Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Klasse

Eine Klasse ist eine Einheit in der gleichartige Entitäten in einer Klassifikation erfasst werden.

Dabei bilden die verschiedenen Klassen der Klassifikation eine gegliederte Ordnung.

Man kann daher auch sagen, dass die unterschiedlichen Klassen der Klassifikation durch ein System (bestehend aus gleichartigen Einheiten), zusammenhängen.

Dabei muss man unterschieden um was für Entitäten/Erkenntnisobjekte/diagnostische Einheiten es sich  bei den einzelnen Einheiten der Klasse handelt.

Es kann sein, dass in einer Klasse Erkenntnisobjekte erfasst werden, die uns als Gegenstand schlechthin und damit tatsächlich als Fakten gegeben sind, oder es kann sein, dass in einer Klasse Erkenntnisobjekte erfasst werden, die uns nur als Gegenstand in der Idee im Sinne von Immanuel Kant – gegeben sind (vgl. mit Kant Zitat 7).

Im zuerst genannten Fall können die Erkenntnisobjekte der Klasse auf der Ebene der Objekte, je als ein Objekt und damit als demonstrierbare Einheit, somit als faktische Einheit erkannt und etwa in der Diagnostik bestimmt werden.

Im zweit genannten Fall können die Erkenntnisobjekte der Klasse nur auf der Ebene der Ideen durch den Begriff der Idee erkannt/diagnostiziert und klassifiziert werden. Und es handelt sich daher in einem solchen Fall bei der Einheit der Klasse um die systematische Einheit der Idee, die als der Begriff der Idee im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, wenn diese die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

Damit erkennt man, dass es grundsätzlich je nach der Erkenntnisbasis unterschiedliche Klassen gibt.

Und man erkennt ferner, dass die Merkmale der Klasse durch das Schema der Idee bestimmt sind, und diese Merkmale auch die Merkmale der Kategorie bilden.

Durch eine Klasse wird also  ein einzelnes Erkenntnisobjekt nach einer Ordnung, dessen Platz in der Ordnung durch die Merkmale der Klasse bestimmt ist, erfasst; und man erkennt damit, dass die Merkmale des einzelnen Erkenntnisobjekt der Klasse durch die Kategorie aufgezeigt werden.

Dabei sind die gemeinsamen Merkmale der je einzelnen Erkenntnisobjekte einer Klasse und damit die Kriterien der einzelnen Klasse durch die Abstraktion erkannt worden. Und es ist der Unterschied der einzelnen Klassen einer Klassifikation teils allein durch die Analyse – auf der Ebene der Objekte – erkannt worden – und bei den Klassen einer Klassifikation die auf der Ebene der Ideen ein System bilden,  durch die Analyse in Verbindung mit der Synthese.

Dabei sind die unterschiedlichen Klassen einer bestimmten Klassifikation nach einer gewissen Systematik gegliedert.

In diesem Sinn kennt man die verschiedensten Klassen und Klassifikationen in den unterschiedlichen Bereichen des Wissens – sowohl auf der Ebene der Objekte wie auch auf der Ebene der Ideen.

Beispiele für Klassen in unterschiedlichen Systemen und Klassifikationen:

Klassen in der Schule

In der Schule kennt man die verschiedenen Klassen in der Primarschule oder in der Sekundarschule (Hauptschule), oder die verschiedenen Klassen in in einem Gymnasiums usf.

Klassen der Studienrichtungen an einer Universität

An der Universität kennt man die verschiedenen Studienrichtungen, die in verschiedene Klassen unterteilt werden können. Diese können in die Klasse der naturwissenschaftlichen Studien/Fächer, in die Klasse der geisteswissenschaftlichen Studien/Fächer usf. eingeteilt bzw. gegliedert werden.

Klassen in der Biologie

In der Biologie kennt man die Klasse der Pflanzen neben der Klasse der Tiere und andere Klassen von Lebewesen.

In der Zoologie werden z.B. die verschiedenen Tiere in der Diagnostik in die verschiedenen Gattungen nach verschiedenen Klassen gegliedert und damit unterschiedlich klassifiziert.

Man kennt zum Beispiel die Klasse der Einzeller neben den Vielzellern usf.

Unter den Pflanzen kennt man die Klassen der verschiedenen Gewächse, wie diese erstmals vom Botaniker Carl von Linne´ in unterschiedliche Arten/Gattungen gegliedert bzw. klassifiziert worden sind.

So kennt man etwa unter den Blumen die Klasse der Tulpen neben den Rosen und anderen Arten von Blumen usf.

Klassen in der Medizin

In der Medizin können viele Krankheitserscheinungen auf der Grundlage von körperlichen Befunden auf der Ebene des Körpers nach verschiedenen Gattungen diagnostiziert und klassifiziert werden. Andere gesundheitliche Störungen (Krankheiten) können allerdings nur auf der Grundlage von unterschiedlichen Symptomenkomplexen gemäß den verschiedenen Typen erfasst, klassifiziert und in der Diagnostik bestimmt werden. Es werden diese Entitäten also aufgrund der unterschiedlichen klinischen Erscheinung klassifiziert und in der Diagnostik bestimmt (ein Beispiel: die unterschiedlichen Formen der primären Kopfschmerzen werden in der Neurologie gemäße den unterschiedlichen Symptomenkomplexen klassifiziert; die unterschiedlichen Tumoren eines Organs werden in der Pathologie nach dem unterschiedlichen klinischen Erscheinungsbild – des histopathologischen Bildes (Schnittbildes) – klassifiziert. So unterscheidet man in der Histopathologie etwa das papilläre Schilddrüsenkarzinom vom follikulären Schilddrüsenkarzinom).

Unter den Krankheitserscheinungen in der Medizin können daher gewisse durch objektive Befund klassifiziert werden, andere jedoch nur durch subjektive Befunde.

Dabei ist einleuchtend evident dass die Fachleute die klinischen Erscheinungen unterschiedlich auffassen, insbesondere dann wenn das klinische Erscheinungsbild nicht typisch ist.

Wie in Teilbereichen der Medizin können auch in der Psychiatrie die unterschiedlichen psychischen Störungen nur auf der Grundlage der unterschiedlichen klinischen Erscheinungen, hier nämlich aufgrund der unterschiedlichen psychischen Symptomenkomplexe durch die verschiedenen psychiatrischen Kategorien einer psychiatrischen Klassifikation klassifiziert werden. Man kann hier also die unterschiedlichen Störungen der Psyche nur nach nach Typen gegliedert erfassen bzw. klassifizieren – wie dies der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers in seinem Buch Allgemeine Psychopathologie ab der 4. Auflage aufgezeigt hat.

Auch in der Psychologie (Psychosomatik und Psychotherapie), kann man die unterschiedlichen Erscheinungen nur durch Ideen bzw. nur durch die Schemata der Ideen gemäß den verschieden definierten systematischen Einheiten in der Diagnostik erfassen und klassifizieren.

Man kennt also in der Heilkunde die unterschiedlichen Klassen und damit die unterschiedlichen Kategorien der verschiedenen gesundheitlichen Störungen (Krankheiten), die entweder auf der Ebene der Objekte in Folge der körperlich fassbaren unterschiedlichen Merkmale in der Diagnostik erfasst und auf dieser Grundlage klassifiziert werden können, wohingegen andere gesundheitliche Störungen (Krankheiten) nur auf der Ebene der Ideen unter verschiedenen Klassen erfasst, gegliedert und geordnet werden und auf der Grundlage von verschiedenen Typen bestimmt werden.

Die unterschiedliche Grundlage des Wissens sollte in den jeweiligen Wissenschaften beachtet und berücksichtigt werden. Man sollte also als Fachperson unterscheiden, ob das jeweilige Wissen auf Fakten oder auf Ideen beruht bzw. auf faktischen Einheiten oder auf systematischen Einheiten (vgl. mit Kant Zitat 7).

Man bemerkt damit, dass man in der Heilkunde in Bezug auf die gesundheitlichen Störungen verschiedene Einheiten und damit verschiedene Klassen in der „Natur“ auf der Grundlage der anatomischen, histologischen, pathologischen und sonstigen Gegebenheiten entdeckt hat und man andererseits gewisse Krankheitseinheiten auf der Ebene der Ideen bzw. auf der Ebene der Vorstellungen infolge der unterschiedlichen Symptomenkomplexe definiert hat, um auch diese Krankheitserscheinungen gemäß den verschiedenen Klassen bzw. gemäß den verschiedenen Kategorien systematisch in der Wissenschaft studieren zu können.

Es gibt also Krankheitseinheiten, die in verschiedenen Klassen als abgegrenzte Natureinheiten im Sinn von faktischen Einheiten erfasst und in der Diagnostik bestimmt werden können. Und andererseits Krankeitseinheiten, die in diesem Sinn uns nicht als natürliche Krankheitseinheiten auf der Ebene der „Natur“ und damit nicht auf der Ebene der physis gegeben sind, sondern von denen man denkt, dass es solche zu Grunde liegende Natureinheiten gibt. Diese diagnostischen Einheiten können jedoch nur auf der Ebene der Ideen auf der Grundlage von definierten Ideen als abgegrenzte und daher als definierte Einheiten erfasst werden. Eine solche definierte Einheit, die eine projektierte Einheit ist, und die auch eine zweckmäßige Einheit ist, wird durch ein regulatives Prinzip erkannt. Es wird also eine solche nur problematisch zum Grund gelegte Einheit (vgl. mit Kant Zitat 8), die eine hypothetische Einheit ist durch ein transzendentes Erkenntnisobjekt erkannt.

Es sind dies also in der Heilkunde die phänomenologischen Einheiten bzw. die phänomenologischen Diagnosen, die nur auf der Grundlage von definierten Konzepten in der Diagnostik erfasst und sodann in der Wissenschaft systematisch studiert werden können. Dabei ist es in diesen Fällen möglich die diagnostische Einheit ohne Kenntnis der Ursache der jeweiligen gesundheitlichen Störung (Krankheit) systematisch zu erfassen, weil es sich bei diesen diagnostischen Einheiten um systematische Einheiten handelt, die auf der Ebene der Ideen unter sich ein definiertes System bilden, und auf dieser Grundlage die verschiedenen systematischen Einheiten subjektiv gültig bestimmt werden können.

Es werden also diese gesundheitlichen Störungen, die oftmals als funktionelle Störungen bezeichnet werden und deren Diagnosen syndromale Diagnosen im engeren Sinn sind nicht auf der Grundlage der Ätiologie diagnostisch erfasst, sondern auf der Grundlage der Phänomenologie also auf der Grundlage der Krankheitserscheinungen, weil die Ursache als solche in einem derartigen Fall nicht bekannt ist. Wie aufgezeigt werden kann handelt es sich bei den Ursachen dieser gesundheitlichen Störungen immer um komplexe Ursachen.

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(letzte Änderung am 05.02.2020, abgelegt unter: Begriff, Definition, Diagnostik, Einheit, Klassifikation, Medizin, Philosophie, Psychiatrie)

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