Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Zentrierung

Die Zentrierung ist die Ausrichtung auf ein Zentrum.

Dabei kann das Zentrum ein „physischer“ Mittelpunkt sein, oder es kann dies ein „meta-physischer“ – somit ein geistiger Mittelpunkt sein.

Falls es sich um einen geistigen Mittelpunkt handelt, kann absichtlich  eine gewisse Vorstellung in Bezug auf dieses Zentrum verfolgt werden, oder es kann die geistige Zentrierung von der Art der passiven Aufmerksamkeit sein (vgl. mit Osho Zitat 17 b21 und Osho Zitat 11a1).

In diesem Fall ist die Zentrierung also keine bestimmte Vorstellung bzw. keine bestimmte Idee, sondern sie ist von der Art des inneren Zeugen der als passiver Beobachter – als Schauender – als innerer Zeuge ein Geschehen von diesem Zentrum aus beobachtet.

Im zuerst genannten Fall wird bei der Zentrierung die Aufmerksamkeit auf eine konkrete Vorstellung absichtlich ausgerichtet sein, wohingegen dies beim inneren Zeugen nicht der Fall ist.

In beiden Fällen ist jedoch die Wachheit – man kann auch sagen die passive Konzentration – vorhanden, die die spontane Assoziation mit Bewusstheit ermöglicht.

Man kann auch sagen: bei der geistigen Zentrierung konzentriert man sich entweder auf eine gewisse Vorstellung, oder man ist sich nur des Inhalts des Bewusstseins bewusst.

So ist etwa ein Musiker beim konzentrierten Musizieren sich der Entwicklung der Melodie bewusst oder eine Baletttänzerin der fortlaufend sich entwickelnden Bewegung usf.

Aus neurobiologischer Sicht betrachtet ist die Zentrierung – oder man kann auch sagen die Fokussierung – die Fähigkeit des Nervensystems sich auf einen Fokus hin auszurichten. Dabei gründet sich dieses Vermögen auf die Beschaffenheit der Nervenzellen und auf die Struktur der neuronale Netzwerke. Dadurch kann die neuronale Aktivität auf diesen Fokus hin ausgerichtet werden der die elektrische Energie auf diesen Bereich konzentriert. Wahrscheinlich kommt es dadurch bedingt zur Steigerung der neuronalen Funktion was infolge mit hoher Wahrscheinlichkeit die Ausbildung von Synapsen – und damit letztlich die Steigerung der Funktion in dieser Hinsicht befördert. Man kann sich also vorstellen dass bei der Entwicklung des Nervensystems die konzentrierte Aktivität im Sinn der Zentrierung eine wesentliche Rolle spielt.

Auswirkungen der Zentrierung

Die Zentrierung befördert in geistiger Hinsicht die subjektive Erkenntnis und damit das Können. Es befördert die Zentrierung also das Lernen.

Es ist die Zentrierung also grundsätzlich förderlich – und so etwa für das Wohlbefinden und damit für die Psyche und überhaupt für die Gesundheit von Relevanz – falls sie angemessen praktiziert wird.

Diese Erfahrung hat man aus der Praxis des Yoga und der Meditation und aus dem alltäglichen Tun erlangt.

In meditativer Hinsicht kann man auch sagen: die Zentrierung führt zur Ausbildung eines Zentrums im Sinn einer Einheit im Bewusstsein.

In diesem Sinn ist die Praxis der Achtsamkeit eine Praxis der Zentrierung. Oder man kann auch sagen: die Meditation ist eine Praxis der Zentrierung, bei der das Bewusstseins auf ein Zentrum hin ausgerichtet ist. In gleicher Weise erfolgt auch beim Yoga eine Zentrierung wenn gewisse Asanas mit Achtsamkeit praktiziert werden.

Auf diese Art und Weise entsteht durch eine konzentrative Praxis ein Zentrum im Bewusstsein (vgl. mit Osho Zitat 2)

In dieser Hinsicht sind im Yoga und in der Meditation spezielle Praktiken entwickelt worden, durch die die Zentrierung nach einer Methode befördert und entwickelt wird. Anzumerken ist, dass natürlich auch sonstige Aktivitäten, die mit einer gewissen Aufmerksamkeit und Konzentration durchgeführt werden die psychische Zentrierung befördern. Die Zentrierung ist für die neuronale Integration im Organismus und somit für die Gesundheit von erheblichem Wert und somit von Bedeutung.

Psychologisch betrachtet ist die Zentrierung ein psychisches Phänomen das subjektiv erlebt wird. Daher spricht man in der Psychologie (Psychiatrie) von der Konzentration bzw. vom Vermögen zur Konzentration, also vom Konzentrationsvermögen.

Geistig betrachtet ist die Zentrierung ein geistiges Phänomen. (vgl. mit Osho Zitat 2 und mit Osho Zitat 17d)

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet wird die Zentrierung auf der Grundlage einer Idee erkannt. Man denkt sich unter der Idee der Zentrierung bzw. unter dem Begriff der Zentrierung, wie sich eine Einheit im Sinn eines „Zentrums“ bildet. Weil der Begriff der Idee „Zentrierung“ eine systematische Einheit ist, die eine nur problematisch zum Grund gelegte Einheit ist (vgl. mit Kant Zitat 8), dies also eine projektierte Einheit ist, kann man auch sagen, dass der Begriff der Idee „Zentrierung“ eine zweckmäßige Einheit ist, die in verschiedener Hinsicht von Nutzen ist. Unter diesem Begriff kann man sich nämlich vorstellen, wie etwa die Praxis der Achtsamkeit zur Ausbildung dieser zweckmäßigen und damit nützlichen Einheit führt.

Neurophysiologisch bzw. biologisch betrachtet kann man sagen, dass die psychische Zentrierung eine Praxis ist, bei der gewisse neuronale Vorgänge zur Ausbildung dieses mentalen Zentrums führen. Man kann sich vorstellen, dass die wiederholte, konzentrative bzw. konzentrierte Praxis zur Entwicklung eines solchen Zentrums führt. Man kann sich die Sache so verstellen, dass das wiederholte Tun eine gewisse Bahnung auf der Ebene der Nervenzellen bewirkt und dass damit gewisse neuronale Muster als Folge der neuronalen Funktion sich ausbilden.

Es kommt also durch die wiederholte Praxis zu einer Veränderung auf der Ebene des Nervensystemsdie subjektiv als „Zentrierung“ erlebt wird und die mit einer gewissen „Verselbständigung“ einhergeht. Man kann also von einer gewissen Programmierung sprechen, die durch diese Praxis bewirkt wird und man kann diese Ausbildung eines virtuellen Zentrums auch als das Ergebnis einer Konditionierung ansehen. Auf diese Art und Weise entsteht dieses innere spontane Fließen des Erlebnisstroms, wie es erlebt wird wenn z.B. in der Meditation in Folge der Praxis gewisse mentale Prozesse spontan ablaufen, die man als „flow“ oder in der chinesischen Sprache als „Wu wei“ bezeichnet und die sich dadurch auszeichnen, dass sie ohne willentliches Dazutun vonstatten gehen, wenn eine gewisse Bahnung eingetreten ist. (vgl. mit -> WikiBeitrag)

Es befördert also die Zentrierung das Erleben eines Zentrums und damit die Entwicklung des Bewusstseins im Sinn des sich innerlich stärker zentriert-Fühlens. Man kann sich leicht vorstellen, dass durch dieses wiederholte Tun diese innere Zentrierung bestärkt wird und schließlich dieses Bewusstsein  spontan auftritt und andererseits auch, dass diese Befindlichkeit als ein sich entwickelnder Zustand erlebt wird, wenn zunehmend eine gewisse Bahnung eintritt.

Daher schreibt Osho treffend, dass die Ausbildung eines solchen Zentrums das erste im Yoga ist, dies also die erste Notwendigkeit ist. (vgl. mit Osho Zitat 17d und Osho Zitat 17d2)

Tatsächlich sind wir in unserer Zeit mit vielen äußeren Reizen und Einflüssen konfrontiert, die eine gegenteilige Entwicklung, nämlich eine innere Zerstreuung bewirken.

Es liegt auf der Hand, dass in unserer Zeit der Bedarf nach Förderung der inneren Zentrierung sehr groß ist bzw. in anderer Hinsicht die Gefahr der „Auflösung“ dieses virtuellen Zentrums sehr groß ist. Mit anderen Worten die Gefahr des Verlierens des inneren Zentrums ist sehr groß und es spielt dies in Bezug auf die Gesundheit und das gesund bleiben bzw. das nicht krank werden in vielerlei Hinsicht eine große Rolle.

Wie Osho treffend schreibt ist das Gefühl bzw. das Erleben des inneren Wohlbefindens (blissfulness – vgl. mit Osho Zitat 17d) somit nicht etwas, das man von außen bekommen und käuflich erwerben kann, sondern etwas, das man sich durch die Praxis im Leben im weitesten Sinn, also durch die Lebenspraxis „verdienen“ muss, damit man durch dieses teils absichtliche und teils unabsichtliche tun erreicht. Man erkennt damit, dass dieses tun ein Lernen ist das die innere Zentrierung befördert. (vgl. auch mit Osho Zitat 2)

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(letzte Änderung 03.12.2020, abgelegt unter: Biologie, Defintion,  Medizin-Psychotherapie -Yoga-Meditation, Nervensystem, Philosophie, philosophische Begriffe, Psyche)

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