Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

körperlicher Befund

Ein körperlicher Befund ist ein Befund der sich auf den Körper bezieht.

Dabei kann sich der körperliche Befund entweder auf Fakten/Tatsachen gründen, oder es gründet sich der körperliche Befund im Fall der Störung der Gesundheit auf die klinische Erscheinung der gesundheitlichen Störung/Erkrankung/Krankheit des Körpers.

Demgemäß ist ein körperlicher Befund in der Medizin entweder ein faktischer Befund der durch eine faktische Einheit erkannt wird. Man kann auch sagen: in diesem Fall ist der körperliche Befund ein physischer Befund bzw. ein objektiver Befund.

In der Histopathologie gründet sich der Befund auf das histopathologische Bild. Ein solcher Befund nimmt eine Zwischenstellung ein, insofern er sich einerseits auf sinnlich wahrnehmbare Merkmale gründet und diese vom Betrachter/Histopathologen/Zytopathologen in ihrem Zusammenhang als Bild gesehen werden und daher subjektive Faktoren in die Beurteilung und Bewertung mit einfließen, weil hier die klinische Erscheinung von Relevanz ist.*

Ähnlich gelagert ist körperlichen Befund falls ein körperlicher Symptomenkomplex vom Arzt erfasst wird. Auch hier gründet sich der körperliche Befund auf das klinische Erscheinungsbild – und in einem solchen Fall ist der körperliche Befund bzw. der klinische Befund ein subjektiver Befund, weil dieses (rein geistige) Bild in Abhängigkeit vom Betrachter in seinem Bewusstsein entsteht.*

In der Medizin gibt es viele körperliche Befunde, die die Merkmale einer gesundheitlichen Störung (Krankheit) sind. Es gibt körperliche Befunde, die äußerlich sichtbar sind und solche, die nur durch eine spezielle Untersuchungsmethode erfasst werden können. Etwa Röntgenbefunde, oder sonstige bildgebende Befunde, Laborbefunde, Befunde die das Blut oder sonstige Körperflüssigkeiten betreffen. Hormonwerte und viele andere mehr sind körperliche Befunde, die in der Regel physische bzw. physikalische/biochemische/chemische und sonstige Befunde sind.

Im Gegensatz zur Medizin werden in der Psychiatrie psychische Befunde erhoben. Diese Befunde können nicht auf der Grundlage der physis bzw. nicht auf der Grundlage der Physiologie bzw. auf der Grundlage der Physik erhoben werden, sondern es können diese Befunde nur auf der Ebene der Vorstellungen auf Grundlage einer Idee erfasst werden. In der Medizin trifft dies auch auf Symptome und auf nicht objektivierbare Phänomene  (z.B. Kraftlosigkeit, Schwäche, Zittern, Tinnitus usf.) zu, die ebenfalls nur auf der Ebene der Vorstellungen bzw. nur auf der Ebene der Ideen erfasst werden können.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet erkennt man, dass es in der Heilkunde einerseits Befunde gibt, die auf der Ebene des Körpers also physisch erfasst werden können und andererseits gibt es Befunde, die nicht physisch, sondern nur jenseits der physis (hier gemeint Befund die sinnlich in der Natur wahrnehmbare sind), die also nur meta-physisch, also nur auf der „Ebene der Ideen“ durch den Begriff der Idee und daher nur durch die systematische Einheit der Idee erfasst werden können, falls die erkennende Person die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig aufgefasst werden (vgl. mit Kant Zitat 7). Demgemäß können die einen Befunde in Bezug auf den Körper in der Regel objektiv gültig bestimmt werden, weil sie auf ein Objekt zurückgeführt und auf dieser Grundlage allgemein gültig bestimmt werden können, wohingegen die anderen Befunde in Bezug auf den Körper nicht objektiv gültig sondern nur subjektiv gültig auf der Ebene der Vorstellungen bzw. nur auf der „Ebene der Ideen“ vom erkennenden Subjekt erfasst werden können (vgl. mit Kant Zitat 9 und mit Kant Zitat 7).

Man erkennt damit, dass körperliche Befunde in der Medizin bzw. in den Fachbereichen der Medizin (Innere Medizin, Pädiatrie, Neurologie, Chirurgie, Orthopädie, Gynäkologie, Augenheilkunde, HNO usf.) in der Diagnostik teils bestimmende Befunde sind und zum Teil in der Gesamtheit die wesentlichen Befunde sind um die medizinische Diagnose zu stellen.

Nachfolgend einige Beispiele für körperliche Befunde:

Enzymwerte des Herzmuskels, der Leber falls sie im Blut in relevanter Konzentration erscheinen

histologischer/histopathologischer/zytopathologischer Befund (Blutzellen, Leberzellen, Nierenzellen, atypische Zellen, normale Zellen usf.)

Nachweis von Bakterien, Viren, Anitikörpern im Blut, im Liquor

Knochenbruch etwa im Röntgenbefund als bildgebender Befund

Sauerstoffsättigung im Blut.

Blutzucker

Blutfette

Blutspiegel einer Substanz nach Medikamenteneinahme

Alhololspiegel im Blut nach Alkoholkonsum

usw.

.

Weiteres* zur Beurteilung von Befunden – aus erkenntnistheoretischer Sicht betrachtet – untersucht auf Grundlage der Philosophie von Immanuel Kant in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition

.

(letztes Änderung 09.02.2020, abgelegt unter: Befund, Definition, Diagnose, Diagnostik, Erkennen, Gutachten, Heilkunde, Medizin, Psychiatrie)

……………………………………..

weiter zum Beitrag: psychischer Befund

………………………………………

weiter zum Beitrag: medizinischer Befund

………………………………………

weiter zum blog: Befund

………………………………………

weiter zum blog: Gutachten

……………………………………….

weiter zur Seite: medizinische Diagnose – psychiatrische Diagnose

weiter zur Seite: medical diagnosis – psychiatric diagnosis

…………………………………………

Antiloop GmbH / bechtold.at.