Dendrit

Ein Dendrit ist eine Aussprossung einer Nervenzelle.

Diese Aussprossung der Nervenzellle bzw. der Nervenzellmembran entsteht im Rahmen der Entwicklung der Nervenzelle.

.

Beziehungsweise entstehen die einzelnen Dendriten der einzelnen Nervenzellen als Aussprossungen der Nervenzellmembran im Rahmen der Entstehung und Entwicklung des Nervensystems.

 

Und es bilden dabei die Dendriten der Nervenzellen, als fingerartige Aussprossungen der Nervenzellmembran den vergrößerten Kontaktbereich der Nervenzellen, sodass über diese Strukturen die Kontaktmöglichkeit in vergrößerter bzw. in diffenziertere Form zwischen Nervenzellen entsteht.

Dabei bilden die Synapsen die Verbindungsstrukturen bzw. die Kontaktstrukturen zwischen den Nervenzellen.

In diesem Sinn stellen diese fingerartigen Aussprosssungen, die als Dendriten bezeichnet werden – den vergrößerten Kontaktbereich der Nervenzellen her an dem die Aktionspotenziale von anderen Nervenzellen auf der Nervenzellmembran eintreffen.

Beziehungsweise bilden die Dendriten als Ganzes den Empfangsbereich der Nervenzelle auf dem die Aktionspotenziale integriert bzw. aufaddiert und teils subtrahiert werden – bzw. generieren diese als Ganzes das Membranpotenzial der Nervenzelle.

In diesem Sinn bilden also die Dendriten mit den Synapsen den Teil der neuronalen Feinstruktur der die ankommenden Aktionspotenziale empfängt bzw. werden diese aus der Nervenzellmembran integriert.

Man kann auch sagen, dass die aus dem Nervenzellkörper aussprossenden Dendriten im Wesentlichen den Empfangsbereich für die Aktionspotenziale bilden, wohingegen der andere Bereich bzw. der andere Pol der Nervenzelle den Sendebereich bildet von dem aus die Aktionspotenziale an nachgeschaltete Nervenzellen bzw. an nachgeschaltete Dendriten Nervenzellmembranen geleitet wird.

Unter einem anderen Blickwinkel betrachtet kann man sagen, dass die Dendriten als Aussprossung der Nervenzellmembran durch die Ausbildung von Synapsen Kontaktpunkte mit anderen Nervenzellen herstellen über die die Aktionspotenziale an andere Nervenzellmembranen bzw. an andere Nervenzellen weitergeleitet werden können bzw. an andere Nervenzellen weiter getaktet werden können.

Und man kann sagen, dass sowohl die Dendriten wie auch die Synapsen die dynamischen Strukturen des Nervensystems bilden, weil diese Strukturen im Rahmen der Neuroplastizität sich auch beim erwachsenen Lebewesen – mit entsprechender Veränderung der neuronale Feinstruktur – bilden.

Wohingegen an der neuronale Grobstruktur beim erwachsenen Lebewesens bzw. beim erwachsenen Individuums sich praktisch keine dynamische Entwicklung im Sinn einer positiven Entwicklung beobachtet werden kann.

.

Dendriten vergrößern den Empfangsbereich der Nervenzelle:

Die pseudopodenartige Aussprossung der Nervenzellmembran bewirkt eine Vergrößerung der Nervenzelloberfläche und zwar bei nur geringer Vergrößerung des Nervenzellvolumens.

Das heißt, dass die vergrößerte Nervenzelloberfläche ermöglicht die differenziertere neuronale Aktivität, weil sich auf der vergrößerten Nervenzelloberfläche mehr Synapsen – in Abhängigkeit von der Nervenzellaktivität – ausbilden bzw. bilden können.

Durch die Ausbildung der Dendriten – wie dies im Rahmen der Neuroplastizität möglich ist – kommt es also zur differenzierteren Möglichkeit der Übertragung von Signalen im Nervensystem bzw. zur differenzierteren Übertragung von neuronaler Information  respektive kommt es dadurch zur differenzierteren neuronalen Funktion.

Und infolge der differenzierteren neuronalen Funktion wird die differenziertere Funktion bzw. die difererenziertere Aktion möglich.

.

Dies kann an einem Beispiel wie folgt erläutert werden:

Man betrachte die Differenziertheit einer Bewegung mit dem Arm/den Händen/den Fingern bei einem Säugling im Vergleich zu einem Kleinkind/einem Jugendlichen und schließlich zu einem Erwachsenen.

Der Säugling kann in der Zeit nach der Geburt mit den Armen nur grobe praktisch keine kontrollierten Bewegungen ausüben.

Das Kleinkind beginnt jedoch bereits grobe Greifbewegungen durchzuführen.

Das Schulkind wenn es zum Beispiel das Schreiben erlernt erlangt Dank der Übung das Vermögen einzelne Buchstaben, dann Worte, dann ganze Sätze zu schreiben.

Diese motorische Fähigkeit erfordert also differenziertere Bewegungen bzw. Bewegungsabläufe.

Man kann sagen, dass dies auf der Ebene des Nervensystems differenziertere neuronale Muster erfordert die diese differenzierteren Aktionen bzw. Funktionen ermöglichen.

In diesem Sinn entwickelt/differenziert bzw. erweitert sich das Spektrum der Funktionsmöglichkeiten bzw. auf der Ebene des Nervensystems die neuronale Funktion.

Damit wird deutlich, dass die Ausbildung der Dendriten bei der Zunahme der neuronalen Funktion – in Abhängigkeit von der Aktivität bzw. in Abhängigkeit von der Übung – der Praxis – dem Training – eine wesentliche Rolle spielt.

Und man erkennt damit dass das Lernen zur Ausbildung der neuronalen Feinstruktur führt, wie dies durch die Vermehrung der Synapsen an den Dendriten deutlich wird.

Gemäß den lokalen Gegebenheiten im Nervensystem kommt es also zur Differenzierung der neuronalen Feinstruktur bzw. kommt es zur stärker verzweigten Ausbildung der Dendriten wodurch die stärker differenziertere Übertragung von neuronaler Information möglich wird.

Man erkennt damit dass die Variation der Funktion bzw. der Aktivität mit einer entsprechend differenzierten neuronalen Funktion korreliert.

Man denke etwa an die Fähigkeit der Lautbildung – Gesang bei Vögeln und anderen Tieren – bis hin zur Ausbildung der menschlichen Laute und Ausbildung einer menschlichen Sprache wie sich dies bei den Menschen in den verschiedenen Kulturen herausgebildet hat.

Dazu ist eine differenzierte Ausbildung der neuronalen Struktur – einerseits auf der Ebene der neuronalen Grobstruktur betreffend die grundsätzlichen Möglichkeiten – und andererseits im Hinblick auf die Differenziertheit der einzelnen Aktion bzw. Funktion auf der Ebene der neuronalen Feinstruktur.

Man denke diesbezüglich etwa an den Unterschied in der Feinmotorik der Greifbewegung bei Affen im Vergleich zum Menschen oder an sonstige grundsätzliche Möglichkeiten und Grenzen der Bewegungsmuster bei den verschieden Gattungen der Tiere im Hinblick auf die jeweilige Funktion bzw. Aktion.

Damit sich diese gattunsspezifischen Fähigkeiten und Möglichkeiten entsprechend ausbilden können ist jeweils die Entwicklung und Ausformung gemäß der Neuroplastizität erforderlich.

.

Dendriten bilden den afferenten Pol der Nervenzelle:

Die Dendriten bilden den afferenten Pol der einzelnen Nervenzelle.

Im Gegensatz dazu bildet das Axon den efferenten Pol der Nervenzelle, weil von diesem das Aktionspotenzial, bei Erreichung des Schwellwerts an die nachgeschalteten Nervenzellen und sonstige Effektor-Zellen (Muskelzellen, Drüsenzellen) über die Kontaktpunkte bzw. über die Synapsen weiter geleitet wird.

.

In diesem Sinn bilden die Dendriten der Empfangsbereich der einzelnen Nervenzelle, an dem durch die Addition und durch die Subtraktion der Aktionspotenziale die positiven und negativen elektro-chemischen Impulse an der einzelnen Nervenzellmembran integriert bzw. verarbeitet werden.

Und es bildet dieser neuro-biologische Prozess – man kann auch sagen dieser neuro-physiologische Prozess – der durch das Nervensystem getaktet wird die neuronale Aktivität bzw. zur neuronalen Funktion die ihrerseits die Aktionen und Funktionen, im Verbund mit den anderen Organen des Organismus, bewirkt.

Beziehungsweise wird auf dieser Grundlage im Nervensystem die neuronale Information verarbeitet bzw. durch die neuronalen Netzwerke getaktet und entstehen dadurch die einzelnen Funktionen und Aktionen des Organismus bzw. des Lebewesens.

.

letzte Änderung 07.11.2025, abgelegt unter: Begriff, Biologie, Definition, Nervensystem

.

………………………………..

weiter zum Beitrag: Entwicklung des Nervensystems

………………………………..