Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Orientierung

Die Orientierung ist das Wissen um etwas Besonderes.

In vielen Fällen meint man mit der Orientierung die örtliche Orientierung also das Wissen um den „Ort“ an dem man sich befindet.

Die Orientierung kann sich jedoch auf eine andere Größen/Parameter/Einheiten beziehen. Man kennt zum Beispiel den Begriff der zeitlichen Orientierung. Oder die Orientierung in Bezug auf die momentane Situation. Oder kann die Orientierung unvollständig sein etwa in Bezug auf eine Organisation oder in Bezug auf eine Funktion etwa in einer Institution (wer macht zu gegebener Zeit was?) usf.

Demgemäß bedeutet der Begriff Orientierung in den einzelnen Bereichen Unterschiedliches. In manchen Fällen kann die unvollständige Orientierung das Zeichen einer psychische Störungen sein. In anderen Fällen ist dies nicht der Fall, etwa weil die Person neu in der Firma ist und daher die Situation noch nicht ausreichend überblickt.

Im weiteren Sinn ist die Orientierung also das sich Auskennen, das „Bescheid wissen“, das „Bewandert sein“, das sich Zurechtfinden der Person infolge ihres situativen Wissens bzw. des damit verbundenen Bewusstseins und der momentanen Bewusstheit.

Damit besteht die Orientierung in Abhängigkeit vom Bewusstsein und sie hängt vom Grad der Besonnenheit ab. Dieser Sachverhalt wird in der Psychologie als Wissenschaft näher untersucht.

Und in der Psychiatrie ist der Begriff Orientierung im Hinblick auf diverse psychische Störungen von Relevanz. In ähnlicher Weise auch in der Neurologie im Zusammenhang mit diversen neurologischen Störungen.

Infolge ihrer Orientierung kennt sich die betroffene Person aus. Man kann auch sagen: die Person weiß Bescheid, sie überblickt ihre Situation, sie hat den Überblick, sie weiß wo sie sich befindet, wer was macht, sie kennt sich aus. Man erkennt, dass die Orientierung unter anderem vom Verstand und vom Denkvermögen der Person abhängt.

Somit ist die Orientierung das Wissen das im Moment für eine Person bzw. für ein Lebewesen erfordert ist, um die Situation angemessen zu überblicken, zu beurteilen und zu meistern.

Man erkennt damit, dass die Orientierung eine Funktion des Denkens und somit eine Teilleistung der Psyche ist.

In diesem Sinn kann ein Mensch oder ein Tier orientiert sein, oder es kann dieses Lebewesen nur eingeschränkt orientiert sein oder gänzlich desorientiert sein. Es kann also eine Orientierungsstörung in mehr oder weniger großer Ausprägung vorhanden sein. Dies kann bei einer Person im Rahmen einer psychischen Störung der Fall sein, oder bei einer geistigen Behinderung auch die Übermüdung oder ein Mangel an Information kann zu einer Orientierungsstörung führen.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet beruht die Orientierung auf einer Idee, die im Bewusstsein der Person entsteht wenn diese sich in einer Situation befindet und zurechtfindet (vgl. mit Kant Zitat 7)

In diesem Sinn kann ein Lebewesen, also ein Mensch oder ein Tier bezüglich der aktuellen Situation eine Idee bzw. eine Vorstellung entwickeln und damit orientiert sein oder es kann das Lebewesen durch die Situation überfordert sein. In diesem Fall wird das Lebewesen nur mangelhaft orientiert sein oder es wird gänzlich nicht orientiert sein und man sagt dann: es desorientiert ist.

Wenn ein Lebewesen mit einer völlig ungewohnten (neuen) Situation konfrontiert ist, dann ist es normal dass es vorerst nicht orientiert ist. Es kann also leicht vorkommen, dass dieses Lebewesen in Bezug auf seine Orientierung überfordert ist, weil es nicht genügend Erfahrung und Wissen zur Bewältigung der Situation hat. In diesem Sinn kann die Situation zu einer Orientierungsstörung führen und es ist dies in einem solchen Fall ein natürliches Phänomen. Daneben gibt es allerdings Störungen in der Orientierung, die nicht normal sind, weil das Lebewesen früher bzw. zu anderen Zeiten mit derselben Situation klar gekommen ist. In einem solchen Fall kann die Orientierungsstörung die Folge einer krankheitswertigen psychischen Störung sein oder sie ist die Folge einer geistigen Behinderung. Es handelt sich hierbei also um ein psychopathologisches Phänomen. Mit derartigen Störungen in der Orientierung ist man in der Psychiatrie und auch in der Psychologie (teils auch in der Psychotherapie) befasst.

Beispiele für die Orientierung und das Auftreten von Orientierungsstörungen:

Ein Hund als Haustier ist über den normalenTagesablauf gut orientiert. Er wartet zum Beispiel zur gewohnten Zeit, dass er das Futter bekommt. Oder er erwartet zu einer für ihn gewohnten Zeit, dass der Spaziergang mit ihm gemacht wird usf.

In diesem Sinn kennt auch ein Mensch den Ablauf der Dinge wenn er an einem neuen Ort in Bezug auf eine Situation eingewöhnt ist. Man erkennt damit, dass die Orientierung vom Lernen bzw. vom Gelernten abhängt. Daher kann man auch sagen, dass die Orientierung von der Erfahrung abhängt. Aus diesem Grund kann man auch sagen, dass die Orientierung von der Kognition und somit vom Wissen abhängt. Im Weiteren Sinn hängt die Orientierung vom Gedächtnis und damit auch vom Merken bzw. der Merkfähigkeit ab und es kann etwa bei einer psychischen Störung in Folge eines Rausches oder in Folge einer organischen Störungen wie sie etwa bei der Alzheimerkrankheit (Alzheimerdemenz) oder bei einer sonstigen Demenz vorkommt zu ausgeprägten Störungen in der Orientierung kommen.

Man kennt daher bei gewissen psychischen Störungen die Beeinträchtigungen in der zeitlichen Orientierung, in der örtlichen Orientierung, in der situativen Orientierung usf.

In diesem Sinn ist die Orientierung in der psychiatrischen Diagnostik ein wichtiges psychisches Phänomen. Und es ist daher auch bei der Erstattung eines psychiatrischen Gutachtens in vielen Fällen die Orientierung ein wesentliches Kriterium.

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(letzte Änderung 07.03.2020, abgelegt unter: Definition, Gedächtnis, Medizin, Neurologie, Psyche, Psychiatrie, psychische Störung, Psychologie, Psychopathologie, Psychose)

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