Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Integration

Eine Integration ist eine Zusammenführung oder eine Eingliederung.

Man kann auch sagen:

Eine Integration ist die Herstellung einer Einheit.

Oder man kann auch sagen:

Eine Integration ist die Herstellung einer größeren Ordnung.

Daher führt eine Integration zur Herstellung eines Ganzen.

Dabei wird dieses „Ganze“ durch den Begriff der Idee erkannt (vgl. mit Kant Zitat 7). Und es ist daher diese Einheit bzw. dieses Schema eine systematische Einheit (vgl. mit Kant Zitat 7).

Es ist die Integration also der Zusammenschluss zu einer übergeordneten Ganzheit bzw. zu einer Einheit, die durch eine Synthese erlangt bzw. bewirkt wird.

Das Gegenteil zur Integration ist die Desintegration.

lateinisch: integrare – eine Einheit bilden, etwas einrenken, wiederherstellen.

Man verwendet den Begriff der Integration in den verschiedensten Bereichen

In der Medizin und in der Biologie ist eine Integration eine Zusammenführung von etwas auf der körperlichen bzw. auf der biologischen Ebene. Oder es ist in der Medizin eine Integration der mentale Vorgang, etwa in dem Sinn, dass durch die Integration ein gewisser Symptomenkomplex erkannt wird, wie dieser durch gewisse körperliche Symptome und durch nicht-objektivierbare körperliche Phänomene gebildet wird, z.B. bei der Migräne oder sonst bei einem Schmerzsyndrom.

In der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) ist eine Integration eine Zusammenführung von Informationen auf der psychischen bzw. auf der mentalen Ebene. Es ist hier also eine Integration eine Sammlung und Verarbeitung von Reizen und Informationen auf der Ebene der Psyche. Oder es ist eine Integration in diesem Bereichen eine Zusammenführung von verschiedenen psychischen Phänomenen unter dem Begriff einer psychologischen Idee (einer psychotherapeutischen Idee) oder einer psychiatrischen Idee. Schließlich kennt man in der Psychiatrie auch die integrative Schau, die die psychischen Phänomene durch biologische Phänomene diagnostisch erfassen will. Dies ist der Gegenstand in der Biologischen Psychiatrie, wo man derzeit von integrativer Diagnostik spricht. Man meint hier das Entstehen von gewissen psychischen bzw. psychopathologischen Phänomenen als Folge von biologischen Ursachen. Kritisch betrachtet erkennt man jedoch, dass man diese Relation nur erklären, aber nicht diagnostisch bestimmen kann (Weiteres dazu auf Poster 6: Diagnosis in Psychiatry – the Role of Biological Markers – an investigation in the light of Immanuel Kant`s philosophy). Und man erkennt hierbei auch, dass eine integrative Diagnostik im Sinn der Biologischen Psychiatrie, die eine höhere Validität und Reliabilität der psychiatrischen Diagnosen durch biologische Befunde anstrebt, wegen des großen Unterschieds der Erkenntnisobjekte nicht möglich ist (vgl. mit Kant Zitat 7).

Weitere Beispiele zur Integration

In der Medizin ist zum Beispiel die „Sammlung“ der Sonneneinstrahlung auf der Haut ein Vorgang, den man als Integration im Sinn eines biologisches Phänomen bezeichnen kann. Bekanntlich kommt es hierbei unter Umständen zum Auftreten eines Sonnenbrandes, wenn das Organ Haut mit der Menge an Sonnenstrahlung, insbesondere an UV Strahlung überfordert ist. Es handelt sich dabei also um ein biologisches Phänomen das von verschiedenen Faktoren abhängt, die letztlich zum Sonnenbrand führen wenn das biologische System „Haut“ überfordert ist und es damit zu dieser Störung kommt.

In der Psychiatrie kennt man etwa das psychische Phänomen des nervösen Reizzustandes wie dieser bei einer Überlastung auftritt. Bei einer empfindlichen Person mit erhöhter Vulnerabilität kann sich unter Umständen deswegen eine psychische Störung vom Ausmaß einer Psychose entwickeln.

In diesem Sinn kennt man in der Medizin und auch in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) und auch sonst in vielen anderen Bereichen Vorgänge, die man als Integration von Reizen und Phänomenen bzw. von Informationen verstehen und erklären kann.

Integration von Information auf der Nervenzelloberfläche

Bekanntlich treffen auf der Nervenzelloberfläche die Impulse, nämlich die Aktionspotentiale von anderen Nervenzellen ein. Dadurch kommt es zur Integration dieser Information insofern positive und negative Reize einlangen, die aufsummiert bzw. subtrahiert werden. Schließlich wird damit unter Umständen eine Reizschwelle erreicht bei der diese Nervenzelle ihrerseits einen Impuls und damit ein Aktionspotential absetzt. Auf diese Art und Weise funktioniert bekanntlich das Nervensystem und es werden auf diese Art und Weise die Informationen auf der neuronalen Ebene verarbeitet.

Dabei ist bemerkenswert, dass es an der Oberfläche der einzelnen Nervenzelle keinen Unterschied ausmacht von woher etwa ein positiver Reiz gekommen ist. Es spielt hier also keine Rolle, ob etwa dieser positive Reiz und damit der Effekt pharmakogen oder psychogen oder durch eine sonstige Ursache (etwa durch die Ernährung bedingt, oder durch die Wetterlage z.B. durch die Föhnlage bedingt etc. entstanden ist). Entscheidend ist letztlich nur, ob sich der Reiz bzw. die Information positiv oder negativ auswirkt.

Dies ist unter anderem von Relevanz wenn man sich in einem konkreten Fall überlegt in welchem Ausmaß die Psychotherapie bzw. der psychologische Effekt zur Besserung des gesundheitlichen Zustandes beigetragen hat und welchen Effekt etwa die Pharmakotherapie dazu beigetragen hat, wenn beide Behandlungsformen zur Anwendung kamen, wobei natürlich auch schon allein das ärztliche Gespräch in diesem Sinn eine psychogene Wirkung hat – auch wenn dieses noch nicht als Psychotherapie im engeren Sinn bezeichnet wird.

Integration von verbaler Information und non-verbaler Information

Betrachtet man die Integration der Information auf der Nervenzelloberfläche unter dem Aspekt der verbalen Information versus der nonverbalen Information so kann man – so wie im vorangehenden Absatz – sagen, dass es letztlich auf der einzelnen Nervenzelle keinen Unterschied ausmacht, ob die Information von einer verbalen Informationsquelle – etwa im Sinn eines Gedankens bedingt durch das Denken stammt oder von einer nonverbalen Quelle, etwa im Sinn einer Stimmung bzw. eines Gefühls, die Information also aus einer ganz anderen Gehirnregion kommend auf der Nervenzelle einlangt. Es kann sich also sowohl die Information aus der einen Quelle wie auch die aus der anderen Quelle entweder positiv oder negativ auswirken.

Damit wird deutlich, dass in vielen Fällen die nonverbale Information, etwa die Gestik, die Art und Weise wie eine Person schaut usf. sehr wesentlich zum Eindruck beiträgt den sie letztlich macht. Man denke an dieser Stelle an die Sympathie also daran was uns eine Person sympathisch oder unsympathisch erscheinen lässt bzw. macht.

Diese Art der Aufsummation der Information spielt also in vielen Bereichen eine große Rolle.

Auch im Tierreich sind Phänomene beobachtbar, wo die Aufsummation und damit die Integration zur Entscheidung und damit zur Reaktion in diese oder in jene Richtung führt.

Wenn man etwa gewisse Tiere beobachtet, die ab einer gewissen Distanz die Flucht ergreifen, wohingegen eine größere Distanz des Beobachters toleriert wird. Und was es dabei ausmacht, wenn das Tier den Körpergeruch vom Beobachter in die Nase bekommt, oder diese Information nicht zu Buche schlägt, weil der Wind den Geruch in die andere Richtung trägt.

Man erkennt damit, dass ein Lebewesen, sei es ein Mensch oder ein Tier eine Pflanze oder sonst ein Lebewesen immer als Ganzes reagiert und wie in gewisser Hinsicht alles mit allem zusammenhängt.

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(letztes Änderung 16.8.2013, abgelegt unter philosophischer Begriffe, psychologischer Begriff, psychiatrischer Begriff, Definition)

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