Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Disziplin

Eine Disziplin ist eine Praxis.

Disziplin von lateinisch disciplina ‚Lehre‘, ‚Zucht‘, ‚Schule‘.

Dabei kann man eine fremdbestimmte Disziplin von einer selbstbestimmten Disziplin unterscheiden.

Die selbstbestimmte Disziplin kann spontan und kreativ gemäß dem eigenen Wesen praktiziert und entwickelt werden (vgl. mit Osho Zitat 17d1).

Im Gegensatz dazu ist die  fremdbestimmte Disziplin von außen her bestimmt und nach einer gewissen Ordnung geregelt.

Dies ist die Disziplin die vorgibt das zu tun was getan werden soll, also die : disciplina im Sinn der „Zucht“ und Ordnung. Es bedeutet hier die „Schule“, dass sich der Schüler an das hält was ihm vom Lehrer angesagt wird und dieser von ihm erwartet. Oder was im Militär der Soldat gemäß dem Befehl zu tun hat, oder was in einem Amt der Beamte zu tun hat, oder in einer Partei das Parteimitglied gemäß der Parteidisziplin zu wählen bzw. bei der Abstimmung gut zu heißen hat usf.

Im Gegensatz dazu kann die selbstbestimmte Disziplin so geartet sein, dass sie der jeweiligen Situation und den Gegebenheiten angepasst ist und es geschieht hier das Tun, so wie es gerade passend ist oder passend erscheint. Dies ist die Disziplin im Sinn des Yoga wie sie Osho (vgl. mit Osho Zitat 17d1) gemäß den Sutren von Patanjali (vgl. mit Patanjali Zitat 1) versteht.

Gemäß Osho sollte die Disziplin also aus dem eigenen Inneren entstehen und es bedeutet diese Disziplin das Lernen aus der eigenen Erfahrung.

Und es ist ein solche eigene bzw. selbstbestimmte Disziplin die wahre Disziplin die Bereitschaft wirklich zu lernen.

Man kennt in diesem Sinn das Ziel der Achtsamkeit oder das Ziel der Selbstbeherrschung im Sinn der wahren Selbstdisziplin. Und man  kennt im Gegensatz dazu die Disziplin bei der man angehalten ist etwas zu tun, etwa der Schüler durch den Lehrer, ohne dass der Schüler primär von sich aus das Bedürfnis hat sich an diesen Vorsatz zu halten.

Es gibt also die Disziplin, die sich der Mensch selbst auferlegt im Gegensatz zur Disziplin die ihm auferlegt wird und die von ihm eingefordert wird. Man erkennt damit den Unterschied und den Übergang von der wahren Disziplin zur Disziplinierung bis hin zur Bestrafung und Züchtigung.

Der Begriff der Disziplin wird also in verschiedener Hinsicht verwendet und man kennt daher den Begriff der Disziplin bei der Arbeit, also im Beruf, in der Schule, zu Hause wenn man vom Ehepartner oder von den Eltern aufgefordert wird dieses oder jenes zu beachten und einzuhalten. In der Politik kennt man den Begriff der Parteidisziplin. In ähnlichem Sinn gibt es die Disziplin beim Militär, bei der Feuerwehr, beim Roten Kreuz usf.

Im Sport kennt man die verschiedenen Sportdisziplinen, die Leichtathletik, das Geräteturnen usf.wo es in jeder Disziplin um eine gewisse sportliche Aktivität und gewisse Ziele geht. Hier hat der Begriff Disziplin auch eine andere Bedeutung.

In diesem Sinn soll ein Sportler diszipliniert die Übungen machen, die zur Verwirklichung der Vorsätze bzw. der angestrebten Ziele führen.

In der Medizin kennt man den Begriff der Disziplin in der Hinsicht, dass ein Patient sich an die Empfehlungen etwa in Bezug auf die Ernährung, die Bewegung, die Durchführung von gewissen hilfreichen Übungen, die Einnahme von gewissen Medikamenten usw. hält.

Und man kennt in der Psychiatrie und Psychotherapie die Disziplin in psychisch- geistiger Hinsicht etwa keinen Alkohol zu trinken wenn man ein Alkoholproblem hat oder sonst ein Problem mit einer Sucht hat oder gehabt hat, weil es ansonsten umgehend zum Rückfall kommt. Es geht hier also so, wie in der Psychologie und in der Psychotherapie darum, gewisse Ziele besser zu erreichen weil eine (selbstauferlegte) Disziplin eingehalten wird, weil es sich lohnt. Es geht hier also um eine nützliche Disziplin die die Psyche und im weiteren Sinn das Erleben und das Verhalten betreffen, wenn man sich an eine gewisse Vorsätze hält und nicht leichtsinnig davon abrückt nur weil im Moment eine Versuchung aufgetreten ist.

Im Yoga und in der Meditation kennt man den Begriff der Disziplin in der Hinsicht, dass die regelmäßige Praxis mit Disziplin – also gemäß einem Vorsatz durchgeführt wird und nicht der „Schlendrian“ die Oberhand gewinnt und man wegen dieser oder jener Ausrede die praktischen Übungen  nicht mehr macht. Dabei soll aber die Asana mit Leichtigkeit gemacht werden bzw. soll das eigene Vermögen und die eigene Beweglichkeit der Übung entsprechen – und soll man daher Gewalt gegen sich selbst vermeiden.

Die Disziplin einer jeden Praxis falls sie angemessen gemacht wird befördert nämlich die Konzentration und damit das Vermögen diese Praxis mit größerer Fertigkeit und größerer Leichtigkeit durchzuführen.

Es ist die Disziplin also generell für die Entwicklung, für die Ausbildung und für den Erwerb eines Könnens bzw. für den Erwerb einer Fähigkeit von großer Bedeutung, weil dadurch das Lernen und letztlich das Können befördert wird.

Es kann daher die Einhaltung der Disziplin die Person befähigen das Ziel zu erreichen, das sie ohne Disziplin nicht erreichen kann, weil nur so die Fertigkeiten in diesem Ausmaß durch das angemessene Streben nach Vollkommenheit in dieser Hinsicht erreicht wird.

Man denke dabei an die Disziplin, die ein Musiker etwa ein Konzertpianist aufbringen muss, damit er beim Konzert die Leistungen von diesem Grad vollbringen kann. Andererseits sollte es auch die Freiheit – im anderen Sinn Osho Zitat 17d1 im Tun und Handeln geben, damit die Interpretation vollkommen gemäß der Spontaneität gelingt.

Neurophysiologisch betrachtet führt die Disziplin zu Entwicklung und Stabilisierung von gewissen neuronalen Mustern. Es wird dadurch also die neuronale Funktion im Nervensystem und in weiterer Folge die Funktionalität des ganzen Organismus in gewissen Hinsicht gefördert und entwickelt und es wirkt sich dies auch auf das Befinden und damit auf das Wohlbefinden der Person aus, wenn diese Praxis der eigenen Natur gemäß durchgeführt wird. Umgekehrt kann eine übertriebene Disziplin etwa eine selbstverachtende Selbstkasteiung schädlich sein. Wenn die Disziplin also so geartet ist, dass sie der Natur bzw. dem Naturell des Individuums entspricht, dann ist sie förderlich, im anderen Fall wenn sie der Natur des Individuums widerspricht, dann ist sie nicht förderlich sonder hinderlich und unter Umständen sogar schädlich. Dies muss von der Person beachtet werden, die die Disziplin ausübt und auch vom Lehrer der den „Schüler“ anleitet. Man erkennt damit den Unterschied der Disziplin zur Disziplinierung, die sich in dieser Hinsicht negativ auswirkt. (vgl. mit Osho Zitat 17d1)

Es geht also um die angemessene Disziplin, die anzustreben ist und um die Vermeidung von Extremen, die dem entgegen stehen.

Psychologisch betrachtet ist die Disziplin eine Praxis die zur Entwicklung der Psyche im positiven Sinn führt wenn die Praxis dem entspricht was der Situation angemessen und dem Individuum möglich ist. Es geht also um die angemessene Förderung durch irgend eine Praxis, die im vorgenannten Sinn für die Entwicklung des Individuums förderlich und damit positiv ist. Es soll und wird dadurch also das Selbstwertgefühl, das Selbstbewusstsein und die Fähigkeit in verschiedenster Hinsicht gefördert und entwickelt – wenn etwas mit angemessener Disziplin durchgeführt wird.

Man erkennt damit, dass nur die positive Förderung als Disziplin im ursprünglichen Sinn bezeichnet werden kann, wohingegen die Disziplinierung nicht förderlich ist und etwas anderes meint. (vgl. mit Osho Zitat 17d1)

Es soll demgemäß einen jede Praxis und damit auch eine jede Disziplin mit vernünftiger Überlegung, somit durch die Vernunft geleitet ausgeführt werden und es soll vom Lehrer der Schüler unter Berücksichtigung der individuellen Gegebenheiten angeleitet werden – nur dann kann man von einer positiven Disziplin sprechen.

Mangel an Disziplin

Der Mangel an Disziplin ist insofern nachteilig, weil es damit nicht zur positiven sondern zur negativen Entwicklung kommt. Man denke nur an das Verhalten, wie es beispielsweise durch die Verwahrlosung befördert wird, die als Folge des gänzlichen Mangels an Disziplin und positiver Förderung eingetreten ist. Oder man denke an die gestörte Persönlichkeitsentwicklung wie sie ihm Rahmen einer Sucht eintritt bei der es der Person auch nicht gelingt eine Disziplin einzuhalten bzw. sie davon gänzlich abkommt sich selbst im positiven Sinn anzuleiten und ihr Verhalten nur durch die Dynamik der Sucht bestimmt wird. Man kennt in diesem Zusammenhang den Übergang von der Ordnung zur Unordnung eben bis hin zur Verwahrlosung. Und man erkennt damit auch in welcher Hinsicht die Disziplin bzw. der Mangel an Disziplin und Selbstdisziplin unter Umständen durch eine psychische Störung oder geistige Behinderung bedingt ist, womit  die Sonderpädagogik, die Psychiatrie und zum Teil auch die Psychologie befasst sind.

Man erkennt damit wie wichtig die angemessene Disziplin für die positive Entwicklung des Kindes und des Erwachsenen in jeglicher Hinsicht sind. Dies gilt für die Pädagogik ganz allgemein, für das Lernen in der Schule und für die weitergehende Ausbildung im Beruf oder im Studium. Überhaupt ist für das geordnete Zusammenleben in der Gesellschaft in vielerlei Hinsicht die Disziplin und die Selbstdisziplin erfordert damit nicht alles in Unordnung und Verwahrlosung gerät.

Es wird also die Disziplin im positiven Sinn vom guten alten Hausverstand angeleitet damit das individuelle Wohlergehen und auch das gesellschaftliche Wohlergehen dadurch befördert wird.

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(letzte Änderung 04.01.2018, abgelegt unter: Medizin-Psychotherapie-Yoga-Meditation, philosophischer Begriff, psychologischer Begriff)

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