Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Ding

Ein Ding ist Erkenntnisobjekt das man erkennt.

Es gibt Dinge, die auf der Ebene der Objekte uns tatsächlich gegeben sind und daher in der Wirklichkeit bzw. in der Realität erkannt und in Folge der Zugehörigkeit zu Gattungen objektiv gültig bestimmt werden können, und andererseits findet man „Dinge“, die nur auf der Ebene der Ideen durch den Begriff der Idee erkannt werden können und die nur in Bezug auf einen definierten Typus bestimmt werden können. Eine solche Einheit ist die Einheit einer Idee, somit ist dies die systematische Einheit  der Idee die ich durch den Begriff der Idee erkenne falls ich die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasse (vgl. mit Kant Zitat 7).

Demgemäß gibt es Dinge die man als Ganzes auf der Ebene der Objekte als Tatsachen erkennen kann und andererseits „Dinge“, bei denen ich das Ganze als Einheit, somit das Ganze als Idee nicht geradezu erkennen kann, wie dies Karl Jaspers in der Psychiatrie bzw. Psychopathologie formuliert hat. (vgl. mit Jaspers Zitat)

In der Medizin gibt es viele Dinge und Parameter, die auf der Ebene des Körpers und damit auf der Ebene der Objekte erkannt und somit auf der Grundlage von objektiven Befunden allgemein gültig bestimmt werden können (etwa gewisse Laborwerte usf.). Andererseits gibt es in der Medizin auch Befunde, die nur subjektiv gültig und damit nur subjektiv evident erkannt werden können, etwa Schmerz, Schwäche, Appetitlosigkeit usf. und auch sonstige Symptome und nicht-objektivierbare Phänomene und können daher in der Medizin diese medizinischen Diagnosen nicht objektiviert werden.

In der Psychiatrie können sämtliche psychischen Phänomene und damit auch die psychischen Störungen und in weiterer Folge die psychiatrischen Diagnosen nur auf der Grundlage von Ideen durch die Begriffe der jeweiligen Ideen erkannt und daher in der Diagnostik nur subjektiv gültig bestimmt werden.

Während man also in der Medizin gewisse medizinische Diagnosen auf der Grundlage von objektiven Befunden und damit auf der Grundlage von real existenten Dingen erkennen und in der Regel allgemein gültig bestimmen kann ist dies in der Psychiatrie bei den Merkmalen der psychischen Störungen und auch bei den Symptomenkomplexen der psychischen Störungen nicht möglich und können diese nur auf der Grundlagen von begrifflichen Einheiten, somit nur auf der Grundlage von systematischen Einheiten erkannt werden, die jeweils in der Form des Begriffs der Idee im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, wenn diese Person die Merkmale der Idee in einem konkreten Fall vorfindet und diese durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7)

In diesem Sinn gibt es in den verschiedenen Bereichen und damit auch in den verschiedenen Wissenschaften Dinge bzw. Erkenntnisobjekte, die entweder auf der Ebene der real existenten Dinge erfasst werden können – und die daher physisch erfasst werden können – oder es ist dies nicht möglich und können diese Erkenntnisobjekte nur auf der Ebene der Ideen und damit nicht physisch sondern nur meta-physisch erkannt und subjektiv gültig bestimmt werden.

Dies ist unter anderem auch im Gutachterwesen von Relevanz, wenn ein Sachverständiger ein Gutachten erstattet und dieser seinen gutachterlichen Befund entweder physisch begründen oder zumindest im Sinn der mathematischen Wahrscheinlichkeit begründen kann, oder eine solche Begründung seines Wissens nicht möglich ist und er seine Erkenntnis nur durch nicht-objektivierbare Phänomene und damit nur durch Erscheinungen und somit nur durch eine Scheinbarkeit im Vergleich zu einer anderen Scheinbarkeit begründen kann, wie dies etwa bei einer psychiatrische Diagnose oder bei einer nicht-objektivierbare phänomenologischen Diagnose in der Medizin der Fall ist.

Während also in der Wissenschaft die Erkenntnisse wie sie auf der Grundlage von statistischen Studien erlangt werden den Stellenwert einer mathematischen Wahrscheinlichkeit haben, ist es in anderen Bereichen so, dass hier das Wissen nur den Grad einer Scheinbarkeit im Vergleich zu einer anderen Scheinbarkeit hat und es sich somit um philosophische Wahrscheinlichkeit handelt. (vgl. mit Kant Zitat 9b)

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(letzte Änderung 26.3.2014, abgelegt unter philosophische Begriffe, Philosophie, Definition)

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