Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Denkmuster

Ein Denkmuster ist eine Abfolge von wiederkehrenden Gedanken im Bewusstsein der Person.

Ein solches Denkmuster kann sich als Folge der Denkgewohnheit der Person entwickeln.

Es ist dies also ein Ablauf von wiederkehrenden Vorstellungen, die infolge des Denkens  – durch die bewusste oder unbewusste Assoziation ausgelöst – im Bewusstsein entstehen und die sich als bestimmte Gedankensequenz manifestieren.

Aus der Sicht der Psyche betrachtet, ist ein Denkmuster eine sich wiederholt manifestierende Sequenz von Inhalten im Bewusstsein, die durch irgendwelche Auslöser angeregt auftauchen (Ein Beispiel: der erfreuliche Gedanke sich an der Natur durch die Erlebnisse regelmäßig zu erfreuen; oder ein anderer, belastender, wiederkehrender Gedanke: der Zwangsgedanke, sich jetzt wieder die Hände waschen zum müssen).

Dabei kann die Disposition im Sinn einer schon vorbestehenden Eigenheit der Person das Auftreten dieser Gedankensequenz begünstigen.

Weil die familiäre Disposition der Hang zur Genauigkeit etwa diese Denkgewohnheit begünstigt und die wiederholte Praxis sie befestigt.

Es kommt in einem solchen Fall also leicht zur Konditionierung – zur Gewöhnung und Gewohnheit – hier zur Denkgewohnheit.

Aus der Sicht des Geistes betrachtet bzw. erkenntnistheoretisch betrachtet ist ein Denkmuster eine Sequenz von Ideen, die in der Form der Begriffe dieser Ideen wiederholt in Erscheinung tritt.

Aus der Sicht der Biologie des Nervensystems betrachtet, entspricht das Denkmuster einem neuronalen Muster das sich im zentralen Nervensystem der Person infolge der Neuroplastizität und infolge der Wiederholung – man kann auch sagen: infolge der Konditionierung gebildet hat.

Bezüglich der Relation der Psyche zum Gehirn kann man in Bezug auf das Denkmuster sagen:

Dass das Denkmuster als mentaler Prozess der software entspricht, wohingegen das neuronale Muster im zentralen Nervensystem der biologischen hardware entspricht.

Das Denkmuster entsteht als Folge der Erfahrung und des Lernens durch die individuelle Prägung.

Man kann auch sagen: das Denkmuster entsteht durch die Konditionierung der Psyche. Es befördert also die Wiederholung und damit die Gewöhnung die Gewohnheit, die zur -Entwicklung des Denkmusters führt: Übung -> Gewöhnung -> Gewohnheit.

Was man bereits gemacht hat, kann man in Zukunft leicht bzw. mit größerer Leichtigkeit wieder machen.

Andererseits neigt ein Denkmuster zur Beharrung. Mit anderen Worten: es ist nicht leicht ein Denkmuster zu verändern oder dieses gar zu verlassen und nicht mehr als neuronales Muster zu „durchlaufen. Man denke hier zum Beispiel an eine Sucht.

Man ist bei der Entstehung des Denkmusters also mit dem Lernen befasst und andererseits mit dem Vergessen bzw. dem Verlernen – also mit der Dekonditionierung – wenn sich das Denkmuster ändern soll oder ganz aufgegeben werden soll.

Übung, Gewöhnung und Gewohnheit befördern die Entstehung des Denkmusters (im positiven Sinn etwa beim Erlernen einer Fremdsprache, beim Erlernen einer Fertigkeit, beim Erlernen der guten Sitten usf.)

Denkmuster sind in gewisser Hinsicht also nützlich, hilfreich und damit von Vorteil. Andererseits hemmen sie die Entwicklung und verhindern sie das geistige Sehen von neuen Zusammenhängen. Man sieht alles durch dieselbe „alte Brille“. Bei der Veränderung des Denkmusters ist daher die Bewusstheit und somit das Bewusstsein wesentlich, damit man realisiert was abläuft.

Es geht um das geistige Sehen bzw. das Erkennen der eigenen Sichtweise der Veränderung und Anpassung derselben an die Realität. Es ist hier die Selbstreflexion wesentlich.

Denkmuster können in negativer Hinsicht die Kreativität einschränken.

Was gewesen ist, ist gewesen.

Genau genommen sollte man in jedem Moment alles flexibel der aktuellen Situation entsprechend beurteilen und unternehmen.

Man bemerkt, dass man dieses Ideal im Yoga und in der Meditation zwar anstrebt – in der Wirklichkeit aber kaum erreichen kann, weil man immer irgendwie durch die Vergangenheit und die früheren Erfahrungen beeinflusst ist.

Der junge Mensch ist in der Regel noch nicht so sehr durch Denkmuster geprägt, wie der Ältere. Durch Bewusstheit und bestärkt durch die neuen Erfahrungen können jedoch auch alte und eingefahrene Denkmuster wieder in Bewegung kommen und sich ändern. Grundsätzlich ist der Mensch lernfähig bis ins höchste Alter.

Im Rahmen einer Krankheit bzw. einer gesundheitlichen Störung, insbesondere bei einer  psychischen Störung können krankheitswertige Denkmuster entstehen. Es kann das Denken sich zum Zwang steigern und die betroffene Person ist dadurch in ihrer  Lebensqualität eingeschränkt. Unangenehme Denkmuster kennt bei der Depression (Gedankenkreisen, derselbe lästige Gedanke drängt sich immer wieder auf). Und es können unangenehme Denkmuster bei Psychosen etwa vom Typ der Schizophrenie, aber auch bei einer Persönlichkeitsstörung vorkommen.

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(letzte Änderung 18.05.2020; abgelegt unter: Definition, denken, Diagnostik, Geist, Philosophie)

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