Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Bewusstseinsstörung

Eine Bewusstseinsstörung ist eine Störung des Bewusstseins.

Somit manifestiert sich eine Bewusstseinsstörung psychologisch bzw. psychopathologisch betrachtet als psychopathologisches Phänomen.

Man kann daher sagen, dass die Bewusstseinsstörung ein Zeichen einer psychischen Störung ist.

Ebenso kann die Bewusstseinsstörung ein Zeichen einer neurologischen Störung sein.

Und schließlich kann die Bewusstseinsstörung auch das Zeichen einer kombinierten Störung der Gesundheit sein, insofern sowohl die Psyche, wie auch der Körper in seiner Funktion gestört ist.

Es führt eine Bewusstseinsstörung nämlich in jedem Fall zu einem auffälligen Befund in Bezug auf die Psyche und unter Umständen auch zu einem krankheitswertigen Befund in Bezug auf das Nervensystem in seiner körperlichen Funktion.

Es kann eine Bewusstseinsstörung also ein Merkmal einer psychiatrischen Diagnose sein oder das Merkmal einer neurologischen Diagnose, oder es ist die Bewusstseinsstörung ein Nebenbefund bei einer sonstigen medizinischen Diagnose (Beispiel 1: Bewusstseinsstörung bei entgleistem Diabetes mellitus / Diabetisches Koma, Beispiel 2: Bewusstseinsstörung bei dekompensierender Lebezirrhose mit Delir usf.).

Die Bewusstseinstörung tritt biologisch betrachtet als Folge einer Störung des Nervensystems auf. Es ist bei einer Bewusstseinsstörung also die neuronale Funktion gestört, und es handelt sich hierbei um eine Funktionsstörung auf der Ebene der Nervenzellen bzw. der neuronalen Netzwerke, insbesondere im Bereich des Gehirns.

Psychologisch betrachtet bzw. aus der Sicht der Psychopathologie ist eine Bewusstseinstörung die Folge der Störung der psychischen Funktion. Dem Grad nach keine eine leichte Bewusstseinsstörung das Ausmaß einer Benommenheit haben oder es kann auch das Phänomen eines Schwindels bestehen insofern sich die Person im Raum unsicher fühlt etwa beim Gehen usf. Bezüglich der Qualität kann die Bewusstseinsstörung von der Art sein dass das Bewusstsein getrübt ist wohingegen es im normalen Zustand klar ist. Es kann das Bewusstsein subjektiv als eingeengt  erlebt werden.

Im Zusammenhang des Konsums von psychotropen Substanzen (Alkohol, Cannabis und sonstigen Drogen) kann das Bewusstsein in seiner Qualität pathologisch verändert sein.

Und es kann das Bewusstsein auch durch endogene Vorgänge (emotionale Erregung infolge der Emotion, oder infolge einer Depression oder Manie) verändert sein. Bei der psychischen Störung vom Typ der Schizophrenie kennt man charakteristische Störungen, die sich auch auf die Qualität des Bewusstsein auswirken. Man kennt hier das psychopathologische Phänomen der wahnhaften Gestimmtheit das mit einer besonderen Form der Einengung des Bewusstseins einhergeht, insofern die betroffene Person hier in ihrer Kognition krankhaft verändert ist und Informationen ablehnt, die ihre wahnhaften Ideen bzw. den Wahns respektive die Paranoia nicht bestätigen. In leichter Form kennt man dies auch bei der überwertigen Idee, wie sie im Rahmen der normalen psychischen Funktion vorkommen kann und als Folge der ausgeprägten Emotion oder sonstiger Faktoren einer komplexen Ursache auftritt.

Immer handelt es sich bei einer Bewusstseinsstörung um eine Störung, die biologisch betrachtet auf der Ebene des Nervensystems abläuft. Es ist hier also die neuronale Funktion im zentralen Nervensystem, insbesondere im Bereich des Gehirns gestört.

Weiteres zu Bewusstseinsstörungen wie sie in der Heilkunde diagnostiziert werden:

In der Psychiatrie wird eine Bewusstseinsstörung beim Rausch, beim Delir, in vielen Fällen einer Psychose, bei vielen Organischen Psychosyndromen (OPS), auch bei gewissen Formen einer Demenz als psychopathologisches Phänomen festgestellt.

Auch in der Medizin können bei gesundheitlichen Störungen Bewusstseinsstörungen auftreten (bei Mangel an Sauerstoff, so etwa bei der Taucherkrankheit, bei hochgradigen Stoffwechselstörungen etwa in der Form des Koma Diabeticum, unter Umständen bei starken Schmerzen, bei Leberinsuffizienz, bei Nierenversagen, im Rahmen einer Intoxikation, bei Herzversagen, bei Lungenerkrankungen usf.).

Und es treten Bewusstseinsstörungen natürlich in der Neurologie bei verschiedenen neurologischen Störungen auf (bei einem epileptischen Anfall also bei Epilepsie, nach schwerer Kopfverletzung bzw. Gehirnschädigung etwa in der Form eines Durchgangssyndroms oder in der Form eines Wachkoma, bei Zustand nach Schlaganfall /  Apoplexie usf. und es können Bewusstseinsstörungen auch im Rahmen von funktionellen Anfällen auftreten, ohne dass in der Diagnostik relevante körperliche Befunde festgestellt werden können).

Aus der Psychologie / Psychiatrie kennt man Störungen des Bewusstseins als Übergänge aus dem Zustand des normalen Bewusstseins, also aus dem Zustand der Wachheit heraus oder aus dem Zustand des Schlafes im Sinn von Natürlichen Vigilanzschwankungen, die mit Bewusstseinsschwankungen einhergehen (Tagtraum, Trance, Hypnose, Sekundenschlaf bei Übermüdung, Bewusstseinsstörungen mit verminderter Konzentration etwa bei Erschöpfung) und es treten Bewusstseinsänderungen und Bewusstseinsstörungen auf, die eindeutig als krankheitswertige Bewusstseinsstörungen imponieren (Schlafwandeln, Narkolepsie usf., Zustand nach epileptischem Anfall usf.)

Ebenso gibt es bei einem Teil der psychosomatischen Störungen, wie sie in der Psychosomatik diagnostiziert werden Störungen im Bewusstsein, etwa bei einer ausgeprägten Anorexie, die bereits Symptome eines Organischen Psychosyndroms (OPS) zeigt.

Demgemäß müssen die Zeichen der Störung in der Bewusstheit im Rahmen der Diagnostik näher abgeklärt werden.

Mit anderen Worten: es ist also eine fachlich qualifizierte Abklärung erforderlich, insbesondere bevor eine Psychotherapie begonnen wird.

.

(letzte Änderung 06.05.2017, abgelegt unter: Begriff, psychiatrischer Begriff, psychologischer Begriff, Bewusstheit, Bewusstsein, Definition, Diagnostik, Diagnostizieren, Forensik, Forensische Psychiatrie, Gesundheit, Gutachten, Medizin, Psyche, Psychiatrie, Psychologie, Psychopathologie, Psychose, Psychosomatik, Psychotherapie).

.

…………………………………………………

weiter zum Beitrag: Bewusstheit

………………………………………………….

weiter zum Beitrag: Bewusstsein

…………………………………………………..

weiter zum blog: Psychopathologie

……………………………………………………

Antiloop GmbH / bechtold.at.