals die Grenzen des (eignen) Wissen überfliegen, außerhalb welcher für uns nichts ist als leerer Raum (vgl. mit Kant Zitat 2a) ist.

Mit anderen Worten: man soll sich der Beschränktheit des erlangten Wissens bewusst sein – auch wenn man im konkreten Fall der einen oder der anderen Ansicht bzw. Theorie den Vorzug gibt.

Im Grunde genommen gilt hier der Spruch von Sokrates: ich weiß dass ich nicht weiß – wenn man den Sachverhalt kritisch betrachtet.

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Weiteres* dazu in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition

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Hier noch ein paar Begriffe zu dieser Thematik:

Man kennt die Begriffe: komplexe Idee, komplexe Sachlage, komplexe Einheit, komplexes System, komplexe Ursache, komplexer Sachverhalt, komplexes Geschehen, komplexer Vorgang, komplexe Vorgeschichte, komplexe Funktion usf.

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(letzte Änderung 12.12.2020, abgelegt unter: Begriff, Definition, Denken, Diagnostik, Erkennen, Kausalität, Philosophie, Ursache)

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