Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

über die Tiefe des Verstehens, 2. Teil

Im Anschluß an den Beitrag: über die Tiefe des Verstehens, 1. Teil folgt hier der 2. Teil:

Das Verstehen hat grundsätzlich mit dem Erkennen von Zusammenhängen zu tun.

Wie im Teil 1. gesagt worden ist, ist es wahrscheinlich neuro-physiologisch gesehen so, dass beim Akt des Verstehens ein Datenabgleich von neuronalen Impulsen, im Sinne eines Vergleichs von neuronalen Mustern stattfindet.

Wie dies auf der Ebene des Nervensystems von statten geht wissen wir nicht, das Erbenis wird uns jedoch bewusst. Es ist so wie bei einer „black box“ es werden gewisse Daten aufgenommen und führen diese Eindrücke bzw. Informationen dazu, dass man gewisse Zusammenhänge erkennt bzw. „versteht“.

Wie schon gesagt worden ist, gibt es ein verbales Verstehen und ein nonverbales Verstehen. Das verbale Verstehen ist ein Verstehen in Begriffen, das nonverbale Verstehen ist ein situatives Verstehen auf der Grundlage von nonverbalen Informationen, etwa von Bildern und sonstigen Vorstellungen die nicht durch einen Begriff benannt werden können.

Wenn man nun bezüglich der Tiefe des Verstehens von einem oberflächlicheren Verstehen spricht, so kann man tatsächlich auch hirnphysiologisch von einem oberflächlicheren Geschehen sprechen, wenn damit ein überwiegend nur kognitives Verstehen gemeint ist.

Das heißt, wenn man rationale Argumente, also eine Sequenz von Begriffen versteht, dann entspricht dem neurophysiologisch eine Gehirnaktivität bei der vorwiegend die corticalen Gehirnstrukturen aktiv sind und die man als Denken bezeichnet, wohingegen die tieferliegenden Gehirnstrukturen, die Gehirnstrukturen, wo die Emotionalität und das Fühlen repräsentiert ist, dabei nicht vordergründig aktiv sind.

Dies macht auch den Unterschied aus, ob man eine Sache selbst erlebt hat, oder ob man eine Sache nur infolge einer Ansage – z.B. infolge eines Ratschlages – „erfahren“ hat. Wenn man eine Sache selbst erlebt hat und in jeglicher Hinsicht durch die Sache – im sprichwörtlichen Sinn – hindurchgegangen ist. Wenn man die Sache also auch emotional durchlebt hat, dann hat man ein viel tieferes Verständnis für dieses Erlebnis erworben.

Man kann also neurophysiologisch gesehen, sagen, dass in diesem Fall der persönlichen Erfahrung nicht nur die cortikalen Gehirnstrukturen beim Akt des Verstehens beiteiligt sind, sondern auch die tieferliegenden Gehirnstrukturen, wo die Emotionalität repräsentiert ist.

Damit wird auch verständlich warum z.B. die „Erfahrung“ eines Ratschlages bzw. einer gut gemeinten Ansage nicht so tief geht und auch nicht so nachhaltig wirksam ist, wie die persönliche Erfahrung, wenn man die Sache selbst erlebt hat.

In diesem Sinne macht jeder Mensch im Laufe seines Lebens seine Erfahrungen und kann man aus seinen Erfahrungen lernen.

Das Lernen und das Verstehen entwickeln sich also auf diese Art und Weise fortlaufend und gegenseitig und sollte man die Gelegenheiten nützen die einem das Leben bietet.

 

(letztes update 25.3.2012)

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