Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Assoziationsstörung

Eine Assoziationsstörung ist eine Störung in der Assoziation.

Es ist eine Assoziationsstörung also eine Störung bei der die Zusammensetzung/die Verbindung/die Vereinigung gestört ist.

(lateinisch: associare – vereinigen, verbinden, zusammensetzen)

In der Psychiatrie (Psychologie) bezeichnet eine Assoziationsstörung in der Regel eine Störung der Kognition. Es bewirkt hier die Assoziationsstörung nämlich eine inadäquate Zusammensetzung der Gedanken.

Dabei kann die Assoziationstörung die Folge einer kognitiven Störung sein, wie sie etwa bei einer Schizophrenie vorkommt (Beispiel: wahnhafte Störung etwa im Rahmen einer Paranoia) oder es kann dies die Folge einer affektiven Störung sein (Beispiel: in jeder Hinsicht negative Sicht des Patienten im Rahmen einer depressiven Störung).

Neurobiologisch betrachtet tritt wahrscheinlich bei manch einer Assoziationsstörung eine relevante Funktionsstörung in einem Bereich des Gehirns auf, insofern hier die neuronalen Funktion erheblich beeinträchtigt ist und es dadurch bedingt zur Ausbildung von von inadäquaten bis hin zu falschen neuronalen Muster kommt. Man kann sich vorstellen, dass auf dieser Grundlage etwa Halluzinationen, eine Paranoia, Sinnestäuschungen oder eine unverhältnismäßige Wahrnehmung oder sonstige Störungen der Psyche entstehen. Es kann also auch in Bezug auf die Funktion des Gemüts, hier vor allem im limbischen System, eine neuronale Funktionsstörung auftreten die sich klinisch etwa als typische depressive Störung manifestiert. Falls die Störung in der neuronalen Funktion den Kortex und das limbische System betrifft kann sich dies im klinischen Erscheinungsbild einer schizoaffektiven Störung manifestieren.

Infolge der neuronalen Funktionsstörung können also diverse Störungen der Psyche sich manifestieren. Es kann zum Auftreten von einzelnen psychopathologischen Phänomenen kommen oder zum Auftreten von ganzen psychischen Symptomenkomplexen.

Die Variation in der neuronalen Funktion kann also, falls sie noch im Bereich der Norm bzw. im Bereich des Normalen gelegen ist sich als gesunde kreative Leistungen manifestieren – somit als Leistungen der normalen Kreativität (daher die Aussage: Genie und Wahnsinn liegen beisammen). Oder sie können bei Überschreiten dieser Schwelle eindeutig krankheitswertig sein, sodass eine Fachperson in der Psychiatrie ein psychische Störung  diagnostiziert. Damit wird deutlich, dass es unter Umständen auch einen Sachverhalt gibt der in der Diagnostik als Grenzfall bezeichnet wird.

In Folge von Assoziationsstörungen können überwertige Ideen auftreten. Oder es treten ganz entkoppelte psychische Phänomene auf (z.B. Halluzinationen). Somit können uneinfühlbare respektive nicht nachvollziehbare Assoziationen in Bezug auf die  Gedanken (nicht nachvollziehbare Verknüpfungen der Gedanken). Oder auf der Ebene des Gefühls nicht nachvollziehbare/nicht einfühlbare und damit inadäquate Gefühlsreaktionen (parathyme Gefühlsreaktionen, parathyme Gemütsreaktionen, Parathymie, Gefühllosigkeit, Empathielosigkeit und sonstige abnorme Gefühlsreaktionen) auftreten. Es kann eine derartige Auffälligkeit in Bezug auf die Psyche und die psychische Funktion seit jeher bestehend vorliegend sein (abnorme Persönlichkeit/Persönlichkeitsstörung), oder sie tritt im Rahmen einer akut oder schleichend sich entwickelnden Störung der Psyche die psychische Auffälligkeit in Erscheinung. Dabei kann die psychische Störung auch phasenweise oder schubweise auftreten und sie kann in Folge sich wieder vollständig oder teilweise zurückbilden. Damit wird deutlich dass Assoziatiosstörungen das Denken der Person in vielerlei Hinsicht trüben und beeinflussen können.

Biologisch betrachtet kann man bei manch einer Assoziationstörung im Hinblick auf die beeinträchtigte Kognition auch sagen, dass hier auf der Ebene der Analysatoren (vgl. mit Iwan Petrowich Pawlow Zitat) und auf der Ebene der Integratoren eine relevante Störung auftritt. Oder man kann durch andere Kausalitäten das Auftreten der Assoziationsstörung erklären – etwa durch die abnorme Gemütslage die im Fall der depressiven Störung unbeeinflussbar die negative Sicht der Dinge bewirkt.

Es sind die Assoziationsstörungen in Bezug auf die Kognition also teils die Folge der gestörten Analyse und der gestörten Integration und es kommt daher zu den krankheitswertigen psychischen Erscheinungen. In Bezug auf das Gemüt kann es auf anderer Grundlage zur krankheitswertigen psychischen Erscheinung kommen.

Die Funktion der Psyche kann also durch die Assoziationsstörung wesentlich beeinträchtigt sein, und es können derartige Störungen schnell den Schweregrad einer Psychose erlangen.

Es kann in folge der beeinträchtigten Verknüpfung also zu einer Störung im Denken und/oder im Fühlen kommen.

Bekanntlich wird eine psychische Störung falls sie diverse typische Merkmale zeigt als Schizophrenie bezeichnet (Weiteres dazu nachfolgend) und es wird die psychische Störung als schizoaffektive Störung bezeichnet, falls der Affekt und die Schwankung im Affekt besonders ausgeprägt ist und sonst mehr oder weniger ausgeprägt Symptome wie bei der Schizophrenie vorkommen.

Bezüglich der Denkstörung können die Gedanken dem Inhalt nach gestört sein, und man spricht dann in der Psychopathologie von einer inhaltlichen Denkstörung.

Oder es kann das Denken infolge einer Assoziationsstörung der Form nach gestört sein. In einem solchen Fall spricht  man in der Psychopathologie von einer formalen Denkstörung.

Falls das Fühlen und die Gefühlsreaktion in der Ausprägung eindeutig  abnorm und damit krankheitswertig gestört ist, kann dies das Merkmal einer Persönlichkeitsstörung sein (als Form einer abnormen Anlage) oder es kann dies zum Beispiel das Merkmal eines pathologischen Rausches oder sonst einer psychischen Störung sein.

In einem solchen Fall ist also das Gemüt „daneben“ gelegen und es tritt dieses psychopathologische Phänomen infolge einer Assoziationsstörung in Erscheinung und verwendet man daher in der Psychopathologie den Begriff  der Parathymie bzw. ist das was assoziiert wird „parathym“ (gr. „neben“ dem thymos „Gemüt“ (altgriechisch θυμός)).

In gewissen Fällen kann auch die Motorik infolge einer Assoziationsstörung gestört sein und es zeigt sich diese Störung sodann in der Form von „bizarren Bewegungen“, wie sie bei manch einer akuten Psychose zu beobachten sind oder bei einem Residualzustand aus dem Formenkreis der Schizophrenie.

Dabei kann die Assoziationsstörung  als psychisches Symptom von der betroffenen Person entweder bewusst erlebt werden, oder es manifestiert sich die Assoziationsstörung als psychopathologisches Phänomen, ohne dass die betroffene Person die Störung in ihrem Denken, im Fühlen oder im sonstigen Erleben selbst bemerkt und bewusst erlebt – was etwa bei einer psychischen Störung vom Typ der Schizophrenie und hier insbesondere bei einer paranoid halluzinatorischen Schizophrenie und daher auch bei einer Paranoia bzw. bei einem Wahn regelmäßig der Fall ist.

Als Folge der Assoziationsstörung kann es also zur Störung im Denken, im Fühlen und in anderen Bereichen des Erlebens und des Reagierens kommen.

In der Psychopathologie kennt man den Begriff der kognitiven Störung und im gegebenen Fall auch den Begriff der affektiven Störung, die beide bei diversen psychischen Störungen infolge der Assoziationsstörung auftreten.

Es kann bei einer Assoziationsstörung primär der Zugriff aus das Gedächtnis gestört sein und es handelt es sich dann um eine Gedächtnisstörung, wie sie regelmäßig bei der Demenz insbesondere vom Typ der Alzheimerdemenz (Alzheimerkrankheit, Morbus Alzheimer) zu beobachten ist nicht selten auch in leichterer Form bei einer Depression auftreten kann.

Auch beim Organischen Psychosyndrom (OPS) sonstiger Genese kommt es praktisch regelmäßig in mehr oder weniger ausgeprägter Form zu Assoziationsstörungen, so auch bei der vaskulären Demenz (Multi-Infarkt-Demenz) und in unterschiedlichem Grad, je nach der Lokalisation der Herde, auch bei der Multiplen Sklerose und anderen Störungen des Nervensystemswie sie in der Neurologie diagnostiziert werden.

Eine Assoziationsstörung kann auch von der Art sein, dass nicht passende Gedanken assoziiert werden und es handelt sich sodann um eine inhaltliche Denkstörung. Es können Halluzinationen auftreten und andere psychische Phänomene, die unter Umständen als Depersonalisation – (persönlichkeitsfremde Gedanken-, Empfindungen, Körperhalluzinationen mit Leibhaftigkeitsgefühl usf.) von der betroffenen Person erlebt werden, wie dies bei der psychischen Störung vom Typ der Schizophrenie bekannt ist.

Weiteres zu den Assoziationsstörungen in der Psychologie und Psychiatrie:

Man kennt in der Psychologie die leichten Formen von Assoziationsstörungen, wie sie etwa als Entfremdungserlebnis, oder als Derealisation , oder als Déjà-vu Erlebnis (-> Wiki Beitrag) auftreten und aus dem normen Erleben her bekannt sind. Oder man kennt die erschwerte Assoziation, wie sie etwa bei der Übermüdung oder bei der Erschöpfung auftritt. Ferner kennt man auch die Auffälligkeiten in Bezug auf die Assoziation, wie sie im Halbschlaf und  in der Trance, somit auch in der Hypnose oder im Schlaf und im Traum in Erscheinung treten und daher normale oder jedenfalls im Rahmen der Norm gelegene psychische Phänomene sind.

Aus dem Übergangsbereich des normalen Seelenlebens in den krankheitswertigen Bereich der Psyche, wie er im Übergangsbereich  der Psychologie zur Psychiatrie beschrieben werden, kennt man die schwereren Formen der Assoziationsstörung, wie sie etwa bei der Derealisation und bei der Depersonalisation vorkommen und unter Umständen als psychische Phänomene noch normal-psychologisch einfühlbar und damit verstehbar sind, weil man derartige psychische Phänomene mehr oder weniger ausgeprägt auch aus dem normalen eigenen Erleben her kennt. Daher werden diese Formen von psychischen Störungen der Gruppe der Neurosen zugeordnet. Im Gegensatz dazu kennt man die schweren Assoziationsstörungen, die zur Depersonalisation führen, wie sie bei den Psychosen vorkommen. Hier sind die psychopathologischen Phänomene zu nennen, wie sie Eugen Bleuler bei der Schizophrenie treffend als eigenartige Assoziationsstörungen etwa als Sperrungen im Denken, als Zerklüftung der Ideen beschrieben hat (vgl. mit Eugen Bleuler Zitat 3). Zu diesen psychischen Störungen zählen also die paranoiden Störungen bzw. die Psychosen im engeren Sinn, wie sie aus dem Formenkreis der Schizophrenie bekannt sind.

Hier zu nennen sind auch die fehlende bzw. die falsche Assoziation, wie sie beim Wahn bzw. bei der Paranoia vorkommt, wo die betroffene Person nicht fähig ist ihre Sichtweise an der Realität zu korrigieren. In diesem Fall führt also die Assoziationsstörung zu einer Störung in der Realitätswahrnehmung, die sich in der Paranoia bzw. im Wahn manifestiert. Die paranoide Person kann offensichtlich nicht die richtige Assoziation bilden, auch wenn sie etwa von anderen Personen auf den realen Sachverhalt aufmerksam gemacht wird. Man erkennt damit, dass deswegen die paranoide Person, weil sie nicht zu den angemessenen Assoziation bzw. nicht zur angemessenen Kritik ihrer Sichtweise fähig ist mit wahnhafter Gewissheit – wie dies Karl Jaspers formuliert hat – an ihrer andersartigen und kranken Sichtweise festhält. Daher zählt diese Form der psychischen Störung zu den Psychosen.

Ferner gibt es noch eine ganz andere Form von Assoziationsstörung, wie sie etwa bei der Demenz vom Typ der Alzheimerdemenz (Alzheimerkrankheit, Morbus Alzheimer) vorkommt und hier in Folge des diffusen hirnorganischen Abbauvorgangs eingetreten ist, sodass die geistigen Querverbindungen nicht mehr hergestellt werden können und sich dies insbesondere in den Merkfähigkeitsstörungen und in den Gedächtnisstörungen manifestiert. Oder wie sie etwa nach schwerem Schlaganfall, oder sonst im Zusammenhang einer Multi-Infarkt-Demenz in der Form einer vaskulären Demenz in Erscheinung getreten ist, weil aus manifesten organischen Gründen die geistige Querverbindung nicht mehr hergestellt werden kann.

Es gibt auch bei anderen psychischen Störungen organischer Genese, etwa beim Organischen Psychosyndrom (OPS) in Folge einer sonstigen Ätiologie, etwa beim Delir, oder in Folge einer chronischen Hirnschädigung nach Vergiftung so etwa beim Korsakow-Syndrom und auch bei anderen organisch bedingten psychischen Störungen Assoziationsstörungen.

Abschließend kann man also sagen, dass die Assoziationsstörungen in der Regel zu mehr oder weniger ausgeprägten  kognitiven Störungen und teils auch zu affektiven Störungen führen.

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(letzte Änderung 31.05.2020, abgelegt unter psychische Störung, Forensische Psychiatrie, Psychopathologie, Psychologie, Psychiatrie, Psyche, Rechtsprechung)

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