Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Psychiatrische Diagnosen sind Diagnosen die durch systematische Einheiten erkannt werden

Psychiatrische Diagnosen sind Diagnosen die durch systematische Einheiten erkannt werden, weil psychiatrische Diagnosen auf der Grundlage von Ideen erkannt werden. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Genau genommen sind die Begriffe der psychiatrischen Diagnosen systematische Einheiten.

In der Psychiatrie sollte man beachten, dass psychische Erscheinungen unter der Führung von Ideen auf der Grundlage von Ideen in Bezug auf definierte Typen erkannt werden, wie dies der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers erkannt hat (vgl. mit Jaspers Zitat).

Dieser Sachverhalt wird in der Psychiatrie der Gegenwart in der Regel allerdings seit einigen Jahrzehnten nicht mehr beachtet. Vielmehr werden in der Psychiatrie der Gegenwart die psychischen Störungen und damit die psychiatrischen Diagnosen vielfach wie faktische Einheiten in der Medizin angesehen.

Diese Sichtweise geht im Wesentlichen auf den Psychiater Emil Kraepelin zurück, der geglaubt hat, dass die Psychiatrie auf der Grundlage des naturwissenschaftlichen Verständnisses sich zu einem kräftigen Zweig der medicinischen Wissenschaft fortentwickelt. (vgl. mit Kraepelin Zitat 2)

Gerade das ist aber nicht möglich.

Durch diese Sichtweise ist die Psychiatrie in Schwierigkeiten und in Probleme geraten. Weil es sich bei einer psychischen Störung in diagnostischer Hinsicht um eine ganz andere Einheit handelt als in der Medizin, wo in vielen Fällen die diagnostische Einheit auf der Grundlage von körperlichen objektiven Befunden objektiv gültig und damit allgemein gültig bestimmt werden kann.

Ein psychisches Phänomen und damit auch eine psychische Störung und in weiterer Folge eine psychiatrische Diagnose kann nur auf der Grundlage einer phänomenologischen Einheit erkannt werden.

Man kann eine psychiatrische Einheit nicht biologisch bzw. nicht physisch erkennen.

Eine gesundheitliche Störung der Psyche kann man nur auf der Grundlage von psychischen Phänomenen bzw. nur auf der Grundlage von psychopathologischen Phänomenen und daher nur subjektiv gültig erkennen und deswegen kann eine psychische Störung in der Psychiatrischen Diagnostik nur subjektiv gültig bestimmt werden.

Man kann einen psychischen Befund bzw. einen psychiatrischen Befund nicht durch körperliche Befunde valdieren und man kann ihn auch nicht auf dieser Grundlage objektivieren.

Mit anderen Worten: man kann durch physische Befunde bzw. durch biologische Befunde die Erkenntnis einer psychiatrischen Diagnose nicht validieren – man kann sie nicht physisch überprüfen – so wie dies in der Medizin in vielen Fällen und somit bei vielen medizinischen Verdachtsdiagnosen möglich ist. Mit anderen Worten: in der Medizin kann der Arzt die Idee, die er erlangt hat, in vielen Fällen auf der Ebene der Objekte überprüfen. Das heißt der Arzt kann in diesem Fall die medizinische Diagnose objektivieren.

In der Psychiatrie kann man – so wie in der Psychologie – das Wissen nur auf der Grundlage von bloßen Ideen erlangen und daher nur subjektives Wissen erlangen. Daher kann man in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) die Erkenntnisse nur subjektiv evident bzw. nur einleuchtend evident (= scheinbar evident) erkennen. Ein psychiatrische Diagnose ist mehr oder weniger einleuchtend evident zutreffend, aber sie ist nicht augenscheinlich evident zutreffend, wie ein körperlicher faktischer Befund bzw. ein objektiver Befund.

Daher täuschen sich in der Biologischen Psychiatrie die Fachleute wenn sie glauben, dass gewisse psychische Störungen allgemein gültig festgestellt werden können, oder dass durch eine integrative Diagnostik gewisse psychische Störungen durch physische bzw. durch biologische Zusatzbefunde validiert werden können. Durch solche Befunde kann man diese psychischen Störungen besser erklären – wenn man sie zuvor auf der Grundlage der Phänomenologie bzw. auf der Grundlage der Psychopathologie festgestellt hat – aber die Diagnostik kann damit nicht wirklich gesichert und im Sinn der Validierung verbessert werden.

Weil man also ein psychisches Phänomen – nicht so wie viele körperliche Erscheinungen auf ein Objekt zurückführen und auf dieser Grundlage allgemein gültig bestimmen kann – ist die Psychiatrie und damit auch die psychiatrische Wissenschaft in große Schwierigkeiten geraten, weil sie die Grundlage ihrer Erkenntnisse bzw. ihre Erkenntnisbasis nicht beachtet und nicht berücksichtigt.

Daher kann man in der Psychiatrie nicht selten im Rahmen der psychiatrischen Praxis und im Rahmen des psychiatrischen Gutachterwesens beobachten und auch in der psychiatrischen Wissenschaft beobachten wie unergiebige Diskussionen bezüglich einer psychiatrischen Diagnose geführt werden. Die eine Fachperson versucht die andere Fachperson zu überzeugen, dass sie mit ihrer eigenen (subjektiven) Sichtweise richtig liegt und die andere Sichtweise falsch ist. Dies ist jedoch in der Psychiatrie gänzlich unergiebig, weil man auf der Ebene der Ideen und zwar auf der Ebene der bloßen Ideen in keiner Weise beweisen kann, dass die eine Sichtweise richtig ist und die andere Sichtweise falsch ist. Wenn man so denkt wie etwa der Psychiater Emil Kraepelin gedacht hat, dann muss man sagen, dass eine solche Fachperson noch nicht im Sinn der Aufklärung aufgeklärt ist, weil sie die Grenzen des Wissens und damit die Beschränktheit des eigenen Wissens nicht beachtet. (vgl. mit Kant Zitat 10)

In der Psychiatrie kann man auf der Grundlage der psychiatrischen Ideen bzw. auf der Grundlage der Begriffe der psychiatrischen Ideen, die sämtliche systematische Einheiten sind nur angenähertes Wissen erlangen (vgl. mit Jaspers Zitat). Es gibt in der psychiatrischen Diagnostik keine objektive Evidenz. Man täuscht sich wenn man glaubt, dass man durch gewisse körperliche bzw. durch gewisse physische (biologische) Befunde die Diagnose einer psychischen Störung objektivieren oder validieren kann. Durch derartige Befunde kann man unter Umständen eine psychische Störung und damit eine psychiatrische Diagnose besser erklären, aber validieren und verifizieren oder objektivieren kann man sie dadurch nicht.

In dieser Hinsicht täuschen sich die Fachleute in der Biologischen Psychiatrie wenn sie glauben, dass in der Psychiatrie eine Integrative Diagnostik möglich ist bzw. dass es  in Zukunft eine solche Integrative Diagnostik geben wird durch die man gewisse psychiatrische Diagnosen durch biologische Befunde, etwa der Genetik, der Funktionellen Bildgebung, der Biochemie oder einer sonstigen physischen Methode diagnostisch verlässlicher also reliabler diagnostisch bestimmen kann.

Wegen des großen Unterschieds der Erkenntnisobjekte (vgl. mit Kant Zitat 7) ist eine Integrative Diagnostik in diesem Sinn in der Psychiatrie nicht möglich. Wegen des großen Unterschieds der Erkenntnisobjekte kann man das Eine nicht durch das Andere bestimmen oder überprüfen. (vgl. mit Kant Zitat 4 und Kant Zitat 7 ; Weiteres dazu auf Poster 6: Diagnosis in Psychiatry – the Role of Biological Markers – an investigation in the light of Immanuel Kant`s philosophy)

Vielmehr als eine psychiatrische Einheit und damit eine psychiatrische Diagnose als faktische Einheit anzusehen sollte man in der Psychiatrie sich eingestehen, dass eine psychiatrische Einheit eine ideologische Einheit ist. Man sollte also in der Psychiatrie beachten, dass es sich bei den psychiatrischen Einheiten – so wie bei den psychologischen Einheiten in der Psychologie – um ideologisch begründete Einheiten, also um ideologische Einheiten handelt, die man auf der Grundlage einer definierten Ideenlehre somit auf der Grundlage einer Ideologie bzw. philosophisch gesprochen auf der Grundlage einer Dogmatik erlangt bzw. erkennt. (vgl. mit Kant Zitat 10)

Man kann daher in der Psychiatrie die psychischen Erscheinungen unter verschieden Gesichtspunkten erkennen und diagnostisch bestimmen, wie dies ebenfalls bereits Karl Jaspers auf der Grundlage der Philosophie von Immanuel Kant erkannt und aufgezeigt hat. (vgl. mit Jaspers Zitat 11)

Wenn man die ideologische Basis des psychiatrischen Wissens nicht beachtet dann grät man umgehend in Anitnomien (= Widersprüche) (vgl. mit Jaspers Zitat) – und gerade dies ist in der Psychiatrie der Gegenwart ein häufig zu beobachtendes Phänomen. So streiten etwa Psychiater und damit auch psychiatrische Gutachter bei Gericht oder sonst bei der Erstattung von psychiatrischen Gutachten unergiebig um die vermeintlich richtige psychiatrische Diagnose um damit dieses oder jenes zu beweisen.

Dabei kann man aber in der Psychiatrie – wie bereits gesagt – in der Diagnostik nichts wirklich, also nichts auf der Grundlage von Fakten beweisen. Man kann in der Psychiatrie nur auf der Ebene der Ideen argumentieren und versuchen durch Argumente deutlich zu machen, dass die eine Sichtweise treffender als die andere ist. Aber einen Beweis im Sinn eines allgemein gültigen Beweises gibt es in der Psychiatrie – und hier insbesondere in der psychiatrischen Diagnostik – nicht. Eben weil die Argumente nur einleuchtend evident und nicht augenscheinlich evident sind.

Man sollte in der Psychiatrie also beachten, dass man die psychischen Störungen nur in Bezug auf (definierte) Typen erkennen kann – wie dies Karl Jaspers in seinem Buch „Allgemeine Psychopathologie“ aufgezeigt hat. (vgl. mit Jaspers Zitat)

Wenn man dies beachtet und damit die Beschränktheit des Wissens in der Psychiatrie beachtet (vgl. mit Kant Zitat 3a), dann wird man nicht in Widersprüche (Antinomien) geraten. Vielmehr wird eine solche Fachperson das Wissen das sie auf der Grundlage von bloßen Ideen gewonnenen hat richtig verwenden. Eine solche Fachperson wird die psychiatrischen Ideen relativistisch verwenden – eben weil sie nur relativ gültig sind.

Eine psychiatrische Erkenntnis ist nämlich relativ gültig in Bezug auf die angewandte definierte Idee.

Wenn man in diesem Sinn das psychiatrische Wissen richtig verwendet und beachtet, dass es sich dabei – so wie beim Wissen in der Psychologie – um beschränktes Wissen handelt, dann wird solches Wissen für die betroffene Person in Bezug auf die man es erlangt hat nur von Vorteil sein (vgl. mit Kant Zitat 4) – wie dies auch für die psychologischen Ideen zutreffend ist – wenn man sie richtig verwendet – und wie dies Immanuel Kant vor bereits mehr als 200 Jahren erkannt hat und in seinem Werk: „Kritik der reinen Vernunft“ geschrieben hat.

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Weiteres, insbesondere über die Konsequenzen, finden Sie im blog: Konsequenzen.

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(letzte Änderung 5.5.2014, abgelegt unter Psychiatrie, Diagnostik, Konsequenzen, systematische Einheit, psychiatrische Diagnose)

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