Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Symptom

Ein Symptom ist das Ergebnis der inneren Wahrnehmung der Person.

Es beruht das Symptom somit auf der Perzeption bzw. dem Erleben des Individuums.

Demgemäß ist das Symptom das Resultat der inneren Erfahrung wie sie vom Subjekt erlebt/empfunden/wahrgenommen wird.

Man kann auch sagen: ein Symptom ist ein Erlebnisinhalt der vom Individuum, als im eigenen Inneren aufgetretenes Phänomen subjektiv wahrgenommen/gespürt/registriert/erlebt/erlitten wird.

Es handelt sich dabei also um einen pathischen Vorgang.

Schließlich kann man philosophisch betrachtet auch sagen: ein Symptom ist der Begriff der (inneren) Empfindung der im Bewusstsein der Person als systematische Einheit der Idee (vgl. mit Kant Zitat 7) erscheint.

Symptom (griechisch σύμπτωμα symptoma „Zufall, Begebenheit, Begleiterscheinung“ von syn „zusammen“, pípto „fallen“, dazu das Substantiv ptoma „Fall“, -> vgl. mit dem Wiki Beitrag)

Dabei kann das Symptom mehr den Körper oder mehr die Psyche betreffen.

Demgemäß spricht man entweder von einem körperlichen Symptom oder von einem psychischen Symptom.

Und es ist ein Symptom oftmals ein Zeichen einer Störung der Gesundheit somit das Merkmal einer gesundheitlichen Störung des Körpers oder der Psyche.

Es wird das Symptom also als innere Erfahrung zum Beispiel als Schmerz im Fuß von der Person bzw. vom Subjekt erlebt.

Weil das Symptom innerlich erfahren wird, hat eine andere Person davon nur Kenntnis falls die betroffene Person darüber berichtet.

Es wird ein Symptom also – vom Subjekt aus gesehen – individuell als Phänomen erlebt, und daher subjektiv wahrgenommen, wohingegen eine außen stehende Person primär keine Kenntnis vom Symptom hat, ausgenommen die betroffene Person berichtet darüber und dann ist dieses Merkmal – falls es das Merkmal einer gesundheitlichen Störung ist – aus der Sicht des Arztes ein relevantes Phänomen das als Kriterium in der Diagnostik die Diagnose wesentlich bestimmt/mitbestimmt (Beispiel aus der Neurologie: Patient berichtet über Augenflimmern im Rahmen von Kopfschmerzen – hier kann dieses Symptom ein Krankheitsmerkmal der Migräne sein; Beispiel aus der Psychiatrie: Patient berichtet über Stimmenhören im Sinne von akustischen Halluzinationen – hier etwa das Symptom einer psychischen Störung vom Typ der Schizophrenie).

Ein Symptom ist also in vielen Fällen ein Merkmal einer gesundheitlichen Störung (Krankheit) bzw. ein Merkmal einer körperlichen Krankheit oder ein Merkmal einer psychischen Störung.

Es können Symptome jedoch auch als harmlose Zeichen auftreten, ohne dass sie krankheitswertig sind bzw. ohne das sie ein relevantes Zeichen einer Krankheit respektive einer krankheitswertigen gesundheitlichen Störung sind (Dieser Sachverhalt kann bei der Beurteilung von Symptomen durch den Sachverständigen bei der Erstattung eines Gutachtens von Relevanz sein, falls es etwa darum geht gutachterlich abzuschätzen ob gewisse Beschwerden dem Grad nach das Ausmaß einer krankheitswertigen Störung erlangt haben – als deren Folge etwa Schmerzengeld oder eben noch kein Schmerzengeld gebührt).

Somit ist ein Symptom sprichwörtlich etwas, was einem zufällt, was sich zum Beispiel bei einem Patienten in der Medizin oder in der Psychiatrie ereignet.

Es ist ein Symptom also ein Phänomen das nicht von außen her feststellbar ist, sondern das nur vom Subjekt her bzw. nur durch das Subjekt – oder man kann auch sagen: das nur durch die betroffene Person erkennbar und bestimmbar ist – weil dieses Subjekt (diese Person, dieses Individuum) dieses Phänomen subjektiv erlebt.

Im Gegensatz zum Symptom kann zum Beispiel in der Medizin ein Phänomen von außen her – also etwa von einem Arzt oder einer Krankenpflegeperson – erkannt und damit festgestellt werden.

Ein Symptom kann körperlich lokal wahrgenommen, empfunden, gespürt, gefühlt werden (z.B. ein Schmerz, ein Juckreiz, der Harndrang, ein Ohrgeräusch zum Beispiel ein Tinnitus usf.). Oder es kann ein Symptom lediglich im Bewusstsein erlebt werden, ohne dass es einer körperlichen Region zugeordnet werden kann (z.B. Schwindel, ein Gefühl der Benommenheit, allgemeine Schwäche, allgemeine Kraftlosigkeit, eine Befindlichkeitsstörung usf.).

Dabei kann dieses Symptom konkret sein und einem Begriff zuordenbar sein, oder es kann sich z.B. um eine Empfindung handeln, die nicht konkret begrifflich beschrieben, sondern die nur umschrieben werden kann.

Ein Patient erlebt subjektiv z.B. als Symptom einen diffusen Schmerz im Bauchbereich oder im Bereich des Brustkorbes und berichtet darüber. Wenn ein Untersucher beobachtet, wie ein Patient z.B. wegen Schmerzen schwitzt, angespannt ist und unter Stress steht, so spricht man aus der Sicht des Beobachters von einem Phänomen. In diesem Fall kann man auch sagen, dass dieses Phänomen als Folge eines natürlichen Phänomens entsteht, wenn etwa sichtbar ist wie der Schmerz im Zusammenhang mit einer Entzündung aufgetreten ist.

Ein Symptom wird subjektiv erlebt und ist daher subjektiv gewiss. Es handelt sich dabei also um subjektives Wissen.

Angst ist z.B. ein psychisches Symptom, hingegen ist ein Völlegefühl wenn man zuviel gegessen hat oder bei Verdauungsbeschwerden, oder saures Aufstoßen hat ein körperliches Symptom. Ein Druckgefühl im Kopf oder ein kribbelndes Gefühl in den Händen ist ebenfalls ein köperliches Symptom.

Bei psychischen Symptomen unterscheidet man normale psychische Symptome von abnormalen psychischen Symptomen.

Abnormale, krankheitswertige psychische Symptome werden auch als psychopathologische Phänomene bezeichnet.

Bei Krankheiten und bei gesundheitlichen Störungen kann ein Symptom ein Krankheitszeichen einer Krankheit bzw. einer gesundheitlichen Störung sein.

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Medizinisch betrachtet kann ein Symptom nicht definiert, sondern nur beschrieben oder umschrieben werden, weil es nur auf der Ebene des Bewusstseins erfasst werden kann (weiteres dazu siehe nachfolgend; Anmerkung: daher muss ein Syndrom definiert werden).

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Psychologisch betrachtet ist ein Symptom etwas, das von einer Person bewusst erlebt wird (z.B. ein Schmerz oder ein Angstgefühl).

Ein Symptom wird also subjektiv erlebt und kann nicht objektiv festgestellt werden.

Die Art und Weise wie ein Symptom subjektiv erlebt wird und von einem Lebewesen psychisch verarbeitet wird bestimmt die Erlebnisqualität und Intensität des Symptoms.

Die Individualtät ist also beim Erleben eines Symptoms von Bedeutung. Dies ist sowohl beim Erleben von körperlichen Symptomen, etwa beim Erleben von „Schmerzen“, wie auch beim Erleben von psychischen Symptomen, etwa beim Erleben von „Angst“ von Bedeutung.

Die individuellen Voraussetzungen und Gegebenheiten sind hierbei also von wesentlicher Bedeutung. Im Gegensatz dazu ist beim Erkennen eines körperlichen Zeichens (Merkmals) die Individualität nicht von Bedeutung, weil ein solches Zeichen das Zeichen eines körperliches Objekts ist, und es daher grundsätzlich von jeder Person gleich erkannt werden kann (etwa ein Knochenbruch, oder eine Hautverletzung)

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Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet wird  ein Symptom als mentales Erkenntnisobjekt erkannt. Es handelt sich dabei also um ein mentales Objekt, das im Bewusstsein einer Person erscheint.

Ein solches Erkenntnisobjekt ist intellektuell kommunizierbar, wenn es in der Form eines Begriffs einer Idee benannt werden kann und wenn auch die andere Person den Begriff und den Begriffsinhalt kennt.

Da es sich bei einem mentalen Erkenntnisobjekt um ein Erkenntnisobjekt handelt, das uns nur auf der Ebene der Vorstellungen als Erkenntnisobjekt gegeben ist, wird ein solches Erkenntnisobjekt von Immanuel Kant  als Gegenstand in der Idee bezeichnet (vgl. mit Kant Zitat 7). Im Gegensatz dazu bezeichnet Immanuel Kant einen wirklich existierenden Gegenstand bzw. einen demonstierbaren Gegenstand (etwa ein Zeichen) als Gegenstand schlechthin. (vgl. mit Kant Zitat 7).

Ein Symptom hat in der Regel keinen direkten Bezug zu einem körperlichen Objekt, wie dies bei einem körperlichen Zeichen der Fall ist. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Ein Symptom erscheint im Bewusstsein einer Person unter dem Begriff  der Idee. Erst damit kann das Symptom intellektuell kommuniziert werden. Durch den sprachlichen Begriff kann man mitteilen, dass man z.B. an einer gewissen Körperstelle einen Schmerz spürt.

Da bei einem Symptom die subjektive Erlebnisweise wesentlich zu dessen Wahrnehmung und zum Erkennen beiträgt, unterscheidet sich ein Symptom grundsätzlich von einem körperlichen Objekt (oder den Zeichen eines körperlichen Objekts), das allgemein gültig erkannt werden kann. (vgl. mit Kant Zitat 7 und mit Kant Zitat 9)

Der Begriff, den wir uns von einem Symptom bilden, ist das Schema einer Idee. (vgl. mit Kant Zitat 7 )

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Neurophysiologisch betrachtet ist ein Symptom das Ergebnis der Sinneswahrnehmung bzw. der Perzeption und des neuronalen Integrationsprozesses, der wahrgenommen wird, wenn er durch äußere / innere Reize hervorgerufen wird. Oder aber es handelt sich um eine innere Perception z.B. um eine Assoziation, die zu einem psychischen Symptom führt, zum Beispiel zu einer Vorstellung, die mit Angst verbunden ist. Dabei entsteht das Symptom auf der Grundlage von biologischen Vorgängen also auf der Grundlage eines physiologischen Phänomens.

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Lern-psychologisch betrachtet ist ein Symptom abhängig von den Umständen unter denen es wahrgenommen wird.

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Wissenschaftlich betrachtet ist ein Symptom ein Studienobjekt, das zwar genauso gezählt werden kann wie körperliche Objekte, oder wie die objektiv feststellbaren  Zeichen von körperlichen Objekten. Man sollte jedoch nicht außer Acht lassen, dass Erkenntnisse, die durch das Zählen von solchen mentalen Erkenntnisobjekten im Rahmen von  Studien gewonnen werden, nicht zu einer Annäherung zur Gewissheit führen, sondern nur zu einer Scheinbarkeit im Vergleich zu einer anderen Scheinbarkeit. (vgl. mit Kant Zitat 9b) (Weiteres dazu  auf Poster 3 : PROBABILITY IN MEDICINE AND IN PSYCHIATRY – IN THE LIGHT OF IMMANUEL KANT`S PHILOSOPHY)

Es gibt also einen großen Unterschied in Grundlage der Erkenntnis, somit in der Erkenntnisbasis – und es macht daher einen großen Unterschied, ob in der Wissenschaft im Rahmen der wissenschaftlichen Studien tatsächlich existente Objekte bzw. objektive Zeichen von solchen wirklich existenten Objekten gezählt und statistisch verrechnet werden, oder ob Erscheinungen (Phänomene) gezählt und statistisch verrechnet werden, die nur im Bewusstsein von Personen als mentale Erkenntnisobjekte erscheinen!

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(letzte Änderung 23.06.2020, abgelegt unter: Definition, Diagnostik, Forensik, Gutachten, Medizin, Psychiatrie, Rechtsprechung, Symptom)

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