Das Gemüt ist das psychisches Phänomen das durch die vorherrschenden Triebe und durch das gegenwärtige Wollen die Befindlichkeit des Lebewesens wesentlich bestimmt.
Es ist dies also ein Phänomen der Psyche, das falls ein ausgeprägter Trieb im Lebewesen vorherrschende ist und demgemäß auch das gegenwärtige Wollen vorhanden ist, das Individuum in seiner Aktion in eine gewisse Richtung drängt.
Demgemäß wird dieses Individuum durch die momentane Verfassung des Gemüts in eine gewisse Richtung bzw. zu einem gewissen Verhalten gedrängt, falls der entsprechende Trieb gerade wirksam ist oder die situativen Gegebenheiten in diese Richtung wirksam sind.
Allerdings können gewisse Gegebenheiten dem auch entgegen wirken – wovon nachfolgen noch die Rede ist.
Man kann also sagen, dass das Gemüt von innere Faktoren und in Abhängigkeit von äußeren Faktoren stimuliert oder nicht stimuliert wird bzw. dass dadurch die Erregung des Gemüts zustande kommt oder nicht zustande kommt.
Es kommt hier also auf die innere Verfassung bzw. die innere Ausgangssituation des Individuums an und auch auf die äußeren Umstände bzw. die äußeren Gegebenheiten die entsprechend gewichtig sind sodass das Lebewesen dadurch entsprechend stimuliert wird oder ob dies nicht der Fall ist – und weiterhin der Zustand der Gelassenheit vorherrschend ist.
Und bezüglich der inneren Verfassung ist noch zu erwähnen dass bei hoch entwickelten Tieren und vor allem beim Menschen auch das frühere Erleben bzw. die dadurch erlangte Erfahrung dieses psychische Geschehen ebenfalls wesentlich beeinflusst.
Demgemäß kann man sagen, dass die Verfassung bzw. der Zustand des Gemüts von situativen und anderen Faktoren abhängt, die zu einer gewissen Zeit wirksam sind oder die gegenwärtig nicht wirksam.
Und man kann bei starkter Erregung des Gemüts von emotionaler Erregung oder von triebhafter Erregung sprechen, falls entsprechende Triebe gerade wirksam sind oder sonstige Umstände das Lebewesen als Individuum erregen.
Falls jedoch keine Triebe wirksam sind unf falls auch sonst keine Reize das Individuum stimulieren stellt sich der psychische Zustand der Gelassenheit ein – den man auch als Zustand der psychischen Ruhe bezeichnen kann – der im Hinblick auf die Aktivität des Nervensystems mit der neuronale Basisaktivität korreliert. Beziehungsweise kann man in einem derartigen Zustand auch von psychischer Gelassenheit bzw. von emotionaler Gelassenheit sprechen.
In jedem anderen Fall ist eine gewisse Stimulation bei einen Lebewesen als lebender Organismus vorhanden bzw. ist eine gewisse Erregung der Psyche und des Körpers vorhanden und wird demgemäß dadurch das Erleben, das Fühlen und in Folge auch das Agieren und Reagieren durch die neuronalen Aktivität – mehr oder weniger ausgeprägt – in diese oder in jene Richtung gedrängt.
Demgemäß korrespondieren mit der neuronalen Aktivität das Erleben bzw. das Fühlen bzw. entsteht dadurch auch der innere Drang zum entsprechenden Wollen.
Weil all dies in der Natur sich bei den Lebewesen auf natürliche Art und Weise entwickelt hat, kann man sagen, dass dieses natürliche Geschehen also sowohl das psychische Geschehen , wie auch das körperliche Geschehen, insbesondere auch das organische Geschehen auf der Ebene des Nervensystems bzw. der neuronalen Funktion als Folge dieses natürlichen Phänomens sich beim einzelnen Individuum auf individuelle Art und Weise manifestiert.
An dieser Stelle kann man festhalten, dass der Gemüts-Zustand bzw. die Verfassung des Gemüts ein dynamisches Phänomen ist das ausgehend vom Zustand der Gelassenheit – durch Gegebenheiten bedingt – erregt bzw. affiziert wird und unter Umständen den Zustand der emotionalen Erregung erlangt – dann aber auf natürliche Art und Weise wieder abklingt um früher oder später den Zustand der Gelassenheit wieder zu erlangen.
Man erkennt damit dass das Nervensystem eines Lebewesen in der Lage ist situationsgemäß zu agieren bzw. zu reagieren und dass dieses Agieren und Reagieren auf der Ebene des Nervensystems mit einem gewissen neuronalen Ablauf korrespondiert der oftmals von der Art eines zyklischen Ablaufs ist.
In einem derartigen Fall tritt der Zustand der inneren Ruhe bzw. der inneren Gelassenheit erst wieder ein falls der Zyklus durchlaufen ist, falls es also zum vollständigen Durchlauf des Zyklus gekommen ist, ansonsten bleibt – zum mindesten vorübergehend eine Anspannung zurück, weil es nicht zum natürlichen Durchlauf gekommen ist. Man spricht dann davon dass die Befriedigung nicht eingetreten ist bzw. diese nicht zustande gekommen ist.
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Das Gemüt ist ein psychisches Phänomen das wesentlich ausgehend von der neuronalen Basisaktivität entsteht.
Man kann daher auch sagen, dass das Gemüt ein elementares Phänomen der Psyche ist, das infolge der neuronalen Basisaktivität die Grundstimmung bzw. die die Grundgestimmtheit beim Individuum erzeugt, die dann situativ abhängig auf individuelle Art und Weise modifiziert wird.
Und im Hinblick auf das Befinden einer Person. kann man sagen, dass die Grundstimmung bzw. die Grundgestimmtheit das momentane Befinden bzw. die Befindlichkeit der Person wesentlich bestimmt.
Der Begriff Gemüt beschreibt also den wesentlichen Teil des Seelenlebens den man als pathischen Teil der Psyche bezeichnen kann, der als elementare Gegebenheit bzw. Eigenheit der Person weitgehend gegeben ist, weil er durch die Beschaffenheit des Nervensystems bestimmt ist.
Man kann auch sagen, dass durch den Begriff Gemüt das Pathische: das Fühlen, Empfinden und somit die Empfindung als den pathischen Teil des Erleben repräsentiert, wohingegen das Denken die aktive Seite der Psyche repräsentiert, die durch den Willen, durch das aktive Tun und Handeln repräsentiert wird.
Ebenso kann man sagen, dass das Gemüt eine Erlebnisqualität ist, die primär der Thymopsyche entspringt, hingegen das Denken, und damit auch das Wollen und das aktive Tun dem Teil der Psyche den man als Noopsyche bezeichnet.
Man kann deswegen auch sagen, dass das Gemüt dem Erleben die „Grundfarbe“ verleiht respektive die „Grundtönung“ die ihrerseits durch die Emotion – infolge von Reizen – moduliert wird.
Daher bestimmt das Gemüt wesentlich die Grundgestimmtheit respektive die Grundstimmung der Person und damit deren Befinden bzw. die Befindlichkeit.
Man kann also sagen, die exogen Reize und die Grundstimmung wesentliche Faktoren für die Befindlichkeit sind und damit auch die Inhalte des Bewusstseins wesentlich beeinflussen.
Das Gemüt manifestiert sich biologisch betrachtet als Folge der neuronalen Funktion des zentralen Nervensystems, wobei hier das Limbische System in Verbindung mit anderen Systemen des Gehirns im Wesentlichen diese psychische Funktion leisten.
Man stellt sich in Bezug auf das Gemüt als Arzt vor, dass es eine solche zu Grunde liegende Natureinheit im Sinne einer abgegrenzten Funktionseinheit gibt, die das Gemüts und damit der Gefühlssphäre leistet.
Genau genommen gibt es jedoch – anatomisch bzw. histologisch betrachtet keine derartige Grenze und werden sowohl die Kognition wie auch die Gemütsfunktion weitgehend vom Gehirn und hier wesentlich vom Limbischen System generiert.
Die der psychischen Funktion zugrunde liegende Funktionseinheit ist also keine scharf abgegrenzte bzw. abgrenzbare biologischen Einheit
sondern handelt es sich dabei um einen regulativen Begriff der durch die unterschiedlichen psychischen Phänomene gebildet wird der die zwei Einheiten Kognition und Gemütsfunktion als dialektisches Paar ergeben.
Die hier vorgestellten Einheiten entspringen somit dem menschlichen Denken das nicht anders als in gegensätzlichen Begriffen denken und argumentieren kann (vgl. mit Jaspers Zitat 12).
Man kann also festhalten dass das Gemüt eine wesentliche Funktion der Psyche ist die die Lebensqualität der Person maßgebend bestimmt.
Gemütsunterschiede bei den Menschen:
Wenn man die Menschen miteinander vergleicht, dann findet man mehr oder weniger große Unterschiede in Bezug auf das Gemüt bzw. auf die Grundstimmung, die der Personen überwiegend zu eigen ist. Überhaupt kennt man bei den verschiedenen Menschen große Unterschiede in Bezug auf ihr Wesen.
Dabei unterliegt das Gemüt der Entwicklung in der Zeit. Es kommt also zu Schwankungen, zu Änderungen, zu Entwicklungen und Veränderungen im Gemüt – kurzfristig und auch im Laufe des Lebens. Der Zustand des Gemüts ist also variabel und nicht konstant bei einer Person gegeben. So gesehen handelt es sich auch um ein biologisches Phänomen insofern die psychische Befindlichkeit von der Biologie und damit von der Funktion des Nervensystems abhängig ist.
Es gibt Personen die grundsätzlich heiter und fröhlich, gelassen sind und andererseits solche, die grundsätzlich ernst sind und denen die zuvor genannten Eigenheiten nicht zu eigen sind. Auf diese Art und Weise findet man die verschiedensten Charaktere und Formen des Gemüts, wie sie im Wesen der Person zum Ausdruck kommen und je nach der Persönlichkeit und Individualität verschieden ausgeprägt sind.
In der Psychologie und in der Literatur sind die unterschiedlichen Formen und Charaktere mit unterschiedlichem Gemüt und Wesen beschrieben worden.
In der Psychiatrie ist man mit den krankheitswertigen Störungen des Gemüts befasst. Man kennt die depressiven Zustände die sogenannten depressiven Störungen die auch als Depressionen bezeichnet werden. Als gegenteilige Gemütsverfassung kennt man die Manie und damit verbunden auch den Wechsel der Stimmung von der Manie in die Depression.
Man spricht in der Psychiatrie daher vom Manisch–Depressiven Kranksein (MDK) das früher als das manisch-depressive-Irresein (zirkuläres Irresein) bezeichnet worden ist.
Und der klinisch erfahrene Psychiater kennt auch die Gemütsausgangslage, wie sie fallweise bei Personen zu beobachten ist, die zur Form der psychischen Störung neigen, die man als Schizophrenie bezeichnet.
In diesem Sinn bezeichnet das Gemüt die Befindlichkeit der Person in Bezug auf die Stimmung und in Bezug auf die Änderung derselben durch die Emotion. Demgemäß unterscheidet man in Bezug auf die Störungen der Psyche in der Psychiatrie die affektiven Störungen und im Gegensatz dazu die kognitiven Störungen.
Psychologisch betrachtet ist das Gemüt ein Merkmal der Psyche das sich als psychisches Phänomen manifestiert. Dabei unterliegt dieses Erscheinung der Psyche einer Entwicklung im Lauf der Zeit. Bei einer bestimmten Person findet man jedoch in der Regel eine Grundform die mehr oder weniger durchgängig vorhanden und für diese Person typisch ist.
Biologisch bzw. neurobiologisch betrachtet ist das Gemüt ein Ergebnis der neuronalen Funktion. Das psychische Phänomen des Gemüts entsteht nämlich als Folge der neuronalen Aktivität im zentralen Nervensystem, vor allem im Gehirn. Der Lokalisation nach, ist diese Funktion in den mittleren und in basalen Hirnbereichen, und zwar vorwiegend im Limbischen System gelegen.
Es entsteht das Gemüt also als Folge der neuronalen Aktivität in gewissen Gehirnbereichen. Man kann auch sagen: das Gemüt ist das Ergebnis der neuronalen Aktivität die gewisse neuronalen Mustern hervorbringt, die beim einem bestimmten Menschen mehr oder weniger konstant vorhanden sind jedoch einer gewissen Modulation unterliegen, je nach dem Erlebniszustand bzw. dem Zustand der Befindlichkeit.
Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet wird das Gemüt durch den Begriff der Idee erkannt (vgl. mit Kant Zitat 7).
Es wird das Gemüt also durch eine systematische Einheit der Idee erkannt, die im Bewusstsein der erkennenden Person in der Form des Begriffs dieser Idee erscheint, wenn diese die charakteristischen Merkmale der Idee, nämlich die Merkmale der Befindlichkeit durch das Schema dieser Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).
Es handelt sich bei dieser diagnostischen Einheit also um einen regulativen Begriff der in der Heilkunde häufig gebraucht wird und daher etwa in der Psychiatrie, Neurologie überhaupt in der Medizin, in der Psychosomatik, Alternativmedizin, Komplementärmedizin, Psychotherapie und Psychologie und natürlich auch in der Alltagssprache gebräuchlich ist.
Störungen des Gemüts – ein wesentliches Merkmal einer psychischen Störung:
Bei diversen psychischen Störungen ist das Gemüt erheblich beeinträchtigt bzw. gestört.
Nachfolgend werden die psychiatrischen Diagnosen von einzelnen psychischen Störungen aufgelistet, die mit einer erheblichen Störung des Gemüts einhergehen.
Depression bzw. depressive Störung
Manie
bei diversen Persönlichkeitsstörungen finden sich ausgeprägte Gemütsstörungen
Organisches Psychosyndrom (OPS)
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(letzte Änderung 02.02.2025, abgelegt unter: Alternativmedizin, Befindlichkeitsstörung, Begriff, abgeleiteter Begriff, psychiatrischer Begriff, psychologischer Begriff, regulativer Begriff, Definition, Heilkunde, Medizin, Neurologie, Psyche, Psychiatrie, psychische Störung, Psychologie, Psychotherapie)
zuletzt pos 1 am 26.01.2024 davor 02.07.2023
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