Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Prozess

Ein Prozess ist ein Vorgang, ein Geschehen.

Der Begriff Prozess stammt vom lateinischen Wort procedere – voranschreiten, vorwärtsgehen.

Man kennt unterschiedliche Prozesse.

Etwa den Prozess bei Gericht womit das Gerichtsverfahren gemeint ist.

Oder es gibt in einem Organismus biologische Prozesse und biochemische Prozesse.

Oder es gibt in einem biologischen System unterschiedliche Prozesse.

In einer Gesellschaft gibt es soziologische Prozesse die zur Entwicklung der Gesellschaft beitragen.

Es gibt chemische Prozesse, biochemische Prozesse und physikalische Prozesse.

In Bezug auf die Verschiebung der Erdplatten kennt man den tektonischen Prozess.

Demgemäß kann ein Prozess ein Vorgang sein, der je nach der „Materie“ von gewissen Bedingungen abhängt und gemäß diesen Voraussetzungen abläuft.

In der Chemie können etwa im Hinblick auf eine chemische Reaktion die Konzentration der einzelnen Stoffe, die Temperatur, der Säurewert usf. die Reaktionsgeschwindigkeit und damit den Ablauf des chemischen Prozesses bestimmen.

Ein Prozess kann im Hinblick auf den Ablauf mehr oder weniger geordnet sein. Auch dies wird wieder von der Materie und den einzelnen Faktoren abhängen. In vielen Fällen wird der Prozess das Ergebnis von verschiedenen Einflüssen sein und demgemäß die Folge einer komplexen Ursache.

Es kann ein Prozess ein geordneter Ablauf/eine Funktion oder sonst ein regulär voranschreitender Vorgang sein, der entweder allein oder im Verbund mit anderen Größen/Einheiten/Parametern/Prozessen sich – entweder in einem System geregelt und daher regelmäßig, oder in einer sonstigen Struktur /Umgebung/Umfeld entwickelt und unter Umständen mehr oder weniger „geordnet“ (Beispiel: Ausbreitung eines Waldbrands, je nach Wind, örtlichen Gegebenheiten usf.) oder ungeordnet bis chaotisch ablaufen (Beispiel aus der Medizin: Dekompensation des Organismus als biologisches System bei Multiorganversagen).

Damit wird klar, dass natürliche bzw. naturgemäße biologische Prozesse in einem Organismus und auch in einem biologischen System sich in einem gewissen Spektrum abspielen.

So kann etwa ein Prozess in einem  biologisches System normal ablaufen und sich fortlaufend weiter in einem gewissen Bereich entwickeln (etwa die natürliche neuronale Funktion im zentralen Nervensystem, wie sie durch das Elektroenzephalogramm (EEG) als normales Hirnstombild/Hirnstromaktivität und damit als natürlicher Vorgang der Nervenzellen im Bereich des Kortex elektrophysiologisch aufgezeichnet werden kann. Anmerkung: falls abnorme bzw. pathologische Aktivitäten auftreten, wird dies im Hirnstrombild (EEG) sichtbar und kann dies klinisch ab einer gewissen Aktivität mit einem Anfallsgeschehen korrelieren bzw. als solches in der klinischen Erscheinung bzw. im klinischen Erscheinungsbild sichtbar werden. Man spricht dann in der Neurologie entweder von einem fokalen epileptischen Anfall oder von einem generalisierten Anfall (Grand mal)).

Dabei sind diese elektrischen Prozesse im Nervensystem das Ergebnis von biochemischen Vorgängen bzw. biochemischen Vorgängen in den einzelnen Nervenzellen – die über die Axone, Dentriten und Synapsen – in einem neuronales Netzwerk miteinander verbunden sind.

Auf diese Art und Weise sind in einem Organismus ständig elektrische und biochemische Vorgänge bzw. Stoffwechselprozesse und sonstige Veränderungen im Gang, die teils gemessen werden können und die teils nicht physisch/physikalisch/chemisch/biochemisch messbar sind, sondern die nur durch den Begriff der Idee bzw. nur durch den Begriff eines Konzepts erfasst werden können.

Oder es kommt aus der befruchteten Eizelle durch den Prozess der Zellvermehrung und der Differenzierung zur Entstehung und Entwicklung des neuen Organismus bzw. zum neuen Lebewesen. Dabei bildet dieser neue Organismus mit seinen Zellen, Organen und Organsystemen die Basis für die unterschiedlichen Prozesse, die ihrerseits im Lauf des Lebens wiederum einer gewissen Veränderung im Sinne der altersbedingten Änderung (Reifung/Evolution/Rückbildung/Degeneration) unterliegen.

Bei den höher entwickelten Lebewesen kommt es etwa im Lauf des Lebens im zentralen Nervensystems zu einer Form von neuronaler Aktivität die man als mentale Prozesse bezeichnen kann, die letztlich bei den höchst entwickelten Lebewesen als Denken und Fühlen und durch sonstige Begriffe der Psychologie beschrieben werden können.

Normale und gestörte Prozesse im Organismus:

In der Heilkunde, hier insbesondere in der Medizin mit ihren Fachbereichen (Innere Medizin, Neurologie, Gynäkologie, Urologie usf.) und in den Grundlagenfächern (Biologie, Biochemie, Physiologie usf.) sowie in der Pathologie (Pathophysiologie) ist man teils mit normalen und teils mit gestörten, abnormen (pathologischen) Prozessen befasst, die man als psychosomatische Störungen bezeichnet.

In den vorgenannten Bereichen werden Störungen der unterschiedlichen Prozesse auf der Ebene des Körpers untersucht und in der Wissenschaft systematisch studiert. Hingegen ist man in der Psychologie und Psychiatrie mit den normalen Zuständen und teils gestörten Zuständen der Psyche befasst – am Rande natürlich auch mit auftretenden körperlichen Störungen. Und schließlich untersucht man im Fach der Psychosomatik die Zusammenhänge der Psyche mit dem Körper bzw. ist man hier im Hinblick auf die gesundheitlichen Störungen gestörten Prozessen auf der Ebene des Körpers und der Psyche befasst.

In der Medizin und in den anderen genannten Bereichen hat man diverse Heilmittel und Medikamente entdeckt durch die gesundheitliche Störung günstig beeinflusst werden können bzw. kann damit der Störung der Prozesse im Organismus entgegengewirkt werden. Es kann durch diese Mittel also die Genesung in vielen Fällen unterstützt werden damit es zum Übergang vom Stadium der Krankheit bzw. der gesundheitlichen Störung zum Zustand der normalen Funktion und damit zur Beförderung der Gesundheit kommt. Man kann auch sagen, dass durch diese Einwirkung auf die Vorgänge der Heilungsprozess bzw. die Genesung unterstützt werden.

In ähnlicher Weise hat man auch in der Psychiatrie therapeutische Maßnahmen und Unternehmungen erkannt die zur vorteilhaften Beeinflussung der Psyche – also zur Behandlung der psychischen Störungen – nützlich sind (etwa das ärztliche Gespräch hat hier einen herausragenden Stellenwert und auch die Wirkung von sonstigen Maßnahmen z. B. die Wirkung der Psychopharmaka/Psychotherapie/Ergotherapie/Musiktherapie/Soziotherapie usf. sind in vielen Fällen wesentlich) um dadurch die weitere Entwicklung des Individuums zu fördern.

Zu Prozessen in sonstigen Bereichen:

Der Begriff Prozess wird in der Rechtsprechung für den Ablauf des Gerichtsverfahrens verwendet.  So unterscheidet man bei Gericht etwa einen Zivilprozess von einem Strafprozess, insofern hier gemäß dem jeweiligen Sachverhalt die Argumente und sonstigen Beweismittel der Parteien berücksichtigt werden und letztlich durch das Gerichtsurteil der Prozess entschieden wird.

Oder man kennt den Begriff Prozess in der Technik, wo durch einen gewissen Vorgang etwa ein Produkt nach einem technischen Verfahren hergestellt wird.

Oder man kennt den Begriff Prozess in der Physik und Informatik wo etwa durch den elektrischen Strom betrieben ein Gerät eine gewisse Funktion ausführt und Signale nach einem gewissen Programm verarbeitet um den gewünschten Vorgang zu leisten.

Erkenntnistheoretisch betrachtet ist ein Prozess ein Vorgang der primär durch den Begriff der Idee erfasst wird der diesen Vorgang beschreibt (vgl. mit Kant Zitat 7). Demgemäß wird der Prozess – aus der Sicht der erkennenden Person – primär durch die systematische Einheit der Idee erfasst bzw. erkannt (vgl. mit Kant Zitat 7).

Sekundär kann allerdings manch ein Prozess auf eine physische Einheit und daher auf eine faktische Einheit zurückgeführt und damit objektiv gültig bestimmt werden – was hingegen für den Begriff der Idee nicht zutreffend ist, da dieser vom erkennenden Subjekt nur subjektiv gültig erkannt wird. Man kann daher auch sagen: ein Prozess wird im Rahmen der Erfahrung von der erkennenden Person primär durch ein Wahrnehmungsurteil im Sinne von Immanuel Kant erkannt. Manch ein Prozess kann allerdings (sekundär) physisch/physiologisch/chemisch/biochemisch etc. gemessen und damit allgemein gültig – also unabhängig von der Person – und somit objektiv gültig bestimmt werden. Mit anderen Worten: man kann einen solchen Prozess etwa im Hinblick auf den untersuchten Parameter – unabhängig von der untersuchenden Person – durch ein Erfahrungsurteil etwa in der Physik, Chemie, Biochemie etc. allgemein gültig bestimmen und demgemäß in der Wissenschaft die Messwerte statisch allgemein gültig untersuchen – was hingegen für Größen, die auf Wahrnehmungsurteilen beruhen, nicht zutreffend ist.

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(letzte Änderung 12.03.2020, abgelegt unter: Begriff, Definition, denken, Diagnostik, Erkennen, Funktion, Medizin, Nervensystem, Psyche, Psychiatrie, Wissenschaft)

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