Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Funktionseinheit

Eine Funktionseinheit ist eine Einheit die eine gewisse Funktion leistet.

Es kann eine Funktionseinheit eine Einheit sein die eine physische (physikalische) Funktion leistet (Beispiel: eine Pumpe saugt Wasser aus der Zisterne; Beispiel: ein Mobiltelefon empfängt die Signale vom Sendemast).

Oder es kann eine Funktionseinheit eine biologische Funktionseinheit sein. Zum Beispiel kann man das Herz als Organ, das wie eine Pumpe funktioniert als biologische Funktionseinheit bezeichnen.

Oder es leistet die Niere im Organismus als biologische Funktionseinheit die Filtration der harnpflichtigen Stoffe, die infolge im Harn über die Harnleiter, die Harnblase und die Harnröhre aus dem Organismus ausgeschieden werden.

Oder es leistet das Gehirn als Teil des zentralen Nervensystems neben anderen Funktionen die psychische Funktion und wirkt in diesem Sinne als biologische Funktionseinheit.

Es kann das Gehirn als Organ also die psychische Funktion und damit die Erscheinungen der Psyche etwa die Kognition, das Denken und das Fühlen etc. leisten. Man kann also sagen dass etwa die genannten psychischen Phänomene als Folge der neuronalen Aktivität in den neuronalen Netzwerken des Gehirns entstehen und so gesehen  Teilleistungen dieser biologischen Funktionseinheit sind.

Man kann eine Funktionseinheit unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten und in vielen Fällen in weitere Untereinheiten gliedern.

So kann man etwa im Hinblick auf die Psyche die Funktionseinheit unterscheiden, die für die Kognition zuständig ist und die damit eine elementare Voraussetzung für  das Denken ist. Dabei hat man durch die Erfahrung begründet erkannt, dass gewisse Bereiche des Gehirns nämlich vor allem der Kortex – also die Hirnrinde – diese neuronale Funktion leistet.

Oder man kann in Bezug auf die Psyche die Funktionseinheit unterscheiden, die für das Gemüt zuständig ist, und die damit das Fühlen leistet. Und man hat diesbezüglich empirisch begründet erkannt, dass dieser Teil der neuronalen Funktion wesentlich vom limbischen System geleistet wird. Man kann also sagen dass in diesem Bereich des zentralen Nervensystems die neuronalen Muster entstehen die wesentliche für das Fühlen bzw. das Gemüt sind.

Dabei kann man die Funktionseinheit, die die Kognition leistet in Analysatoren und Integratoren gliedern und diese im Nervensystem in Bezug auf ihre Lokalisation der Gehirnrinde zuordnen (vgl. mit Pawlow Zitat).

Es wird in diesen Funktionseinheiten also jeweils eine spezielle neuronale Funktion geleistet, die schwerpunktmäßig gewissen Hirnregionen zuordenbar ist.

Es können im zentralen Nervensystem also übergeordnete Funktionseinheiten in weitere Untereinheiten gegliedert werden, und man kann etwa mit der Methode der Funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) erkennen, welche Gehirnbereiche bei einer bestimmten Funktion besonders aktiv sind.

Ebenso kann man Funktionseinheiten im zentralen Nervensystem in Verbindung mit den jeweiligen Sinnesorganen beschreiben, etwa die das Sehen, das Hören, das Riechen, das Schmecken und den Tastsinn leisten.

In diesem Sinn kann man im Nervensystem unterschiedliche Funktionseinheiten beschreiben. Dabei hat man die Kenntnis über die Lokalisation durch die klinischen Erfahrungen gewonnen. Man hat nämlich in Kenntnis der Effekte die Hirnverletzungen und deren Folgen erkannt welche Hirnfunktionsstörungen welche Wirkungen zur Folge hatten. Durch intraoperative Stimmulation konnte man in der Neurochirurgie dieses Wissen noch weiter vertiefen und demgemäß in der Anatomie/Neuroanatomie/Neurophysiolgie/Physiologie entsprechende Funktionsbereiche mehr oder weniger scharf begrenzt beschreiben.

Biologisch betrachtet ist eine Funktionseinheit in einem Organismus also eine dynamische Einheit die je zu einem gewissen Zeitpunkt eine gewisse Funktion leistet.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet wird dabei die einzelne Funktionseinheit durch den Begriff der Idee (vgl. mit Kant Zitat 7) erkannt und beschrieben und damit definiert. Und es kann damit diese Funktionseinheit intellektuell bzw. sprachlich durch diesen Begriff in einer menschlichen Sprache kommuniziert werden. Bei einer derartigen Funktionseinheit handelt es sich also um eine systematische Einheit, die durch den Begriff der Idee erkannt wird (vgl. mit Kant Zitat 7), wohingegen eine physische (physikalische) Funktionseinheit eine wirklich existente Einheit ist – auch wenn sie nicht immer physisch scharf abgegrenzt beschrieben werden kann.

Es kann eine Funktionseinheit also entweder eine physisch mehr oder weniger scharf abgegrenzte Einheit im Sinn einer physischen und damit eine faktische Einheit sein.

Oder es ist die Funktionseinheit eine Einheit, die nicht physisch beschreibbar ist. In einem solchen Fall handelt es sich bei der Funktionseinheit um eine zu Grunde liegend gedachte Natureinheit. Es ist dies also eine Funktionseinheit, die eine gewisse Funktion leistet ohne dass ihr ein physischer Bereich sicher zugeordnet werden kann.

Neben den Funktionseinheiten die in Bezug auf das Nervensystem beschrieben worden sind, gibt es zum Beispiel auch die Funktionseinheit, die man als das Hormonsystem bezeichnet, oder die Funktionseinheit, die man als das Immunsystem bezeichnet. Bei einer solchen Funktionseinheit kann man ebenfalls keine scharfe physische Grenze angeben, was im Körper  bzw. was im Organismus zu dieser Funktionseinheit dazu gehört und was nicht dazu gehört.

Es ist eine solche Einheit also eine systematische Einheit, die ich erkenne, wenn ich die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasse (vgl. mit Kant Zitat 7).

Daher ist eine solche Funktionseinheit eine nur begrifflich (scharf) „begrenzte Einheit“ bzw. eine Funktionseinheit, die auf der Ebene des Denkens als Einheit – somit auf der Ebene des Verstandes und der Vernunft in meinem Bewusstsein als Gegenstand in der Idee erscheint (vgl. mit Kant Zitat 7), wohingegen auf der Ebene des Körpers bzw. auf der Ebene der Objekte in vielen Fällen keine scharfe, physische Grenze angegeben werden kann.

In diesem Sinn kann man zum Beispiel in der Heilkunde und hier in der Medizin in der Anatomie, in der Physiologie und in anderen Bereichen Funktionseinheiten beschreiben, die gewisse Funktionen in einem klar definierten Sinn leisten, obwohl es keine scharfe, physische Grenze gibt, die man auf der Ebene des Körpers bzw. auf der physischen Ebene angegeben und physisch gegenüber dem sonstigen Organismus bestimmen kann.

Mit anderen Worten: es kann eine solche Funktionseinheit nicht physisch bzw. physikalisch (etwa durch eine Labormethode, einen Laborparameter, eine bildgebende Einheit oder durch einen sonstigen physischen Parameter gemessen bzw. durch einen physischen Maßstab bestimmt werden, sondern ich kann diese Einheit nur jenseits der physis – somit nur meta-physisch – also nur auf der Ebene der Ideen durch den Begriff der Idee – somit nur durch meinen persönlichen geistigen Maßstab bestimmen, abschätzen und in Bezug auf die Grenzen definieren (vgl. mit Kant Zitat 7).

Philosophisch bzw. erkenntnistheoretisch betrachtet kann ich also eine solche Funktionseinheit und insbesondere eine Funktionseinheit die eine funktionelle Einheit erfasst nur mit der philosophischen Methode der Dialektik also nur durch das Gewichten (Ponderieren) der Ideen (im Sinn von Immanuel Kant) bestimmen, indem ich geistig durch mein Denken – somit durch meinen Verstand und meine Vernunft abschätze, ob etwa etwas dazugehört oder nicht dazugehört (Beispiel: ob etwa die Haut als Organ zum Immunsystem dazu gehört oder nicht dazu gehört. Auf der Ebene der Objekte kann ich höchstens gewisse Merkmale etwa Mastzellen oder andere Merkmale finden, die meine Erklärung bzw. meine Theorie stützen und damit mein Verständnis bezüglich dieser Funktionseinheit möglich machen bzw. das Erklären und Verstehen ermöglichen.). Oder bei einer Funktionseinheit die eine funktionelle Störung repräsentiert kann ich nicht kann ich keine scharfe Grenze etwa bezüglich des Symptomenkomplexes angeben was noch als Symptom bzw. als Phänomen dazu gehört und was nicht dazu gehört – ich muss hier diesen Symptomenkomplex im Vergleich zu einem anderen Symptomenkomplex definieren.

Funktionseinheiten in verschiedenen Bereichen:

In der Anatomie leisten zum Beispiel gewisse Muskeln in Verbindung mit dem Kniegelenk eine gewisse Bewegungsfunktion.

Das Herz leistet in Verbindung mit den Blutgefäßen den Umlauf des Blutes, also die Blutzirkulation im Herz-Kreislaufsystem und damit die Versorgung im Organismus.

In der Technik ist zum Beispiel ein Mobiltelefon eine Funktionseinheit, die den Empfang von gewissen Signalen leistet und andererseits auch Signale senden kann. Ebenso ist ein Computer oder ein Server eine Funktionseinheit. Ein Automotor ist eine Funktionseinheit, die den Antrieb für das Fahrzeug leistet.

Ein Fieberthermometer ist eine Funktionseinheit mit der man die Körpertemperatur messen kann.

Ein elektrischer Generator ist eine Funktionseinheit, die elektrischen Strom aus der elektrischen Spannung und dem Stromfluss erzeugt.

Man kann also künstliche und natürliche Funktionseinheiten in dern verschiedensten Bereichen (in der Technik, in der Medizin, in der Biologie, in der Natur, bei Pflanzen und Tieren, beim Mensch usf.) beschreiben.

Im Nervensystem bildet zum Beispiel das extrapyramidale System eine definierte Funktionseinheit im Sinn einer  mental abgegrenzten Natureinheit. In der Physiologie und demgemäß auch in der Neurologie werden verschiedene Funktionseinheiten unterschieden (sensibles System, motorisches System, Vegetatives Nervensystem, zentrales Nervensystem gegenüber dem peripheren Nervensystem usf.)

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(letzte Änderung 22.01.2020, abgelegt unter: Begriff, Definition, Einheit, Funktion Medizin, Nervensystem, Neurologie, Physiologie)

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