Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Gedächtnis

Das Gedächtnis ist der Speicher der Psyche.

Dabei können infolge der Merkfähigkeit Inhalte in diesen Speicher „eingelagert“ und zu einem späteren Zeitpunkt „abgerufen“ werden.

Man kann also Inhalte im Gedächtnis merken und sich an diese – zu einem späteren Zeitpunkt – mehr oder weniger genau – erinnern.

Es ist das Gedächtnis also das Ganze der Erinnerungen die an diesem „Speicherort“ eingelagert werden, von dem sie zu einem späteren Zeitpunkt – mehr oder weniger vollständig – wieder ins Bewusstsein geholt werden können.

In diesem Sinn ist das Gedächtnis ein psychisches Phänomen.

Dabei kann man das Gedächtnis in das Kurzzeitgedächtnis und in das Langzeitgedächtnis gliedern.

Oder man kann das Gedächtnis unter sonstigen Gesichtspunkten betrachten etwa das verbale Gedächtnis gegenüber dem nonverbalen Gedächtnis.

Oder das optische Gedächtnis, das musikalische Gedächtnis oder das spezielle Gedächtnis in Bezug auf sonstige Inhalte und Eigenheiten hin untersuchen.

Das Gedächtnis umfasst also als Inhalte die Mannigfaltigkeit der Einprägungen, die ein Mensch oder sonst ein Lebewesen im bisherigen Leben eingespeichert bzw. abgespeichert hat und die Fähigkeit dieselben mehr oder weniger vollständig wieder zu erinnern.

Man kann auch sagen: das Gedächtnis ist der Speicher in dem die Inhalte des Erlebens, des Denkens und Fühlens – also inklusive der Gefühle und Empfindungen – die Emotionen – die Sinneseindrücke und anderes mehr – jeweils mehr oder weniger deutlich gespeichert wurden, und von wo sie, mehr oder weniger klar/vollständig/oder unvollständig/bruchstückhaft wieder abgerufen werden können.

Es sind damit also auch die inneren Bilder und Vorstellungen gemeint, sowie auch die gespeicherten Inhalte der sinnlichen Wahrnehmungen.

Man kann auch sagen: unter dem Begriff des Gedächtnisses versteht man beim Menschen den Informationsspeicher der Person in dem die Inhalte der Erfahrung und des persönlichen Wissens mehr oder weniger konkret gespeichert worden sind und aus dem sie aus diesem teils bewusst und teils auch unbewusst wirken. Es ist damit also der Hintergrund gemeint der einerseits durch das Bewusstsein und andererseits durch das Unbewusste repräsentiert wird.

Psychisch bzw. psychologisch betrachtet entsteht das Gedächtnis infolge der psychischen Funktion. Dabei werden die Inhalte des Wissens durch das Merken bzw. aufgrund der Merkfähigkeit einerseits im Speicher „deponiert“ und andererseits durch die Assoziation von dort wieder „hervorgeholt“. In diesem Sinn repräsentiert das Gedächtnis den „Ort“ an dem die Vorstellungen, Bilder und sonstigen Inhalte „abgespeichert“ und durch das Erinnern zu einem späteren Zeitpunkt mehr oder weniger vollständig und mehr oder weniger richtig/zutreffend wieder hervorgeholt, sprich assoziiert werden können – wobei damit der rationale Teil des Gedächtnisses gemeint ist.

Biologisch bzw. neurobiologisch betrachtet ist das Gedächtnis der Informationsspeicher der vom Nervensystems insbesondere vom zentralen Nervensystem durch die neuronale Funktion  geleistet wird. Es kommt hierbei einerseits durch den unmittelbaren Eindruck und teils durch die Assoziation zur Einprägung der Inhalte. Durch diese neuronale Aktivität können früher aufgenommene Inhalte und damit durchlaufene neuronalen Mustern reaktiviert werden und es bewirkt dies das Erinnern von gewissen Inhalten. Es werden durch den mentalen Prozess der Assoziation also gewisse neuronale Programme durchlaufen und es entstehen dadurch gewisse mentale Inhalte im Bewusstsein und andererseits werden durch den irrationalen Prozess bei gegebener Gelegenheit auch nicht nachvollziehbare irrationale Inhalte der Psyche wieder präsent.

Es können im Nervensystem, hier insbesondere im Gehirn infolge der neuronalen Funktion im Rahmen der Einspeicherung einerseits Informationen „hinterlegt“ werden bzw. können diese spontan oder durch die intendierte Erinnerung von dort wieder – mehr oder weniger vollständig – „abgerufen“ werden. Man kann bildlich gesprochen auch sagen: es findet hier einerseits eine Einprägung (Prägung) im Rahmen des Erlebens bzw. des Denkens statt und umgekehrt ein mehr oder weniger exakter Aufbau von Information durch das wieder Durchlaufen der neuronalen Muster statt.

Demgemäß kann man sich etwa vorstellen, dass es auf diesem Weg, insbesondere bei wiederholtem Durchlaufen von gleichartigen neuronalen Prozessen es zur Konditionierung kommt, wohingegen in umgekehrter Richtung das Nicht mehr Aktivieren bzw. das nicht mehr Durchlaufen der neuronalen Programme das Vergessen befördert. Andererseits kann auch ein einmaliger massiver Eindruck eine bleibende Erinnerung hervorrufen.

Man kann sich also vorstellen, dass das Verblassen der Erinnerung die Folge der nicht mehr stattfindenden neuronalen Aktivität ist, die dieses neuronale Muster durchläuft. Damit kommt es zum natürlichen Vorgang des Vergessens.

In diesem Sinn kann man sich vorstellen, dass das Gedächtnis infolge einer natürlichen Funktion im Nervensystem entsteht, die einerseits zur normalen Aufnahme und normalen Abgabe von Information führt und andererseits zum natürlichen (biologischem) Datenverlust führt, wenn die neuronalen Muster nicht mehr durchlaufen werden.

Die fehlende spezifische neuronale Aktivität führt auf diesem Weg also zum natürlichen Vergessen – was auf der Ebene des Nervensystems einer „Verblassung“ der neuronalen Muster entspricht. Aus der klinischen Erfahrung kennt man andererseits die verschiedenen Formen und Ursachen einer Störung dieser Funktion und spricht man in der Psychologie und Psychiatrie im gegebenen Fall von einer Gedächtnisstörung falls dies das Ausmaß einer psychischen Störung erlangt hat.

Man stellt sich als Arzt oder Psychologe demgemäß also vor, dass es tatsächlich eine Natureinheit im Sinne einer abgegrenzten Einheit bzw. im Sinne einer abgegrenzten Funktionseinheit gibt, die man als Gedächtnis bezeichnet und die das Vermögen hat eine bestimmte Information als  biologische Einheit im sogenannten Kurzzeitgedächtnis oder im Langzeitgedächtnis einzuspeichern, um – betreffend den rationalen Teil – diese auf Abruf diese zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu erinnern und damit als Inhalt im Bewusstsein etwa als Gedanke/Vorstellung/Idee etwa in der Form des Begriffs der Idee etc. zur Verfügung zu stellen.

Und man kann auf dieser Grundlage sich auch vorstellen dass irrationale Inhalte aus dem Gedächtnis – hier vor allem aus dem unbewussten irrationalen Teil wirken, falls gewisse Symptome und nicht weiter sinnvoll erklärbare Phänomene auftreten – also Störungen der Gesundheit, konkret gesundheitliche Störungen und psychische Störungen auftreten wie sie in der Heilkunde aus der Klink der Medizin, PsychiatriePsychosomatik und auch aus der Psychotherapie bekannt sind.

Zu dieser Vorstellung/Theorie ist man gekommen, weil man die Erfahrung gemacht hat bzw. fortlaufend macht, dass man sich einerseits Inhalte merken und diese später wieder – mehr oder weniger vollständig – erinnern (memorieren) kann. Und andererseits weil gewisse Dinge geschehen ohne dass man sich diese sinnvoll erklären kann – worauf obenstehend hingewiesen worden ist.

Man stellt sich also vor, dass das Gedächtnis eine Funktionseinheit ist, die einerseits das Merken und andererseits das Erinnern leistet, und die damit die Grundlage für das Denken und somit für den Geist der Person bildet und die auch viele andere Funktionen leistet.

Das Konzept Gedächtnis beruht im Hinblick auf die Psyche somit auf dem Begriff der Merkfähigkeit und dem der Erinnerungsfähigkeit.

Dabei wird dieses Vermögen physiologisch betrachtet bzw. aus Sicht der Physiologie respektive aus Sicht der Neurophysiologie/Neurobiologie betrachtet durch die neuronale Funktion des Gehirns geleistet und es ist dies vor allem eine Leistung des zentralen Nervensystems.

Dabei zeigt sich der Funktionszustand des Gedächtnisses in der Gedächtnisleistung und es beruht die Gedächtnisleistung auf dem Vermögen zur bewussten und unbewussten Assoziation der Inhalte der Psyche.

Das Gedächtnis unterliegt dabei einer ständigen Entwicklung und es ist dafür die Neuroplastizität eine wesentliche Voraussetzung. Erst dadurch ist also das Lernen und damit die Lernfähigkeit gegeben.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet ist das Gedächtnis das Ganze der Teilleistungen: Merkfähigkeit, Erinnerungsfähigkeit im Sinn von Fähigkeit zur Reproduktion von Gedanken, Vorstellungen und sonstigem Vermögen etwa der Fähigkeit gewisse gelernte Funktionen (Sprache, Motorik, etwa Klavierspielen, Schreiben, Rechnen überhaupt alle Funktionen des Nervensystems) die irgendwann gelernt worden sind – wieder in Gang zu setzen. Es ist das Gedächtnis also, die zu Grunde liegende Einheit, die all diese Funktionen leistet. Damit erkennt man, dass das Gedächtnis erkenntnistheoretisch betrachtet die systematische Einheit der Idee ist, die durch den Begriff der Idee erkannt wird, wenn ich die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasse (vgl. mit Kant Zitat 7). Es ist das Gedächtnis also eine Vorstellung – ich kann auch sagen eine Theorie bzw. ein Konzept durch das man all diese Funktionen verstehen und erklären kann. Man kann auch sagen: das Gedächtnis ist die nur problematisch zum Grund gelegte Einheit (vgl. mit Kant Zitat 8) die all diese Funktionen leistet. Es ist dies also eine projektierte Einheit im Sinne von Immanuel Kant oder man kann auch sagen: es ist dies eine hypothetische Einheit oder eine virtuelle Einheit.

Unzweifelhaft ist diese Einheit als Konzept eine nützliche und damit eine zweckmäßige Einheit als deren Leistung man sich all diese Funktionen und Teilleistungen vorstellen kann, wie sie als Folge der klinisch zu beobachtenden Phänomene im Hinblick auf das Merken, Erinnern und Vergessen erklärt werden können. Ich kann auch sagen: das Gedächtnis ist die (systematische) Einheit aus der die  psychischen Phänomene entstehen die sich im Bewusstsein manifestieren. Dies trifft sowohl auf den Zustand der normalen psychischen Funktion wie auch auf den der abnormen bzw. der gestörten psychischen Funktion, also auf den der psychischen Störung zu. Weil die psychische Funktion sowohl im Zustand der Gesundheit wie auch in dem der Krankheit nur phänomenologisch begründet erfasst werden kann – kann ich die psychische Störung in der psychiatrischen Diagnostik nur psychopathologisch begründet bestimmen.

Hingegen ist das Gedächtnis keine biologische Einheit im Sinn einer physischen Natureinheit, die uns durch eine physisch scharf abgegrenzte Einheit gegeben ist. Man kann also das Gedächtnis auf der Ebene des Nervensystems nicht im Sinn einer faktischen Einheit (vergleichbar mit einer Festplatte) physisch (physikalisch) lokalisierbar, etwa mit der Methode der Funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) oder sonst einer physischen (physikalischen) Methode finden, feststellen und bestimmen. Vielmehr werden all die genannten Leistungen des Gedächtnisses biologisch betrachtet durch die einzelnen Nervenzellen in ihrem Verbund durch ihre Funktion geleistet – eben durch die neuronale Funktion – oder man kann auch sagen: durch die neuronale Aktivität beim Durchlaufen der neuronalen Prozesse – geleistet, insofern durch die Vernetzung über die einzelnen Synapsen, Dendrite und Axone die Funktion des Gedächtnisses infolge der übertragenen elektrischen Reize/Impulse/Aktionspotentiale die Information entsteht und diese auf nicht näher erklärbare Weise in den neuronalen Netzwerken durch die Analyse und Synthese verarbeitet wird (vgl. mit Pawlow Zitat).

Es handelt sich beim Gedächtnis also um ein Phänomen das durch das Zusammenwirken der hardware – im Sinn der Nervenzellen wie sie im Nervensystem über die Synapsen verschaltet sind – in Verbindung mit der software – den Programmen durch die neuronalen Mustern respektive durch die neuronale Funktion entsteht.

Damit erkennt man, inwiefern hier einerseits die Anlage (Genetik) im Sinn der ursprünglichen Anlage der Nervenbahnen und deren Entwicklung (Aussprossung der Dendriten und Verzweigung der Axone) stimuliert durch die spontane Aktivität und durch das Erleben – also durch das bewusste und unbewusste Lernen – im Sinn der Neuroplastizität – zur Entwicklung des Gedächtnisses durch den neuronalen Prozess führt und dadurch zur Erweiterung der Gedächtnisleistung.

Und, wie andererseits Störungen (akute Störung: Beispiel Koma nach Schädelhirntrauma, akute Intoxikation (Alkoholrausch, Drogenrausch usf.) oder vorübergehende Gedächtnisstörungen etwa bei Depression (depressiver Störung), dann auch chronische Störungen des Gedächtnisses bei Schädigung (entzündliche Vorgänge am Nervensystem: Multiple Sklerose, Meningitis mit Übergang zur Enzephalitis, Infarkte am Gehirn, Tumore etc.) und auch degenerative Abbauvorgänge im Sinn der Involution und Alterung (Degeneration, Plaquebildung: senile Plaques, Drusenbildung, wie sie als Folge einer Proteinfehlfaltungserkrankung (vgl. mit Wikipediaartikel) zu degenerartiven Veränderungen führen, wie sie in speziellen Formen: Alzheimer-Krankheit,  Pick-Krankheit, Lewy-Körper-Demenz, Amyotrophe Lateralsklerose usf.) vorkommen und zu lokalen oder diffusen Nervenzellverlusten und zur Störung der Nervenzellverbindungen und damit zur Abnahme der Gedächtnisleistung führen.

Schließlich können auch Funktionsstörungen anderer Genese, wie sie etwa im Rahmen einer Psychose vom Typ einer Schizophrenie auftreten zu Assoziationsstörungen und zu Gedächtnisstörungen führen (Schlagwort: Abnahme der Konzentration/Abnahme des Konzentrationsvermögens, verminderte psychische Belastbarkeit, verminderte psychische Leistungsfähigkeit) und kommt es damit zur Abnahme der Hirnleistung, wie dies zum Teil als Residualzustand bezeichnet wird.

Schließlich findet man auch im Rahmen der geistigen Behinderung eine eingeschränkte Funktionsleistung des Gehirns und damit eine eingeschränkte Gedächtnisleistung.

Biologisch betrachtet wird das Gedächtnis also durch die neuronale Funktion geleistet, die all diese Teilleistungen hervorbringt. Daher kann man sagen, dass die Funktion des Gedächtnisses sich aus den neuronalen Mustern ergibt, die mit dem Merken und Erinnern befasst sind. Insofern man sich vorstellt, dass das Gedächtnis wesentlich auf der Assoziation beruht. Auf dieser Basis kann man sich vorstellen warum der Speicher im Gehirn nie voll wird – wie dies etwa bei der Festplatte eines Computers der Fall ist, wo dann Speicherinhalte wieder gelöscht werden müssen um neue Inhalte einzuspeichern – sondern, es zeigt sich hier die Auslastung oder die relative Anhäufung der Daten darin, dass diese nicht mehr so gut gemerkt (eingespeichert) werden, wie dies früher der Fall war, dass also in Abhängigkeit vom Alter der Person die Merkfähigkeit und damit auch die Gedächtnisleistung – von Individuum zu Individuum verschieden – abnimmt – auch wenn die organischen Strukturen im Sinn der hard ware (Anzahl der Nervenzellen, Vernetzung derselben) noch relativ gut erhalten sind. Es ist hier in Bezug auf die Gedächtnisleistung also das Zusammenspiel der Funktion und der Biologie entscheidend.

Psychologisch betrachtet ist das Gedächtnis die Funktion, die das psychische Phänomen der Einprägung eines Gedächtnisinhalts und das psychische Phänomen des Wiederhervorholens des Gedächtnisinhalts leistet. Das Gedächtnis ist für viele psychische Funktionen essentiell. So zum Beispiel für die Orientierung. Bei Störungen des Gedächtnisses treten Orientierungsstörungen auf und es kann letztlich zur Verwirrung kommen. Es kann eine solche psychische Störung also schnell den Schweregrad einer Psychose erlangen (Beispiel: Demenz vom Typ der Alzheimerkrankheit (Morbus Alzheimer), oder vaskuläre Demenz im Sinn der Multi-Infarkt-Demenz).

Das Gedächtnis ist also die Funktion des Nervensystems, die es ermöglicht Inhalte einzuspeichern und diese später auszuspeichern und damit zu erinnern.

Die Funktion des Gedächtnisses kann durch verschiedene Gedächtnistheorien erklärt werden.

Das Gedächtnis leistet also das was man als Merkvermögen und als Erinnerung bzw. als Erinnerungsvermögen bezeichnet.

Man macht die Erfahrung dass früher Erlebtes, sei dies ein optischer Eindruck, oder sonst ein Eindruck, oder ein Gedanke, oder etwas was man gehört hat usw. später in der Regel wieder erinnert werden kann. Es kann also ein Inhalt der im zentralen Nervensystem abgespeichert worden ist, später zur Gänze oder teilweise wieder erinnert und damit aus dem Speicher hervorgeholt bzw. reaktiviert werden und auf die Ebene des Bewusstseins gehoben werden.

Durch die Erinnerung werden uns die Gedächtnisinhalte wieder bewusst.

Geht man davon aus, dass Erinnerungen Informationen sind, die auf der Ebene der Nervenzellen in der Form von neuronalen Mustern abgespeichert werden, so entspricht die Gedächtnisleistung der Fähigkeit etwas einzuspeichern und diesen Inhalt später zu erinnern, also der Fähigkeit neuronale Muster zu bilden, also diese aufzubauen und zu entwickeln, so dass diese wieder durchlaufen werden können. Dabei bezeichnet man den Vorgang der Einspeicherung als das Merken bzw. als die Merkfähigkeit und den Vorgang der Ausspeicherung als die Erinnerung.

Die Reaktivierung also das wieder-Durchlaufen von gewissen neuronalen Mustern führt zur Erinnerung von Gedächtnisinhalten und es ist dies somit die Gedächtnisleistung.

Auf diese Art und Weise werden Informationen einerseits eingespeichert und andererseits wieder aus dem Speicher hervorgeholt und damit erinnert. Das heißt diese Inhalte erscheinen als Folge dieser Funktion auf der Ebene der Bewusstseins.

Das heißt, das Gedächtnis und die Erinnerung hat mit der Reaktivierung von neuronalen Mustern zu tun, die früher erworben bzw. die früher bewusst oder unbewusst gelernt worden sind.

Die entscheidende Frage im Hinblick auf die Gedächtnisleistung und die Erinnerungsfähigkeit ist gemäß dieser Gedächtnistheorie: wie können die früher gelernten neuronalen Muster wieder aktiviert werden. Dabei erkennt man, dass einerseits die spontane Assoziation zur Erinnerung führt und es können  auch von außen kommende Reize die Assoziation bzw. die Erinnerung bewirken und diese damit bedingen.

Im Hinblick auf die Gedächtnisstörung geht es in der Psychiatrie und in der Psychologie um die Frage was hindert einerseits die Einspeicherung  und was hindert oder behindert andererseits die Ausspeicherung, also die Reaktivierung von eingespeicherten Inhalten. Auf der neuronalen Ebene betrachtet geht es also um die Frage: was hindert den Aufbau eines neuronalen Musters und was hindert oder behindert das in Gang setzen eines neuronalen Musters.

Aus der Sicht der Psychologie betrachtet handelt es sich beim Gedächtnis um ein psychisches Phänomen. Beim Gedächtnis handelt es sich um die Fähigkeit Gedankeninhalte, also Vorstellungen,  Gefühle, Empfindungen und sonstige Inhalte einzuspeichern, damit diese später wieder erinnert bzw. reaktiviert werden können, etwa beim Denken und beim Sprechen. Es kommt also beim Merken zu einer Prägung von Informationen in eine Matrix und beim Erinnern zur Hervorholung dieser Informationen aus dieser Matrix, die wir als Gedächtnis bezeichnen. Unter Umständen kann man bei der Einspeicherung auch von einer Konditionierung Gedächtnisinhalten in diese Matrix sprechen.

Neurophysiologisch bzw. neurobiologisch betrachtet ist das Gedächtnis die Fähigkeit diese Informationsinhalte auf der Ebene der Nervenzellen einzuspeichern. Es kommt also durch den Datenzufluß, wie er über die Sinneskanäle hereinkommt und auch durch den Datenzufluß, wie er durch die „inneren Operationen des Geistes“ (vgl. mit John Locke Zitat) also durch das bewusste und unbewusste Denken entsteht zum Aufbau der Gedächtnisinhalte. Durch diese neuronalen Abläufe bzw. durch diese mentalen Prozesse kommt es zum Aufbau der Daten – Inhalte im Gehirn, die als Gedächtnis bezeichnet werden. Psychologisch betrachtet geht dieser Durchlauf der neuronalen Funktion mit einer gewissen psychischen Funktion einher, die man psychisch betrachtet als bewusstes und zum Teil auch als unbewusstes Erleben bezeichnet. Es kann also dieser Vorgang von der jeweiligen Person mehr oder weniger bewusst erlebt werden. Man kennt in diesem Zusammenhang den Unterschied zwischen dem Wachzustand und dem Schlaf.

Dabei macht man die Erfahrung, dass assoziierte Gedächtnisinhalte im Vergleich zu den ursprünglich erlebten Inhalten relativ „abgeblasst“ sind. Das Gehirn ist also oftmals nicht in der Lage den identen Gedächtnisinhalt zu assoziieren bzw. das idente neuronale Muster zu aktivieren, sondern es wird eine schwächere Ausprägung und eventuell auch eine modifizierte Ausprägung – unter Umständen sogar eine verfälschte Form – erinnert bzw. assoziiert. Man kann daher sagen: das Abbild der Erinnerung entspricht nicht unbedingt dem Orginal. Dies ist unter anderem bei der Begutachtung und somit bei der Erstattung von forensischen psychiatrischen Gutachten und natürlich generell bei der Bewertung von Erinnerungen von Bedeutung, womit dieser Sachverhalt auch für die Rechtssprechung von Relevanz ist.

Man erkennt damit, dass diese Funktion des Gedächtnisses somit vom guten Funktionieren der Nervenzellen abhängig ist. Beziehungsweise auch vom ganzen Nervenzellverband und seiner Intaktheit abhängig ist. Der Entwicklungszustand im Sinn der „hardware“  und auch der Zustand des Nervensystems im Sinn der „software“ ist also von entscheidender Bedeutung für die Gedächtnisfunktion und die Gedächtnisleistung. Dies ist in der Psychologie bei einer psychologischen Untersuchung der Psyche grundsätzlich von Relevanz, etwa bei der Erfassung der Erfassung der Gedächtnisleistung in einem psychologischen Test. Und es ist dies in der Psychiatrie von Relevanz, wenn es um die Diagnostik und die Beurteilung und die Behandlung von psychischen Störungen geht. Man weiß, dass die Gedächtnisleistung bei psychischen Störungen vom Schweregrad einer Psychose in der Regel stark beeinträchtigt ist, insbesondere bei der Demenz, beim Organischen Psychosyndrom (OPS), teils auch bei  der Schizophrenie, bei schweren Depressionen und selbst auch bei den Neurosen kann die Merk- und die Gedächtnisleistung jedenfalls in Teilbereichen beeinträchtigt sein. Ebenso kann die Gedächtnisleistung im Rahmen einer Erschöpfung oder bei einem Burnout-Syndrom vermindert sind und selbstverständlich auch im Fall der Ermüdung bzw. der Übermüdung.

Entwicklungspsychologisch betrachtet bemerkt man, dass das junge Gehirn noch sehr leicht lernt und damit sehr gut lernfähig ist und daher noch sehr gut in der Lage ist sich neue Gedächtnisinhalte zu merken. Beim älter werdenden Gehirn nimmt die Einspeicherungsfähigkeit und auch die Ausspeicherungsfähigkeit allmählich ab. Auf der anderen Seite haben sich mit zunehmendem Alter inzwischen große Mengen an Gedächtnisinhalten angesammelt, die mehr oder weniger gut erinnert werden können.

Lernpsychologisch betrachtet ist das Gedächtnis das Vermögen Gedächtnisinhalte aufzunehmen und einzuspeichern, oder auch das Vermögen eingespeicherte Inhalte wieder loszuwerden, wenn es um das Loswerden von nicht erwünschten Inhalten geht. Es geht also einerseits um die Konditionierung und andererseits um die Dekonditionierung von Gedächtnisinhalten.

Im Vergleich zu einem Computer betrachtet ist die Gedächtnisleistung des Gehirns an die Assoziation im Nervensystem geknüpft, wohingegen beim Computer das Erinnerungsvermögen an die jeweilige Adresse auf dem PC, oder an die url- Adresse im Internet und die IP- Adresse des PC geknüpft ist. Vergleicht man diese Verknüpfungsarten so findet man, dass im Gehirn eine multidemensionale Verknüpfungsmöglichkeit in der Hinsicht gegeben ist, dass im Gehirn in den möglichen Bahnen – somit bildlich gesprochen auch „quer“ und damit abgekürzt durch das Gehirn die Informationen geleitet und damit assoziiert werden können. Man kann also im Gehirn das Gedächtnis durch die verschiedenen funktionellen Einheiten aktivieren. So wird man z.B. durch einen einen optischen Eindruck, oder durch einen Geruch an ein altes Erlebnis erinnert werden. Man kann also durch den Anblick einer Person an eine andere Person erinnert werden, oder man kann durch einen Geruch an etwas erinnert werden usf. Das Gehirn ist also in dieser Hinsicht tatsächlich multidimensional  in Bezug auf die Datenpfade verknüpft, wohingegen der PC uni-dimensional verknüpft ist und durch den seriellen Datenabgleich der gesuchte Gedächtnisinhalt letztlich hervorholt wird. Dafür ist der PC allerdings sehr schnell in der Datenleitung und damit in der Datenverarbeitung. Das Gehirn bewältigt die Datenleitung in der Größenordnung von einigen Metern pro Sekunde pro Nervenimpuls je nach dem um welchen Abschnitt es sich im Nervensystem handelt bis hin zu ca. hundert Meter pro Sekunde auf den peripheren Bahnen. Der PC arbeitet mit Lichtgeschwindigkeit, man muss dabei allerdings berücksichtigen, dass es an den Schaltstellen – den Chips – und gemäß den Netzwerkgegebenheiten zu Verzögerungen kommt. Verblüffend schnell wird das Auffinden der „Inhalte“ durch die Suchmaschinen im Internet geleistet, was offensichtlich durch  intelligente Algorithmen möglich wird.

Erkenntnistheoretisch betrachtet bzw. philososphisch betrachtet ist das Gedächtnis eine Einheit von der man denkt, dass es sie als abgegrenzte Einheit gibt. Man findet, dass das Gedächtnis eine projektierte Einheit ist. Es ist das Gedächtnis also die Einheit die die Funktion des Gedächtnisses als abgegrenzte funktionelle Einheit leistet. Man erkennt damit, dass es sich dabei um eine systematische Einheit handelt. Es ist dies also eine zu Grunde liegend gedachte Einheit, von der man denkt, dass es sie gibt in dem Sinn, dass diese Einheit diese Funktion des Gehirns leistet. Es wird also das Gedächtnis bzw. die Gedächtnisleistung durch den Begriff einer Idee auf der Ebene der Vorstellungen erkannt. Unter diesem Begriff erfasst man also die einzelnen psychischen Erscheinungen (psychischen Phänomene), die man als Gedächtnis bzw. als Gedächtnisleistung bezeichnet (vgl. mit Kant Zitat 7). Wir denken uns also, dass es eine solche Einheit gibt, die die Gedächtnisfunktion leistet, wobei diese Vorstellung, dass es eine solche Leistung gibt eine funktionelle Einheit ist, die man aus der Erfahrung abgeleitet hat. Auf der Ebene der Objekte bzw. auf der Ebene der neuronalen Funktion kann man keine physisch bzw. biologisch abgegrenzte Einheit finden, die mit dieser mental definierten Einheit korrespondiert. Sondern es handelt sich dabei – wie gesagt – um eine nur problematisch zum Grund gelegte Einheit (vgl. mit Kant Zitat 8) von der man denkt, dass es sie gibt. Diese mental definierte Einheit ermöglicht es uns über die psychische Funktion, die man als Gedächtnis bezeichnet, nachzudenken und diese Funktion unter diesem Begriff  intellektuell zu kommunizieren. Mit anderen Worten: man muss das Vermögen das man als Gedächtnis bezeichnet unter dem Begriff einer Idee geistig auffassen und dieses damit durch ein Wort benennen um überhaupt die Gedächtnisleistung und damit das Gedächtnis unter einem Begriff denken zu können. Es ist dies also eine Theorie über das Gedächtnis bzw. eine Gedächtnistheorie.

Schichtartiger Aufbau des Gedächtnisses

Man macht die Erfahrung, dass das Gedächtnis schichtartig aufgebaut ist. Zu diesem Verständnis gelangt man wenn man im entspannten Zustand bemerkt wie spontan ein Einfall nach dem nächsten ins Bewusstsein gelangt. Es kann sich dabei um verbale und um non-verbale Gedächtnisinhalte handeln, die spontan ins Bewusstsein eintreten. Es werden also diese Inhalte spontan assoziiert und sie gelangen damit vom Unbewussten ins Bewusstsein. Neurobiologisch betrachtet kann man sich diesen Sachverhalt so erklären, dass die neuronalen Muster spontan auseinander hervorgehen und diese den Inhalt im Bewusstsein bestimmen. Solange also eine gewisse Spannung im Nervensystem in gewisser Hinsicht vorherrscht und noch nicht eine Mittellage /Balance sich eingestellt werden auf diese Art und Weise Inhalte generiert und damit produziert, die auf der Ebene des Bewusstsein als Einfälle bzw. als Inhalte des Gedächtnisses und als sonstige Produkte des mentalen Prozesses erlebt werden. (vgl. mit dem Beitrag: reines Bewusstsein)

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(letzte Änderung 20.11.2020, abgelegt unter: Definition, denken, Erinnerung, Erkennen, Gedächtnis, Nervensystem, Psyche, Psychiatrie, Psychologie)

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